• 29.01.2014, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mehr Mut zur Risikoabwägung - von Andre Kühnlenz

Die Wirtschaftsdelegierten sollten offen über Risiken informieren

Utl.: Die Wirtschaftsdelegierten sollten offen über Risiken
informieren =

Wien (OTS) - Manchmal sollten wir weghören, wenn Österreichs
Außenwirtschaftskammer fremde Länder anpreist. Im Sommer etwa
schwärmte der Wirtschaftsdelegierte in Istanbul noch in höchsten
Tönen von der Türkei. Da waren die politischen Unruhen vom Frühjahr
gerade erst abgeklungen. Die brutalen Polizeieinsätze gegen
Demonstranten im Gezi-Park waren zwar noch in guter Erinnerung: Doch
immerhin legte der Absturz der Landeswährung Lira eine Pause ein -
was Hoffnung auf eine politische und wirtschaftliche Stabilisierung
weckte.

Dabei ist es nur zu verständlich, wenn Österreichs Firmen neue
Expansionsziele suchen. Jahrelang fanden sie ihr Heil nur in den
östlichen Nachbarstaaten. Die Region sucht aber seit der Finanzkrise
noch immer nach einem neuen Wachstumsmodell. Doch gilt es dabei,
nicht die Risiken aus den Augen zu verlieren. Leider hört man davon
selten etwas von Österreichs Wirtschaftsdelegierten.

Es bringt österreichischen Unternehmen wenig, wenn ihnen zwar die
Chancen und Vorzüge von Investitionen in fernen Ländern angepriesen
werden - sie aber bei der Risikoeinschätzung oft alleingelassen
werden. Selbstverständlich hat auch niemand etwas davon, wenn nur
alles schwarzgemalt wird. Es braucht eine realistische Abwägung von
Risiken und Chancen. Alles andere wäre fast schon verantwortungslos.

Dann kann es auch nicht passieren, dass nur wenige Wochen, bevor der
Korruptionsskandal in der türkischen Regierung ausbrach, das Land
noch als Hort der Stabilität in der Region bejubelt wird, wie es der
Wirtschaftsdelegierte Ende September vor Journalisten tat. Dabei war
schon damals klar, dass die Auslandsverschuldung der Türken längst
wieder wächst, wie zum Beispiel das WirtschaftsBlatt bereits im
Sommer warnte.

Genau diese außenwirtschaftliche Instabilität hatte das Land aber
dafür anfällig gemacht, dass ein Vertrauensverlust gegenüber der
Regierung das ganze Land an den Abgrund treibt: Ausländer zogen in
den vergangenen Wochen deswegen ihr Kapital ab und prügelten so die
Währung in den Keller. Jetzt bleibt der Notenbank nichts anderes
übrig, als die Zinsen drastisch zu erhöhen. Das aber könnte der
Wirtschaft in den nächsten Monaten zumindest eine gefühlte Krise
bescheren. Es wäre zu wünschen, dass die Wirtschaftsdelegierten
Österreichs über solche Risiken mehr und auch öffentlich informieren.

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