Wlodkowski: Atomkraft und Schiefergas lösen keine EU-Zukunftsfragen

Kritik: EU-Klima- und Energiepaket 2030 - mehr Fragen als Antworten

Wien (OTS) - "Das von der Europäischen Kommission präsentierte Klima-und Energiepaket 2030 wirft viel mehr Fragen auf als es beantwortet. So werden die Stärken der EU im Bereich erneuerbare Energien samt Beschäftigungseffekten nicht aufgegriffen, aber dafür absolut nicht nachhaltige Systeme wie Atomkraft und Schiefergas in den Vordergrund gerückt. Wenn in den USA zur Schiefergasgewinnung dünn besiedelte Landstriche mit zigtausenden Bohrlöchern übersät werden und viele Fragestellungen zur Lebens- und Trinkwasserqualität der Bevölkerung unbeantwortet bleiben, ist das sicher kein nachahmenswertes Konzept für Europa." Dies erklärte heute Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, zum vorgelegten Klima- und Energiepaket 2030 und appellierte an das EU-Parlament, den Vorschlag substanziell zu verbessern.

"Atomkraft und Schiefergas lösen keine EU-Zukunftsfragen. Das aber wäre dringend nötig, steht doch die EU im Bereich Energieversorgung mit dem Rücken zur Wand. Innerhalb von zehn Jahren ist die innereuropäische Ölproduktion um 50% und die Gasproduktion um 30% eingebrochen. Die Importabhängigkeit von Krisenregionen steigt mit den Importkosten rasant und belastet Bevölkerung, Wirtschaft wie auch Klima. Wir brauchen nachhaltige Lösungen, keine neuen Probleme", betonte der Präsident.

Vorbild Land- und Forstwirtschaft anerkennen

"In Österreich sind nur 2% des Endenergieverbrauchs dem Land- und Forstwirtschaftssektor zugeordnet, aber der Hauptteil der inländischen Rohenergieaufbringung stammt aus Produkten dieses Sektors. So deckt Bioenergie in Form von Brennholz sowie sonstigen biogenen Brenn- und Treibstoffen 42% der inländischen Rohenergieaufbringung ab, gefolgt von Wasserkraft mit einem Anteil von knapp 30%. Die nachhaltige Intensivierung der agrarischen Produktion unter Beachtung ökologischer Grundprinzipien ist in Europa ein wesentlicher Bestandteil zur Verbesserung der Versorgungssicherheit. Daher muss ein höherer Beitrag der Land- und Forstwirtschaft durch gesteigerte Bereitstellung von klimaneutralen Produkten und Rohstoffen dem Sektor auch entsprechend positiv zugeordnet werden", verlangte Wlodkowski.

Vorgaben zielgenau formulieren

"Wenn es um die Erfüllung der künftigen EU-Vorgaben geht, sollten die Möglichkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten und Sektoren beachtet werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Österreich durch eine hohe Treibhausgas-Effizienz auszeichnet und der CO2-Ausstoß in Relation zum Bruttoinlandsprodukt relativ gering ist", unterstrich Wlodkowski. Auch müssten Vorleistungen, die in den letzten Jahren erbracht wurden - wie etwa im Sektor Landwirtschaft, dem es gelungen sei, die Emissionen seit 1990 deutlich zu reduzieren (-12%) -entsprechend gewürdigt werden. Schließlich sei ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Österreich abzugeben. "Nirgendwo sonst auf der Welt sind die Emissionen, bezogen auf die Produktionseinheit, also etwa auf einen Liter Milch oder ein Kilo Rindfleisch, so niedrig wie in Österreich. Produktionsbeschränkungen, die zu Verlagerungen der Erzeugung in Drittstaaten führen, würden daher dem Klimaschutz einen Bärendienst erweisen", warnte Wlodkowski.

"Der Vorschlag der EU-Kommission, die Landnutzung und somit Emissionen, die vom Boden und der darauf befindlichen Biomasse ausgehen, in die Reduktionsverpflichtungen einzubeziehen, sollte jedenfalls überdacht werden, da er sich als kontraproduktiv für den Klimaschutz darstellen würde. Eine Erhöhung der sogenannten Senken-Funktion ginge Hand in Hand mit weitergehenden Außer-Nutzung-Stellungen von land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Wertvolle Biomasse würde einer Nutzung entzogen und müsste durch Rohstoffimporte wie Holz oder auch Produkte für die Biotreibstofferzeugung kompensiert werden, mit fragwürdigen Auswirkungen auf das Weltklima", gab der Präsident zu bedenken.

Positive Ansätze: Nun sind China und USA am Zug

"Die Vorschläge der EU-Kommission, die Treibhausgase in Europa bis zum Jahr 2030 um 40% zu reduzieren, stellen einen wesentlichen Schritt zur Abmilderung des voranschreitenden Klimawandels dar, von dem gerade der land- und forstwirtschaftliche Sektor besonders betroffen ist. Außerdem waren die Anstrengungen der EU, die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren, bereits in der Vergangenheit erfolgreich, da es der Union gelungen ist, die Emissionen seit 1990 um rund 18% zu verringern. Damit wurden die Zielvorgaben aus dem Kyoto-Protokoll auch deutlich übererfüllt. Umso wichtiger ist es nun, auch jene Länder, die bislang nur wenig bis nichts zum Klimaschutz beigetragen haben, mit ins Boot zu holen", verlangte Wlodkowski.

"Weltweit verursacht die EU rund 10% der Treibhausgase. Dass China als größter Emittent weltweit mit einem Anstieg von rund 300% seit 1990 und mittlerweile ähnlich hohen Emissionen je Einwohner wie die der EU, nämlich zirka 9 t, oder auch die USA, deren Emissionsausstoß bei 16 t je Einwohner liegt, bislang nichts zum Klimaschutz beigetragen haben, ist unverständlich. Daher gilt es, im Rahmen der internationalen Verhandlungen endlich ambitionierte Reduktionsverpflichtungen von diesen Ländern einzufordern", so der LK-Präsident.
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