• 20.01.2014, 21:06:41
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Glaubensfragen, Kommentar zum Jahresergebnis der Deutschen Bank, von Bernd Neubacher.

Frankfurt (ots) - Rund 2,4 Mrd. Euro Vorsteuergewinn im
Startquartal,
1,2 Mrd. Euro Verlust im Schlussquartal - man muss kein Defätist
sein, um Erfolge von Jürgen Fitschen und Anshu Jain beim Umbau der
Bank, was Ergebniszahlen angeht, noch nicht so recht orten zu können.
Selbst wenn man nicht das notorisch starke erste mit dem traditionell
schwachen letzten Vierteljahr vergleicht. Dass von Oktober bis
Dezember allein die Abwicklungseinheit vor Steuern mit einem Minus
von 1,1 Mrd. Euro ins Kontor schlug, mag das Kerngeschäft für manchen
Betrachter in ein gnädigeres Licht rücken. Dass die Bank aber dort
vor Steuern 26 Mill. Euro verlor, relativiert dies.

Noch gleicht der Konzern einer Baustelle, die kaum erkennen lässt,
was dort entsteht. Mit einer Eigenkapitalrendite von 6% zeigt derzeit
etwa das Asset & Wealth Management im Schlussquartal die größte
Ertragskraft, weit vor dem Privatkundengeschäft (1%), Global
Transaction Banking (0%) sowie dem größten Ertragsträger Investment
Banking (-1%). Fürs Gesamtjahr steht konzernweit eine
Eigenkapitalverzinsung von 1,9% zu Buche. Bis zur Marke von
mindestens 12%, die das Management für 2015 anstrebt, ist da noch ein
weiter Weg. Werden Fitschen und Jain scheitern wie ihr Vorgänger
Josef Ackermann mit seinem einst für 2011 ausgegebenen Ziel eines
Spartenergebnisses von 10 Mrd. Euro? Einstweilen ist dies
Kaffeesatzleserei. Der Konzernspitze ist zuzutrauen, dass sie
(Rechts-)Kosten nach Kräften vorzieht, auch um eine umso günstigere
Basis für künftige Ergebnisse zu legen.

Sorgen machen sollte Anlegern aber, dass gerade jetzt, da der Konzern
Einnahmen braucht, um Belastungen wegzudrücken, der Ertrag lahmt. In
der Paradesparte Investment Banking lag er im jüngsten Quartal 27%
unter Vorjahr. Konzernweit hat das Haus seit 2009 von Oktober bis
Dezember nicht mehr so wenig eingenommen. Die Deutsche Bank ist ein
Fixed- Income-Schwergewicht und sehr von Europa abhängig. Die
kurzfristigen Trends aber sprechen für die USA und für Aktien, wie
Jain selbst erklärt.

Fürs Erste verhält es sich mit dem Renditeziel daher wie mit dem
vielbeschworenen Kulturwandel der Bank: Man muss daran glauben, noch
ist davon nicht allzu viel zu sehen. Dass Jain am Montag
differenzierte zwischen Faktoren, welche die Bank kontrollieren kann,
wie Kosten, und für sie nicht kontrollierbaren Faktoren, wie dem
operativen Umfeld, könnte manchen Anleger eine Enttäuschung wie beim
jüngsten Quartalsausweis befürchten lassen.

(Börsen-Zeitung, 21.1.2014)

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