Neues Volksblatt: "Potemkinsches Dorf" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 30. Jänner 2014

Linz (OTS) - Es ist müßig zu fragen, ob Frank Stronach auch dann von der Politik so schnell die Nase voll gehabt hätte, wenn seine Partei bei der Nationalratswahl besser abgeschnitten hätte. Etwas mehr als fünf Prozent sind keine Offenbarung, wenn man von den Meinungsforschern auf 20 und mehr Prozent taxiert wird. Klar zu beantworten ist die Frage, wo die Verantwortung für das mäßige Abschneiden bei der Wahl liegt - nämlich beim Parteigründer selbst. Er hatte der Partei seinen manchmal skurrilen Stempel aufgedrückt, er hat das manchmal mehr als skurrile Personal rekrutiert, und skurril ist auch, was als politisches Vermächtnis zurückbleibt: Eine nicht zuletzt mit politischen Glücksrittern durchsetzte Parlamentstruppe sowie Landesgruppen, die mit der Bundespartei nicht mehr wollen oder können. Hätte er in der Wirtschaft so agiert wie als Politiker, wäre Stronach mit Garantie jener unternehmerische Erfolg verwehrt geblieben, den er unbestritten erreicht hat. Die Erkenntnis, dass er mit der Goldenen Regel in der Politik gescheitert ist, ließ sich Stronach satte 30 Millionen Euro kosten.
Und die demokratiepolitische Lehre aus seinem Kurzgastspiel als Parlamentarier (und wohl auch als Parteichef, auch wenn er das auf dem Papier noch ist): Es lohnt sich, wenn Wähler genau hinschauen. Wer den Blick hinter die Fassade riskiert, läuft viel weniger Gefahr, dass er seine Stimme an ein politisches Potemkinsches Dorf verschleudert.

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