• 14.01.2014, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der leise Rückzug aus Osteuropa - von Christian Kreuzer

Statt Expansion ist für Austro-Banken ein Abschied aus Randmärkten angesagt

Utl.: Statt Expansion ist für Austro-Banken ein Abschied aus
Randmärkten angesagt =

Wien (OTS) - Österreichs Banken haben ihrer Strategie in Osteuropa
nach der Finanzkrise eine neue Richtung gegeben. Nicht mehr Expansion
um jeden Preis ist angesagt, sondern eine Fokussierung auf bestimmte
Märkte. Man könnte dies auch als leisen Rückzug aus der einst
boomenden Region bezeichnen. Vor allem die Randländer, die nicht
Mitglied der Europäischen Union sind, werden abgestoßen oder es wird
zumindest ein Ausstieg in Betracht gezogen.

Als Vorreiter hat sich die Bank Austria entpuppt, die nach einem
Milliardendesaster ihre kasachische Tochter verkaufte; die Erste
Group hat sich - ebenfalls nach einem großen Verlust - von ihrer
ukrainischen Bank getrennt. Fehlt noch der dritte österreichische
Player in der Region, Raiffeisen: Auch die Giebelkreuzer prüfen
entsprechende Angebote für ihre Ukraine-Tochter, die jetzt wieder
Gewinne schreibt, aber in der Vergangenheit ein riesiges Minus
anhäufte. Warum gerade diese Länder für einen Rückzug gewählt werden,
liegt auf der Hand: Die rechtliche Situation unterscheidet sich
gravierend von jener in der EU. Zudem befinden sich diese Staaten
oftmals in einer schwierigen politischen Lage, die die
wirtschaftliche Entwicklung hemmt, was sich wiederum auf die
Bankbilanzen negativ auswirkt. In Zeiten, in denen das Kapital knapp
ist - Österreichs Institute sind nach wie vor vergleichsweise schwach
kapitalisiert -, ist die Konzentration auf weniger Märkte durchaus
sinnvoll.

Die Kehrseite davon ist, dass die Banken von einigen wenigen Märkten
im Osten abhängig werden. Und das zeigt sich jetzt schon: So stammt
ein Großteil des Gewinns der Bank Austria aus Russland und der
Türkei, die sich wirtschaftlich derzeit stark präsentieren, politisch
aber nicht als Hort der Stabilität gelten. Raiffeisen ist de facto zu
fast 100 Prozent vom Russland-Geschäft abhängig. Läuft es dort nicht
mehr rund und verharren andere Märkte wie Ungarn weiterhin im Minus,
bekommt Raiffeisen-Bank-International-Chef Karl Sevelda ein immenses
Problem. Auch ein Rückzug aus Ungarn, der nach wochenlangen Gerüchten
vor wenigen Tagen abgesagt wurde, könnte die Situation nicht
entschärfen. Allerdings würde ein Abschied aus dem Nachbarland eine
neue Dimension darstellen - nicht nur, weil Ungarn EU-Mitglied ist,
sondern weil es ein Kernland der einstigen Ost-Strategie ist. Aus dem
leisen Rückzug würde dann sehr schnell ein ganz lauter werden.

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