• 22.01.2014, 12:15:32
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Ausstellung "Places of Transition" eröffnet im MuseumsQuartier Wien

Wien (OTS) - Auf der Suche nach möglichen Formen aktueller
Lebensmodelle zeigt die Ausstellung "Places of Transition" im
freiraum quartier21 INTERNATIONAL eine Reihe internationaler
Arbeiten, die visuelle und diskursive Möglichkeiten eines
ortsspezifischen Wandels untersuchen. Vorwiegend anhand von Foto- und
Videoinstallationen werden Prozesse der Veränderung thematisiert,
womit in narrativer Form auf globale Veränderungen der letzten Jahre
und Jahrzehnte eingegangen wird. Kuratiert wird die Ausstellung von
Gülsen Bal sowie Walter Seidl, Eröffnung ist am 23. Januar um 19 Uhr.

"'Places of Transition' eröffnet das Ausstellungsjahr im freiraum
quartier21 INTERNATIONAL, im Rahmen dessen drei große Ausstellungen
in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für europäische und
internationale Angelegenheiten geplant sind. Ich freue mich, den
BesucherInnen damit wieder unterschiedliche künstlerische Ansätze zu
aktuellen Themen präsentieren zu können", so Dr. Christian Strasser,
Direktor MuseumsQuartier Wien.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen an transnationale Fragen
über gemeinsame Formen der Interaktion bedingen eine Untersuchung
globaler Machtstrukturen. Während die Ost-West-Problematik in Europa
allmählich im Verschwinden begriffen ist, haben die Machtkämpfe im
Nahen Osten die Aufbruchstimmung des Arabischen Frühlings
zurückgeworfen und eine Debatte über politische Übergangsformen auf
internationaler Ebene ausgelöst.

In dieser Hinsicht widmet sich die Ausstellung der Problematik
unterschiedlicher Territorien und der Frage, wie diese anhand einer
gemeinsamen Kritik an politisch dominanten Erzählungen und
Bestimmungen verlinkt werden können. Weiters werden unterschiedliche
Stufen gelebter Erfahrungen des Selbst reflektiert und eigene sowie
fremde Blickregime analysiert. Die eingeladenen KünstlerInnen
behandeln die einzelnen Themen oftmals in Hinsicht auf die Situation
in ihrem eigenen Land, wodurch die Ausstellung unterschiedliche
Blickweisen in politischer Hinsicht ermöglicht.

"Kunst muss radikale Forderungen an die Gesellschaft stellen, um
diese voranzutreiben", so die KuratorInnen der Ausstellung Gülsen Bal
und Walter Seidl.

Weiters stellt sich in der Ausstellung die Frage, wie
Künstlerlnnen mit gewissen Traditionen in ihren Ländern umgehen.
Trotz einer persönlichen Tendenz zu einem laizistischen Lebensmodell
untersuchen viele KünstlerInnen länderspezifische Modelle, die in
ihren Arbeiten wiederum radikal gebrochen werden. Das Resultat bilden
kritische Aussagen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die
neue Denkansätze bewirken können.

Dies wird zum Beispiel in der Videoinstallation von Oliver Ressler
sichtbar. Der Film "Socialism Failed, Capitalism is Bankrupt. What
comes Next?" wurde 2010 im größten Bazar von Jerewan aufgenommen, der
"Bangladesch" genannt wird. Im Film erzählen die Kaufleute des Markts
von ihrem Kampf ums Überleben in der Krise eines post-sozialistischen
Staates, in dem der Großteil aller Fabriken der Sowjetzeit
geschlossen und das soziale Sicherheitsnetz aufgelöst wurde.

Auch die Video- und Fotoarbeit von Milica Tomic bezieht sich auf eine
sehr persönliche Situation. "Portrait of My Mother" (1999) entstand
in den Tagen nach den Nato-Bombardements auf Belgrad. Tomic
thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen dem Trauma der
verlorenen jugoslawischen Moderne und den neuen Identitätspolitiken
der Milosevic Jahre.

Akram Zaataris Video "Tomorrow Everything will be Alright"
wiederum setzt sich auf einer sehr persönlichen Ebene mit Formen des
Übergangs auseinander. Zwei ehemalige Liebhaber führen eine
Unterhaltung, nachdem sie sich vor 10 Jahren getrennt hatten, und
gestehen einander, dass sie das Verlangen danach spüren, sich wieder
zu sehen. Die Worte, die sie dabei wechseln, werden jedoch auf einer
klassischen Schreibmaschine geschrieben, wodurch BetrachterInnen dazu
angeregt sind, diese sehr persönliche und poetische Konversation
mitzulesen.

Marco Poloni bezieht sich in seiner Multimediainstallation "Monika
Ertl's Pistol" auf historische Gegebenheiten. Nach Mutmaßungen
ermordete die Untergrundkämpferin Monika Ertl 1971 den Konsul Roberto
Quintanilla Pereira im bolivianischen Generalkonsulat in Hamburg. Für
die Tat wurde eine Pistole aus dem Besitz des italienischen Verlegers
Giangiacomo Feltrinelli benutzt, der auch unter dem Codenamen Osvaldo
bekannt war.

Libia Castro & Olafur Olafsson zeigen eine sieben Meter lange
Neonschrift-Installation mit der Phrase: "Dein Land existiert nicht".
Mit dieser Aussage beziehen sie sich auf gegenwärtige
Migrationsbewegungen, die aufgrund von politischen, wirtschaftlichen
oder professionellen Gründen stattfinden können. Die Auflösung
nationalstaatlicher Gebilde hinsichtlich globaler, neoliberaler
Strukturen hinterfragt die Thematik von länderspezifischen
Strukturen, die gleichzeitig einen Pluralismus an ethnischem und
kulturellem Bewusstsein einfordern.

Santiago Sierra zeigt in dem Video "Burned Word", wie das Wort
"Future" öffentlich verbrannt wird. Das Video wurde 2012 in El
Cabanyal, einem historischen Stadtteil und Fischerviertel von
Valencia verwirklicht, das sich von dem Entwurf einer neuen,
städtedurchquerenden Allee bedroht sieht.

Asli Cavusoglus audio-visuelle Installation "191/205" bezieht sich
auf die Tatsache, dass 1985 die Generaldirektion der Türkischen
Radio- und Fernsehgesellschaft TRT 205 Wörter in Fernseh- und
Radiosendungen untersagte, weil diese angeblich nichts mit der
türkischen Sprache zu tun hatten bzw. nicht dem allgemeinen
türkischen Standard entsprachen.

In seinem Video "Untitled" reagiert Köken Ergun 2004 auf jene
Situation in der Türkei, als der Ball zum Tag der Republik im
Präsidentenpalast stattfand und der Präsident persönliche Einladungen
an die Parlamentsmitglieder versandte, bei denen es sich
hauptsächlich um islamische Demokraten handelte. Dies war seine
Strategie, um deren Frauen von dem Abend fern zu halten, da diese
Kopftücher tragen. Die Videoperformance resultierte schließlich in
einer Cross-Dressing Parodie.

Einige der KünstlerInnen sind im Rahmen der Ausstellung
Artists-in-Residence des quartier21/MuseumsQuartier: so wird der
bulgarische Künstler Vikenti Komitski vor Ort eine neue Arbeit
produzieren. Vikenti Komitski thematisiert in seiner während der
Residency im MQ entstandenen Arbeit "Pop-up Wall" (2014) wie in einer
zunehmend globalisierten Welt nach wie vor Grenzen Richtung "Festung
Europa" errichtet werden. Seine Arbeit bezieht sich auf Bulgariens
aktuelle Bestrebungen, bis Februar 2014 zwischen den bulgarischen
Städten Lesowo und Krajnowo eine 30 km lange Grenze zur Türkei
aufzuziehen, die den Flüchtlingsstrom aus Syrien abwehren soll.

Die Ausstellung wird zudem von einem Rahmenprogramm mit Lectures,
Performances sowie einem Kinderworkshop begleitet.

KünstlerInnen:
Libia Castro (ES)* & Ólafur Ólafsson (IS)*, Köken Ergun (TR)*,
Vikenti Komitski (BG)*, Asli Cavusoglu (TR), Marco Poloni (CH),
Oliver Ressler (AT), Milica Tomic (SRB), Santiago Sierra (ES), Akram
Zaatari (LB)
*Artists-in-Residence des quartier21/MuseumsQuartier

"Places of Transition" wird in Kooperation mit dem Bundesministerium
für europäische und internationale Angelegenheiten organisiert.

Places of Transition
Dauer: 24.01. bis 13.03.2014, Di bis So 13-19h, Eintritt frei
Eröffnung: Do 23.01., 19h
Ort: freiraum quartier21 INTERNATIONAL/MuseumsQuartier Wien
www.quartier21.at

Direktor MuseumsQuartier Wien: Dr. Christian Strasser

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MQW

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