• 15.01.2014, 18:15:31
  • /
  • OTS0196 OTW0196

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die heimliche Macht Chinas - von Andre Kühnlenz

China dürfte auch 2013 der größte Gläubiger des Euroraums gewesen sein

Utl.: China dürfte auch 2013 der größte Gläubiger des Euroraums
gewesen sein =

Wien (OTS) - Wo die Chinesen ihren riesigen Devisenschatz anlegen,
daraus machen sie ein gut gehütetes Geheimnis. Nur einmal im Quartal
berichtet die Volksrepublik, welche Summe sie hortet: Ende 2013 war
es der unfassbare Rekordbetrag von 3,82 Billionen US-$. Bekannt ist
allerdings, dass ein Großteil als Darlehen an die USA fließt. Doch
ausgerechnet Europa weiß nicht Bescheid, wie viel die Chinesen im
alten Kontinent investiert haben.

Dieses fatale Desinteresse ist eine Gefahr für Demokratie, Wirtschaft
und den Wohlstand im Euroraum. Immerhin: Medien berichten davon, dass
die Notenbank in Peking sich grob an der Anlagestrategie der
Zentralbanken in anderen Schwellenländern orientiert. Demnach dürfte
China aktuell knapp 24 Prozent in Euro-Wertpapieren halten. Das wären
650 Milliarden Euro - 50 Milliarden Euro mehr als vor einem Jahr.

Die Volksrepublik dürfte damit ihre Position als größter Gläubiger
des Euroraums verteidigt haben. So genau weiß es aber leider niemand,
weil niemand genaue Daten erhebt. Sind es vielleicht Staatsanleihen
aus Deutschland, Griechenland oder doch eher aus Spanien? Leihen die
Chinesen lieber hiesigen Banken ihr Geld oder stecken sie hinter den
Gläubigern des Euro-Rettungsfonds ESM? Nicht einmal die Europäische
Zentralbank (EZB) hat eine Übersicht über die Anlagen Chinas. Wie es
besser geht, das machen die USA vor: Dort werden monatlich Daten
erhoben. Das US-Finanzministerium macht sich sogar die Mühe, einmal
im Jahr herauszufinden, wie viele Dollar-Wertpapiere zum Beispiel
China bei Banken in London, Hongkong und Singapur erwirbt.

Als aufgeklärter Bürger des zweitgrößten Wirtschaftsraums der Welt
wüsste man allerdings schon sehr gern, welche Hauptstadt wie abhängig
von den Chinesen ist. Wie frei sind unsere Regierungen noch in ihren
Entscheidungen - oder redet Peking bereits insgeheim mit, wenn die
Staaten über ihre Ausgaben entscheiden? Wie wirkungsvoll kann die
EU-Kommission eigentlich mit Sanktionen in Handelsstreitigkeiten
drohen, wenn China jederzeit drohen könnte, den Kredithahn
zuzudrehen?

Es gilt, die demokratische Unabhängigkeit der Staaten im Euroraum zu
wahren. Auch aus wirtschaftlichem Interesse müssen so schnell wie
möglich bessere Daten her. Wenn die EZB bald die größten Banken im
Euroraum beaufsichtigt, wäre dies eine wichtige Aufgabe, die ganz
oben auf ihrer Agenda stehen sollte.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel