• 23.01.2014, 14:38:24
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Wlodkowski: Atomkraft und Schiefergas lösen keine EU-Zukunftsfragen

Kritik: EU-Klima- und Energiepaket 2030 - mehr Fragen als Antworten

Utl.: Kritik: EU-Klima- und Energiepaket 2030 - mehr Fragen als
Antworten =

Wien (OTS) - "Das von der Europäischen Kommission präsentierte Klima-
und Energiepaket 2030 wirft viel mehr Fragen auf als es beantwortet.
So werden die Stärken der EU im Bereich erneuerbare Energien samt
Beschäftigungseffekten nicht aufgegriffen, aber dafür absolut nicht
nachhaltige Systeme wie Atomkraft und Schiefergas in den Vordergrund
gerückt. Wenn in den USA zur Schiefergasgewinnung dünn besiedelte
Landstriche mit zigtausenden Bohrlöchern übersät werden und viele
Fragestellungen zur Lebens- und Trinkwasserqualität der Bevölkerung
unbeantwortet bleiben, ist das sicher kein nachahmenswertes Konzept
für Europa." Dies erklärte heute Gerhard Wlodkowski, Präsident der
Landwirtschaftskammer Österreich, zum vorgelegten Klima- und
Energiepaket 2030 und appellierte an das EU-Parlament, den Vorschlag
substanziell zu verbessern.

"Atomkraft und Schiefergas lösen keine EU-Zukunftsfragen. Das aber
wäre dringend nötig, steht doch die EU im Bereich Energieversorgung
mit dem Rücken zur Wand. Innerhalb von zehn Jahren ist die
innereuropäische Ölproduktion um 50% und die Gasproduktion um 30%
eingebrochen. Die Importabhängigkeit von Krisenregionen steigt mit
den Importkosten rasant und belastet Bevölkerung, Wirtschaft wie auch
Klima. Wir brauchen nachhaltige Lösungen, keine neuen Probleme",
betonte der Präsident.

Vorbild Land- und Forstwirtschaft anerkennen

"In Österreich sind nur 2% des Endenergieverbrauchs dem Land- und
Forstwirtschaftssektor zugeordnet, aber der Hauptteil der
inländischen Rohenergieaufbringung stammt aus Produkten dieses
Sektors. So deckt Bioenergie in Form von Brennholz sowie sonstigen
biogenen Brenn- und Treibstoffen 42% der inländischen
Rohenergieaufbringung ab, gefolgt von Wasserkraft mit einem Anteil
von knapp 30%. Die nachhaltige Intensivierung der agrarischen
Produktion unter Beachtung ökologischer Grundprinzipien ist in Europa
ein wesentlicher Bestandteil zur Verbesserung der
Versorgungssicherheit. Daher muss ein höherer Beitrag der Land- und
Forstwirtschaft durch gesteigerte Bereitstellung von klimaneutralen
Produkten und Rohstoffen dem Sektor auch entsprechend positiv
zugeordnet werden", verlangte Wlodkowski.

Vorgaben zielgenau formulieren

"Wenn es um die Erfüllung der künftigen EU-Vorgaben geht, sollten
die Möglichkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten und Sektoren beachtet
werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Österreich durch eine
hohe Treibhausgas-Effizienz auszeichnet und der CO2-Ausstoß in
Relation zum Bruttoinlandsprodukt relativ gering ist", unterstrich
Wlodkowski. Auch müssten Vorleistungen, die in den letzten Jahren
erbracht wurden - wie etwa im Sektor Landwirtschaft, dem es gelungen
sei, die Emissionen seit 1990 deutlich zu reduzieren (-12%) -
entsprechend gewürdigt werden. Schließlich sei ein klares Bekenntnis
zum Produktionsstandort Österreich abzugeben. "Nirgendwo sonst auf
der Welt sind die Emissionen, bezogen auf die Produktionseinheit,
also etwa auf einen Liter Milch oder ein Kilo Rindfleisch, so niedrig
wie in Österreich. Produktionsbeschränkungen, die zu Verlagerungen
der Erzeugung in Drittstaaten führen, würden daher dem Klimaschutz
einen Bärendienst erweisen", warnte Wlodkowski.

"Der Vorschlag der EU-Kommission, die Landnutzung und somit
Emissionen, die vom Boden und der darauf befindlichen Biomasse
ausgehen, in die Reduktionsverpflichtungen einzubeziehen, sollte
jedenfalls überdacht werden, da er sich als kontraproduktiv für den
Klimaschutz darstellen würde. Eine Erhöhung der sogenannten
Senken-Funktion ginge Hand in Hand mit weitergehenden Außer-Nutzung-
Stellungen von land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Wertvolle
Biomasse würde einer Nutzung entzogen und müsste durch
Rohstoffimporte wie Holz oder auch Produkte für die
Biotreibstofferzeugung kompensiert werden, mit fragwürdigen
Auswirkungen auf das Weltklima", gab der Präsident zu bedenken.

Positive Ansätze: Nun sind China und USA am Zug

"Die Vorschläge der EU-Kommission, die Treibhausgase in Europa bis
zum Jahr 2030 um 40% zu reduzieren, stellen einen wesentlichen
Schritt zur Abmilderung des voranschreitenden Klimawandels dar, von
dem gerade der land- und forstwirtschaftliche Sektor besonders
betroffen ist. Außerdem waren die Anstrengungen der EU, die
Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, bereits in der Vergangenheit
erfolgreich, da es der Union gelungen ist, die Emissionen seit 1990
um rund 18% zu verringern. Damit wurden die Zielvorgaben aus dem
Kyoto-Protokoll auch deutlich übererfüllt. Umso wichtiger ist es nun,
auch jene Länder, die bislang nur wenig bis nichts zum Klimaschutz
beigetragen haben, mit ins Boot zu holen", verlangte Wlodkowski.

"Weltweit verursacht die EU rund 10% der Treibhausgase. Dass China
als größter Emittent weltweit mit einem Anstieg von rund 300% seit
1990 und mittlerweile ähnlich hohen Emissionen je Einwohner wie die
der EU, nämlich zirka 9 t, oder auch die USA, deren Emissionsausstoß
bei 16 t je Einwohner liegt, bislang nichts zum Klimaschutz
beigetragen haben, ist unverständlich. Daher gilt es, im Rahmen der
internationalen Verhandlungen endlich ambitionierte
Reduktionsverpflichtungen von diesen Ländern einzufordern", so der
LK-Präsident.
(Schluss)

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