• 13.01.2014, 09:36:22
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Schluss mit Polemik: ELGA muss endlich seriös und offen diskutiert werden!

Das Präsidium der NÖ Ärztekammer bezieht klar Stellung zur Einführung der elektronischen Gesundheitsakte

Utl.: Das Präsidium der NÖ Ärztekammer bezieht klar Stellung zur
Einführung der elektronischen Gesundheitsakte =

Wien (OTS) - "Die letzten Tage waren geprägt von kontroversen, und
vor allem polemischen Diskussionen rund um ELGA", so Dr. Christoph
Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer. "Unzählige Journalisten,
Ärztinnen und Ärzte sowie betroffene Patientinnen und Patienten haben
uns kontaktiert, um Informationen über unsere Einstellung zu ELGA zu
erfahren. Daher werde ich die Haltung des Präsidiums der NÖ
Ärztekammer zur elektronischen Gesundheitsakte im Folgenden
detailliert erläutern", so der Ärztechef aus Niederösterreich.

"Die NÖ Ärztekammer gibt derzeit KEINE Empfehlung zur Abmeldung
oder Nicht-Abmeldung von ELGA ab. Jeder Bürger dieses Landes soll
sich selbst ein Bild machen, ob ELGA für ihn in Frage kommt oder
nicht", stellt Präsident Dr. Reisner klar. Auch zur Entscheidung der
Gesellschaft zu ELGA hat die NÖ Ärztekammer eine eindeutige Meinung:
"Die Einführung von ELGA wird seit Jahren geplant, die
Bundesregierung ist durch die Wahlen bestätigt worden. Das ist aus
demokratischer Sicht ein klares Bekenntnis der Bevölkerung zur
Regierungspolitik, also auch zu ELGA. Und das müssen wir
akzeptieren."

Empfehlung pro oder kontra Abmeldung wird derzeit NICHT
gegeben

Zu einer funktionierenden Demokratie gehört aber auch mögliche
Kritik. "Wir akzeptieren die Entscheidung, auch wenn wir ELGA für
eine unglaubliche Verschwendung von Steuergeld halten. Aber es ist
schlicht und einfach nicht die Aufgabe einer Ärztekammer, über
Verwendung von Steuergeld zu befinden. Wenn der Bürger das
mehrheitlich so will, dann ist das zu akzeptieren", so Präsident Dr.
Reisner weiter. Kein Arzt hat aus seiner Sicht übrigens Angst vor
einer größeren Kontrollmöglichkeit durch ELGA. "Die gesetzlichen
Grundlagen für den ärztlichen Beruf sowie die Verrechnungsmodalitäten
in den Krankenhäusern und bei den Sozialversicherungsträgern führen
bereits heute dazu, dass jede einzelne Diagnose und jede einzelne
erbrachte Leistung unserer Ärztinnen und Ärzten für die
Administratoren des Systems nachvollziehbar elektronisch dokumentiert
wird", so Dr. Reisner weiter.

Die Strukturen für einen geregelten Austausch von Gesundheitsdaten
wären sogar auch ohne ELGA längst vorhanden. "Der Austausch von
Befunden oder die Wechselwirkungskontrolle von Medikamenten sind
längst im ärztlichen Berufsbild verankert." Dass das heute noch nicht
so funktioniert wie es könnte, liegt jedoch aus seiner Sicht nicht an
den heute schon bestehenden technischen Möglichkeiten, sondern an der
von der Politik etablierten Struktur des Systems. "Zu einer
geregelten Übermittlung besteht keine Verpflichtung und es ist an
vielen Stellen nicht einmal genügend Arbeitskapazität für eine
zeitgerechte Übermittlung vorhanden. Und das ist auch unser
Hauptkritikpunkt: Ein derartig unausgereiftes technisches System über
ein ineffizientes, dringend verbesserungswürdiges Gesundheitssystem
drüberzuziehen, wird massive Probleme nach sich ziehen."

ELGA darf zu keiner Einschränkung der medizinischen Tätigkeit
führen

Und DIESE Probleme befinden sich im Verantwortungsbereich der NÖ
Ärztekammer: "Denn wir müssen dafür sorgen, dass unsere Ärztinnen und
Ärzte ihren Beruf korrekt ausüben können." Präsident Dr. Reisner
erläutert: "Wir Ärztinnen und Ärzte haben bei unserer Berufsausübung
eine enorme Fülle an rechtlichen Vorschriften zu beachten. Wenn diese
Vorschriften nicht mehr erfüllbar sind, dann ist auch das korrekte
Betreiben von Medizin nicht mehr möglich. Wenn wir nun gezwungen
werden "Hilfsmittel" zu benutzen, dann muss auch gewährleistet sein,
dass diese mit der rechtlich und medizinisch korrekten Ausübung des
ärztlichen Beruf vereinbar sind, und das sehen wir derzeit bei ELGA
nicht."

So wäre eine ELGA an sich ja keine schlechte Errungenschaft. "Aber
in der konzipierten Form und vor allem aufbauend auf diesem
Gesundheitssystem ist sie unbrauchbar. Sie wird uns massiv unnötige
Zeit kosten, die keinem Patienten etwas bringt. Und diese Zeit muss
irgendwo herkommen. Sollte ELGA aus diesem Grund zu organisatorischen
Problemen in den Ordinationen oder zu arbeitsrechtlichen Problemen in
den Krankenhäusern führen, dann müssen wir mit aller Kraft
einschreiten", warnt Präsident Dr. Reisner.

Zusammenfassung: Mehraufwand muss ausgeglichen werden

Präsident Dr. Reisner fasst die Meinung des Präsidiums der NÖ
Ärztekammer zusammen: "Wir empfehlen derzeit keinen Widerspruch zu
ELGA. Wir nehmen ELGA als Ganzes zur Kenntnis, weil der Wähler
entschieden hat, dass er diese ELGA haben will. Wir halten ELGA in
der derzeit geplanten Form jedoch für eine enorme Verschwendung von
Steuergeld, weil die Umsetzung technisch unausgereift ist und vor
allem die notwendigen strukturellen Voraussetzungen im
Gesundheitssystem nicht vorhanden sind."

Die Aufgabe der NÖ Ärztekammer besteht darin, darüber zu wachen,
dass alle Ärztinnen und Ärzte ihre berufliche Verpflichtung
gesetzestreu erfüllen können. "ELGA muss also so beschaffen sein,
dass ihre Bedienung zu keiner Einschränkung der medizinischen
Tätigkeit führt. Da ELGA in Summe aus unserer Sicht zu einem
vermehrten Zeitaufwand führen wird, gehen wir von einem erhöhten
Personalaufwand aus. Schließlich sind nirgendwo freie
Personalkapazitäten vorhanden. Daher wird es zu einer deutlichen
Vermehrung sowohl der Planstellen in den Spitälern als auch der
Kassenstellen kommen müssen. Und auch die Leistungskataloge müssen an
ELGA angepasst werden."

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