GÖD: Irreführende Darstellungen über Beamtenpensionen im aktuellen profil

Korrekt recherchierte Artikel und Beiträge wären den Leserinnen und Lesern zumutbar

Wien (OTS) - Im aktuellen Nachrichtenmagazin "profil" finden sich irreführende Darstellungen über das Pensionssystem und es wird mangelnde Transparenz bezüglich Beamtenpensionen behauptet. Zahlen werden verwechselt, falsch dargestellt und Systemunterschiede nicht erklärt. Der Bericht entbehrt in vielen Bereichen der gebotenen journalistischen Sorgfaltspflicht. Qualitätsjournalismus sieht anders aus.

Insbesondere ist unerwähnt geblieben

  • das um fünf Jahre höhere gesetzliche Pensionsantrittsalter von Beamtinnen,
  • dass Frauen im öffentlichen Dienst in der Bezahlung Männern immer schon gleichgestellt sind,
  • das bei Beamtinnen und Beamten um mehr als zwei Jahre höhere faktische Pensionsantrittsalter als im ASVG,
  • dass Beamtinnen und Beamte in der Vergangenheit nahezu ausschließlich Vollzeit beschäftigt waren und nahezu keine die Pensionshöhe mindernde Teilzeit vorliegt,
  • dass im Beamtenpensionsrecht auch über die Höchstbeitragsgrundlage hinaus gehend Pensionsbeiträge geleistet werden und deshalb auch höhere Pensionen gerechtfertigt sind,
  • dass sinnvolle Vergleiche zwischen verschiedenen Pensionsrechten nur bei gleicher Erwerbsbiographie und Qualifikation machbar sind,
  • dass zwischen einem Alimentationsprinzip und einem Versicherungsprinzip grundsätzliche Unterschiede bestehen, die einen Vergleich erschweren und nur nach sorgfältiger Erläuterung möglich machen. Diese Erläuterungen sind unterblieben.

Einige konkrete Beispiele zur mangelhaften Recherche:

Den Zuschuss zur Pensionsversicherung mit dem Gesamtaufwand des Bundes für Pensionen zu vergleichen ist ein starkes Stück. Zuschuss auf der einen Seite und Gesamtaufwand auf der anderen Seite sind wohl zwei grundsätzlich verschiedene Daten. Ordentliche Recherche hätte schnell Klarheit bringen können. Ein Blick in den Bundesvoranschlag 2013 (Bundesbudget), Untergliederung 23 - Pensionen, Seite 5 und 6, hätte genügt.

In einem weiteren Absatz wird der Deckungsbeitrag des ASVG mit jenem des Beamtenpensionssystems verglichen. Dieser Vergleich kann nur dann seriös gemacht werden, wenn das Verhältnis Aktive und Pensionisten gleich gerechnet wird. Rückläufige Pragmatisierungen führen automatisch zu einem schlechteren Deckungsbeitrag - einfache Mathematik. Bei den Bäuerinnen und Bauern wirkt sich dieser Effekt noch drastischer aus. In einem serös recherchierten Artikel sollte das angeführt werden.

Schließlich zu behaupten, dass die Zahlen wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden ist Unsinn. Die relevanten Zahlen sind über das Internet öffentlich, auch für eine profil-Journalistin, abrufbar.

Die Durchschnittspensionen zwischen ASVG-System auf der einen und Beamtinnen und Beamten auf der anderen Seite ohne entsprechende Erläuterung zu vergleichen ist populistische Stimmungsmache. Ein seriöser Vergleich ist nur bei Berücksichtigung von Teilzeitquoten, unter Herausrechnung der zwischenstaatlichen Teilpensionen (das sind Zigtausende Pensionen in äußerst geringer Höhe), Berücksichtigung des deutlich höheren Qualifikationsniveaus im öffentlichen Dienst, usw., möglich. Das alles wurde nicht gemacht.

Es wäre auch leicht recherchierbar gewesen, dass die sog. "Hacklerregelung" als "Langzeitversichertenregelung" konzipiert wurde und jene begünstigen soll, die über Jahrzehnte das Pensionssystem finanziert haben. Für die "Hackler" ist die Schwerarbeitspensionsregelung geschaffen worden.

Korrekte Recherche, die Einhaltung des Ehrenkodex für Journalisten und eine gewisse Sorgfaltspflicht sollten für ein Qualitätsmagazin wie das "profil" selbstverständlich sein. Diese selbstverständlichen Merkmale fehlen in diesem Artikel völlig.

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