• 27.01.2014, 12:31:42
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In memoriam Kurt Krenn: "Der Weg eines Unbeirrbaren" in "kreuz und quer" am 28. Jänner in ORF 2

Wien (OTS) - In memoriam Kurt Krenn zeigt "kreuz und quer" -
präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 28. Jänner 2014, um
22.35 Uhr die von Mathilde Schwabeneder und Helmut Tatzreiter
gestaltete Dokumentation "Der Weg eines Unbeirrbaren", die auf
Kindheit und Jugendjahre Krenns sowie auf die bewegten Jahre der
österreichischen Kirchengeschichte zurückblickt. Weggefährten und
Kritiker kommen zu Wort. Der Film zeigt Kurt Krenn als unbeirrbaren -
und wie manche meinen unbelehrbaren - "Verteidiger der Wahrheit", als
wortgewaltigen, streitbaren Mann in den Medien und als leutseligen
Bischof, der - trotz seines umstrittenen Wahrheitsanspruchs - keine
Berührungsängste mit Andersdenkenden hatte. Um 23.10 Uhr folgt der
Dokumentarfilm "Hutterer - ein Leben wie die Amish" von Thomas Risch.

"Der Weg eines Unbeirrbaren" - Ein Film von Mathilde Schwabeneder und
Helmut Tatzreiter

Der streitbare Bischof Kurt Krenn war eine der umstrittensten
kirchlichen Persönlichkeiten in Österreich. Schon bei seiner
Bischofsweihe 1987 legten sich Gläubige aus Protest vor das Riesentor
des Wiener Stephansdoms. Kurt Krenn entsprach der restaurativen Linie
des Vatikans ab Anfang der 80er Jahre, "verlässliche" Bischöfe im
Sinne Roms einzusetzen, von denen man sich erwartete, dass sie
römische Vorgaben linientreu umsetzten.

Kurt Krenn, geboren 1937, stammte aus dem Mühlviertel, seine gesamte
Familie trat in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft
geschlossen aus der Kirche aus. Krenns Vater war in der
Heimatgemeinde Ortsgruppenleiter der NSDAP und fiel im Krieg - "ja,
er war dabei", sagt Kurt Krenn selbst in der Doku, aber hebt das
soziale Engagement seines Vaters hervor. 1945 trat die Familie wieder
in die katholische Kirche ein. Nach dem Besuch des Stiftsgymnasiums
Schlierbach trat Krenn ins Priesterseminar in Linz ein, studierte in
Rom und ging später als Professor nach Deutschland. Dort war er bei
den Studenten beliebt, weil er Diskussionen zuließ, so sein
ehemaliger Student Stephan Baier in der Doku. Selbst verfocht Krenn
stets pointiert konservative Positionen. Als er Anfang der 80er Jahre
zum Bischof von Linz ernannt werden sollte, verhinderte dies Kardinal
Franz König.

Als Wiener Weihbischof ebenso wie ab 1991 als Diözesanbischof von St.
Pölten polarisierte Kurt Krenn: Anhänger verteidigten ihn hartnäckig,
während Kritiker aus dem Klerus und aus dem Kirchenvolk immer wieder
lautstark seine Absetzung verlangten. In der "Affäre Groer" (1995)
stellte sich Krenn bedingungslos hinter den Wiener Kardinal, der des
Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde. Den von den Bischöfen
ausgerufenen "Dialog für Österreich" 1998 lehnte Krenn ab und
bezichtigte Kardinal Schönborn und andere Mitbrüder in Rom offen als
"Lügner".

2004 wurde der Skandal um das St. Pöltner Priesterseminar zum
Fallstrick für Bischof Krenn: Fotos, die homosexuelle Handlungen
zwischen Seminarvorstehern und Seminaristen zeigten, kommentierte er
als "Bubendummheiten". Viel schwerer wog jedoch, dass auf den
Computern des Seminars kinderpornografisches Material sichergestellt
wurde. Ein Seminarist wurde wegen Kinderpornografie verurteilt, die
Seminarleitung entlassen. Der Vatikan setzte einen außergewöhnlichen
Schritt: Nicht zuletzt durch das Drängen von Kardinal Christoph
Schönborn ließ Rom die gesamte Diözese durch eine Visitation
überprüfen. Kurt Krenn wurde daraufhin als Bischof von St. Pölten
abgesetzt. Seither wurde es still um den vormals lautstarken
Kirchenmann. Kurt Krenn lebte zurückgezogen in St. Pölten, wo er nun
nach langer schwerer Krankheit starb.

"Hutterer - ein Leben wie die Amish" - Ein Film von Thomas Risch

Ein Leben nach religiösen und gesellschaftlichen Prinzipien aus dem
16. Jahrhundert - ohne Geld, aber doch im Kontakt zur modernen Welt.
Das versuchen die Hutterer-Gemeinden, die ihre Wurzeln unter anderem
in Tirol haben, in den USA. Ähnlich wie die bekannteren Amish bemühen
sie sich, ihre althergebrachte Lebensweise auch im 21. Jahrhundert
aufrechtzuerhalten. Wie das gelingt, welche Zugeständnisse sie an die
heutige Zeit machen, und wo auch diese Utopie an ihre Grenzen stößt,
zeigt der Dokumentarfilm von Thomas Risch, der die Hutterer-Kolonie
bei Leask in Sasakatchewan in Kanada vorstellt.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der
Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand
abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im
Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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