• 27.01.2014, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kritik an Sotschi kommt zu spät - von Eva Komarek

Den Druck auf Putin gilt es aufrechtzuerhalten, wenn das olympische Feuer längst erloschen ist

Utl.: Den Druck auf Putin gilt es aufrechtzuerhalten, wenn das
olympische Feuer längst erloschen ist =

Wien (OTS) - In zehn Tagen eröffnen die 22. Olympischen Winterspiele.
Es wird ein riesiges Spektakel, aber unbeschwert wird es nicht - wie
auch, wenn man Menschenrechtsverletzungen, Terrorwarnungen und
Korruption im Hinterkopf hat. Die kritischen Stimmen werden immer
lauter, selbst aus dem inneren Zirkel des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC). Gian-Franco Kasper, Präsident des Internationalen
Skiverbandes (Fis) und Mitglied der Koordinierungskommission für
Sotschi, schätzt, dass rund ein Drittel des Rekordbudgets von 51
Milliarden US-$ in korrupte Geschäfte geflossen ist. Bei den
Bauaufträgen seien Günstlinge des russischen Präsidenten Wladimir
Putin bevorzugt worden. Fest steht, es sind die bisher teuersten
Spiele. Selbst die gigantomanischen Sommerspiele in Peking 2008
wurden übertroffen, obwohl in Peking dreimal so viele Wettkämpfe
ausgetragen wurden wie in Sotschi.

Die Kritik kommt viel zu spät. Der russische Putin-Kritiker Boris
Nemtsow habe seit Langem versucht, das IOC für das Thema Korruption
zu interessieren. Dieses habe aber stets darauf verwiesen, dass
Korruption das Problem des Gastgeberlandes sei und nicht des IOC.

Wenn es um viel Geld geht, dann verhält sich die Welt wie die
berühmten drei Affen. Und um das Gewissen zu beruhigen, wird ein paar
Wochen vor Beginn der Spiele Entrüstung geheuchelt. Russland hat sich
mit Sotschi schon 2005 - mit sechs anderen Städten - beworben. Drei
Bewerbungen kamen ins Finale: Salzburg, das südkoreanische
Pyeongchang und eben Sotschi. Drei Chancen hat es somit gegeben, die
Spiele in Sotschi zu verhindern: bei der Kandidatur, bei der
Nominierung unter die besten Drei und 2007 bei der finalen
Abstimmung. Damals wurde Sotschi mit 51 Stimmen gewählt, das heißt,
jeder zweite wahlberechtigte IOC-Delegierte hat für Russland
gestimmt. Spätestens 2007 hätte es einen Aufschrei des Protestes
geben müssen, um zu verhindern, dass Russland zum Zug kommt.

Doch die Spiele haben auch eine positive Auswirkung. Durch die
erhöhte internationale Aufmerksamkeit ist der Druck auf Putin
gestiegen, der sich dadurch veranlasst sah, Maßnahmen zu setzen, wie
die Amnestie für politische Inhaftierte oder die Lockerung des
Demonstrationsverbots. Diesen Druck gilt es aufrechtzuerhalten, wenn
das olympische Feuer längst erloschen ist - dann werden die 22.
Olympischen Winterspiele mehr gewesen sein als ein reines
Sportspektakel.

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