21ER HAUS: FRANZ GRAF - SIEHE WAS DICH SIEHT

Wien (OTS) - Auf ein Neues inszeniert Franz Graf sein installatives Formenspiel: Leere und Fülle, Schwarz-Weiß-Kontraste, Buchstaben und Wörter zählen zu seinen charakteristischen künstlerischen Ausdrucksformen. Zwischen zartem Detailreichtum und großem Archaischem, Ikonenhaftem und Modernem verwandelt Graf das 21er Haus in sein künstlerisches Universum. Nach der Intervention von Marcus Geiger (2011), der Einzelausstellung von Hans Schabus (2012), dem "Loch" von Gelatin (2013) und der ersten monografischen Schau von Ursula Mayer (2013/14) ist auch in diesem Jahr das 21er Haus Schauplatz einer vor Ort und für den Ort entstandenen Ausstellung. Dafür verzahnt Graf die vielen Ebenen seines Werks nicht nur mit einer neuen Serie, sondern stellt sie auch den Arbeiten internationaler und lokaler, zeitgenössischer und historischer Künstlerinnen und Künstler im Rahmen einer aufwändigen Displaystruktur gegenüber. Die Summe der Teile ergibt eine überbordende Ausstellung - gleichsam eine Bühne, auf der regelmäßig Performances und kollaborative Kunstproduktionen stattfinden und Graf seine Installation während der Laufzeit permanent erweitert.

Agnes Husslein-Arco freut sich, "mit dieser Einzelausstellung die außerordentliche künstlerische Kraft Franz Grafs und seine herausragende Stellung innerhalb der österreichischen Kunstentwicklung der letzten Jahrzehnte würdigen zu können" und gleichzeitig "das 21er Haus erneut im Sinne seiner Bestimmung als lebendiges und dynamisches Museum zu präsentieren, als Ort nicht nur der Aufbereitung und Rezeption, sondern auch der Produktion zeitgenössischer Kunst."

Franz Graf ist ein vielseitiger Künstler, dessen Arbeit von einer großen Eigenständigkeit geprägt ist. Seine Bilder sind schwarz und weiß, figürlich und abstrakt-ornamental, oft auf Kreisen basierend, mit Buchstaben, Wortfetzen und Zitaten angereichert - eine Kunst der Materialpoesie. Zeichnungen, Fotografien, Audio- und Leinwandarbeiten, Drucke und Alltagsobjekte verschränkt Graf, um offene Systeme zu schaffen, die mehr ästhetische Erfahrungsräume sind als multimediale Installationen. Bei Graf findet die Verschränkung von Kunst und Leben auch im Schaffen ihren Niederschlag. Der Künstler wird zum Sammler, Archäologen, Dokumentaristen, Forscher und Archivar, der die Fundstücke zu einer eigenen Welt synthetisiert. Diesem Arbeitsschema folgt Graf auch im Großen mit seiner Ausstellung im 21er Haus.

"Siehe was dich sieht" ist das Motto der Schau, die nicht nur Grafs Arbeiten präsentiert, sondern auch den Anspruch erhebt, durchaus repräsentativ ein Oeuvre innerhalb eines künstlerischen Kosmos abzubilden. Sie ist keine Retrospektive, sondern bildet den Zwischenstand eines Schaffens ab, das prozessual geprägt und einer stetigen Dynamik unterworfen ist. Auch die häufig kollaborative Arbeitsweise Grafs bildet im 21er Haus ein zentrales, strukturgebendes Element der Ausstellung, die in regelmäßigen zeitlichen Abständen durch die Einbeziehung von Graf nahestehenden Künstlerinnen und Künstlern gezielt verändert und angereichert wird. Ältere und eigens für die Ausstellung produzierte Arbeiten stellt er dabei Werken von internationalen und lokalen zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern sowie Exponaten aus der Sammlung des Belvedere und seiner eigenen Sammlung gegenüber.

Der Titel "Siehe was dich sieht" impliziert ebenso eine Wechselseitigkeit. Auch in der Ausstellung wird das Schaffen nicht isoliert, sondern mit all dem, das es bedingt und umgibt, gezeigt. Den Rahmen dafür bildet eine Architektur aus Elementen, die normalerweise im Gerüst- und Bühnenbau verwendet werden. Das Display besteht aus Trägermaterial, das durchaus buchstäblich eingesetzt wird, um Strukturen sichtbar zu machen, die ansonsten im Hintergrund bleiben. Besucherinnen und Besucher betreten mit dem Eintritt in die Ausstellung auch eine Bühne. Damit werden sie gemeinsam mit Graf, den eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern und den in Beziehung zueinander gesetzten Werken zu Protagonistinnen und Protagonisten eines Prozesses der ständigen Anpassung an die Umstände.

Franz Graf (* 1954 in Tulln) lebt und arbeitet in Wien und im Waldviertel. Nach Lehrjahren bei Oswald Oberhuber an der Universität für angewandte Kunst Wien Mitte bis Ende der 1970er-Jahre arbeitet er bis 1984 mit Brigitte Kowanz im Dunstkreis des Neo Geo. Er entwickelt in den darauffolgenden Jahren eine eigene Bildsprache, die zwar noch sehr reduziert ist, aber schon als "expressive Geometrie [1] bezeichnet wird. Aus der Beschäftigung mit der Grundeigenheit der Zeichnung - dem dunklen Strich auf hellem Grund - erarbeitet er ein Vokabular, das im Wesentlichen auf dem Gegeneinandersetzen von Kontrasten basiert. Geometrische Formen und ornamentalisierende Symbole dominieren seine Werke, die ab Ende der 1980er-Jahre zunehmend an Körperlichkeit gewinnen. Zeitgleich erweitert er sein technisches Spektrum. Neben Trägermaterialien wie Transparentpapier kommt der spezifischen Rahmung und der installativen Integration in den Raum immer mehr Aufmerksamkeit zu. Die klassischen Medien- und Kunstgrenzen werden überschritten, Zeichnungen werden zu Skulpturen, Skulpturen zu Möbeln, Möbel zu Installationen und diese wiederum zu ornamentalen Settings. Und zwischendrin Malerei, die immer mehr Grafs Schaffen bestimmt. Parallel betreibt Graf die Ausweitung seiner Handlungsfelder. Er kuratiert, musiziert, publiziert, veranstaltet und unterrichtet schließlich auch von 1997 bis 2006 an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Zu sehen sind Arbeiten von Franz Graf und

unter anderem von Marc Adrian, Estera Alicehajic, Ferdinand Andri, Anouk Lamm Anouk, Nobuyoshi Araki, Magnús Árnason, Snorri Ásmundsson, Rudolf Bacher, Franz Barwig d. Ä., Lothar Baumgarten, Joseph Beuys, Selina de Beauclair, James Lee Byars, William S. Burroughs, Tamara Dinka, Tjorg Douglas Beer, Binär, Herbert Boeckl, Herbert Brandl, Geta Bratescu, Arik Brauer, Günter Brus, John Cage, Nina Canell, Anna Ceeh, Ernst Caramelle, Larry Clark, Tamara Dinka, Marcel Duchamp, Dejan Dukic, Rudolf Eb.er& Joke Lanz, Valie Export, Helmut Federle, Padhi Frieberger, Ernst Fuchs, Walther Gamerith, August Gaul, John Geesin & Roger Waters, Gelatin, Liam Gillick & Corinne Jones, Allen Ginsberg, Sara Glaxia, Gottfried Goebel, Karl Iro Goldblat, Martin Grandits, Fritz Grohs, Mario Grubisic, Kristján Gudmundsson, The Hafler Trio, Tatjana Hardikov, Friedrich Hartlauer, Carl Michael von Hausswolff, Gunnhildur Hauksdóttir, Rudolf Hausner, Florian Hecker, André Heller, Herbert Hinteregger, Benjamin Hirte, Marcel Houf, Francoise Janicot, Ali Janka, Robert Jelinek, Hildegard Joos, Donald Judd, Just Another Asshole, Tillman Kaiser, Felix Kalmar, Allan Kaprow, Mike Kelley, Richard Kern, Martin Kippenberger, Imi Knoebel, Franz Koglmann/Bill Dixon, Zenita Komad, Svetlana Kopystiansky, Brigitte Kowanz, Elke Silvia Krystufek, Zofia Kulik, Doreen Kutzke, Paul Mccarthy, Metronom, Milan Mladenovic, Marcellvs L., Bruce LaBruce, Eskil Loftsson, Daniel Löwenbrück, Sarah Lucas & Julian Simmons, Victor Man, Mark Manders, Michaela Math, Marshal! Yeti, Otto Maurer, Paul McCarthy, Andrew M. McKenzie, Bjarne Melgaard, Memling, Cecil Meng, Merzbow, Rune Mields, Chiara Minchio, Milan Mladenovic, Klaus Mosettig, Otto Muehl, Wladd Muta, Gina Müller, Hermann Nitsch, Oswald Oberhuber, Erik Oppenheim & David Kelleran, Charlemagne Palestine, Manfred Pernice,Goran Petercol, Rade Petrasevic, Raymond Pettibon, Begi Piralishvili, Natascha Plum, Rudolf Polanszky, Franz Pomassl, Arnulf Rainer, Konrad Rapf, Jason Rhodes, Paul-Julien Robert, Gerwald Rockenschaub, Dieter Roth, Alexander Ruthner, Gerhard Rühm, Kurt Rylavy, Nino Sakandelidze, Ed Sanders, Markus Schinwald, Eva Schlegel, Conrad Schnitzler, Philipp Schöpke, Claudia Schumann, Rudolf Schwarzkogler, Frederike Schweizer, Björn Segschneider, Jim Shaw & Benjamin Weissman, Sigtryggur Berg Sigmarsson, Linnéa Sjöberg, Dominik Steiger, Tamuna Sirbiladze, Linnéa Sjöberg, Dominik Steiger, Nino Stelzl, Curt Stenvert, Alexander Stern, Rudolf Stingel, Martina Stoian, Ida Szigethy, Lilli Thießen, Bjarni H. Thórarinsson, Manfred Unger, Hubert Vana, Jannis Varelas, Walter Vopava, Wolf Vostell, Peter Weibel, Herwig Weiser, Adam Wiener, Oswald Wiener, John Wiese, Judith Weratschnig, Stefan Wirnsperger, Eva Wohlgemuth, Helmuth Wolech, Iwona Zaborowska, Thomas Zipp und Heimo Zobernig.

Kurator: Severin Dünser, 21er Haus, Belvedere, Wien

Die Ausstellung ist bis 25. Mai 2014 im 21er Haus zu sehen. Presseunterlagen sowie hoch aufgelöste Bilder stehen unter folgendem Link für Pressezwecke kostenlos zur Verfügung:
www.belvedere.at/presse

Rückfragen & Kontakt:

21er Haus Presse
Claudia Bauer
Tel.: +43 1 79557 185
c.bauer@21erhaus.at

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