"Kleine Zeitung" Leitartikel "Geistige Vermummung" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 26.01.2014

Graz (OTS/Vorausmeldung) - Wer unvoreingenommen die
Ausschreitungen bei den Demonstrationen gegen den "Akademikerball der FPÖ" bilanziert, braucht für die Klärung der Schuldfrage kein langes, relativierendes Geschwurbel: Die Gewalt ging nachweisbar von militanten Gruppen der Anarcho-Szene sowie aus Deutschland zu Safarizwecken angereisten Extremisten aus.

Sie waren nicht gekommen, um ihr Unbehagen an einem einschlägig imprägnierten Fest der FPÖ zu äußern, sondern um ihre Aggression an Exekutive und fremdem Eigentum auszuleben. Sie taten es vermummt, um ihre Identität zu verschleiern. Die Motive sind bei Kriminellen, die einen Überfall begehen, nicht anders.

Die gewalttätigen Gruppen bildeten eine Minderheit. Sie beherrschte und überlagerte die Außenwirkung und die mediale Abbildung. Umso wichtiger wäre es gewesen, im Vorfeld seitens der Initiatoren klarzustellen, dass die Beimengung von Krawall und Radau unerwünscht ist. Von einer solchen Distanzierung, die allein Anstand und Vernunft geboten hätten, war weder vor den Exzessen noch danach etwas zu vernehmen. Die Unterlassung diskreditiert das aufklärerische Anliegen derer, die mit der Demonstration ein Zeichen setzen wollten und sich nun des stillschweigenden Schulterschlusses mit Gewaltwilligen bezichtigen lassen müssen.

Statt Abscheu und Abstand zu kommunizieren, erhob man benommen Vorwürfe gegen die Polizei und tat so, als habe sie das Unheil heraufbeschworen. Die Täterumkehr ist nur mit ideologischer Verblendung erklärbar. Auch wenn das wuchtige Absperren und das Aufgebot Zweifel an der Verhältnismäßigkeit anfangs berechtigt erscheinen ließen: Der brachiale Furor der Gewalttätigen, von deren Kommen man wusste, rechtfertigte im Nachhinein die Dimension des Einsatzes wie auch die Wahl der Mittel.

Das Einschreiten vor der Akademie der bildenden Künste wird man einer kritischen Revision unterziehen müssen. Ähnliches gilt für den Umgang mit den Medien. Man kann und muss darüber reden, ob berechtigter Schutz (immerhin wurde ein ORF-Wagen demoliert) oder Behinderung vorlag, dennoch: Der Vergleich mit "Nordkorea", ausgesprochen vom Obmann der Journalistengewerkschaft, ist unterirdisch.

Auch der Rechtswalzer-Fraktion kann man die Entgleisung der Nacht nicht anlasten. Innerhalb von recht und Gesetz darf HC feiern, wie und mit welchen Wangen er will. Für Grenzverstöße und Hygiene-Mängel reichen Strafrecht und Wahlrecht. Gewalt darf nie eine Kategorie in der Auseinandersetzung sein. Ist sie es, nützt sie dem gegenüber, sonst niemandem. ****

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