Neues Handke-Stück vom "bösesten Ich"

Wien (OTS) - Peter Handke hat ein neues Theaterstück in den "Rohzustand" gebracht, so, "dass ich sagen kann, es ist nicht nichts". Das gibt der österreichische Weltliterat in einem Gespräch für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe bekannt. Zeit und Ort der Uraufführung stehen noch nicht fest. Handke: "Es geht um einen Menschen, der an der Landstraße sitzt - am letzten Ort, der auf der Welt noch frei ist. Wo man noch etwas erleben kann, was nicht von Bedeutung, Symbol, Zwang und System erfüllt ist. Es heißt'Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße.' Ein Drama in vier Jahreszeiten. 'Ich' ist die böseste Version meines schizoiden Ichs."

Auf die Nachricht von der Entlassung der Burgtheater-Vizedirektorin Silvia Stantejsky reagiert Handke erschrocken mit einem vermutlich präzise diagnostischen Satz: "Sie war immer so zugänglich. Als ob sie zaubern konnte, hatte ich manchmal den Eindruck."

Anlass des Gesprächs ist die bevorstehende Premiere der dramatisierten Erzählung "Wunschloses Unglück" im Burgtheater-Kasino. Handke überrascht mit einer sachten Distanzierung vom berühmten Text über den Selbstmord seiner Mutter: "Es ist manchmal arg zugespitzt. Manche Formulierungen sind arg plakativ. Dass ein Frauenleben in dieser Gegend von vornherein verurteilt gewesen wäre, wenn man als Frau einen größeren Traum hatte: Das kann ich nicht aufrecht erhalten. Aber der Untergrund, wie ich vom Bedenken ins Erzählen komme, ist, glaube ich, wahrhaftig. Es war ja zwei Monate nach dem Tod meiner Mutter und ist immer von Schmerz begleitet. Deshalb ist das Plakative auch nicht unstatthaft."

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