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Wiener Zeitung: Leitartikel von Thomas Seifert: "Prognosen für 2014"
Ausgabe vom 31. Dezember 2013
Utl.: Ausgabe vom 31. Dezember 2013 =
Wien (OTS) - Wie wird 2014? Die Erde bleibt ein gefährlicher,
unberechenbarer Ort. Der frühere US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld fabulierte bei einer Pressekonferenz einmal recht
philosophisch von known unknowns und unknown unknowns, dem "bekannten
Unbekannten" und den "unbekannten Unbekannten". Diese Einordnung
lässt sich trefflich auf die Prognosen für die Zukunft, genauer für
das Jahr 2014, anwenden. Denn über die Zukunft wissen wir recht
wenig, außer, dass sie vor uns liegt.
Die bekannten Unbekannten: Die Frage der Einengung der Grund- und
Freiheitsrechte wird die Bürger auch 2014 beschäftigen. Noch längst
ist nicht das gesamte Ausmaß der NSA-Abhöraktionen bekannt, und 2014
ist mit weiteren Enthüllungen zu rechnen. Ob das Thema freilich eine
breitere Öffentlichkeit jenseits von besorgten Juristen, Journalisten
und politischen Aktivisten beschäftigen wird, bleibt abzuwarten.
Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Jemen und Nordkorea werden
jene Länder sein, über die sich geopolitische Analysten 2014 den Kopf
zerbrechen werden. Wahlen in Indien, Brasilien und der Türkei werden
ebenfalls spannend. In Ägypten stehen ein Verfassungsreferendum sowie
Parlaments- und Präsidentenwahlen an. Wird General Abd al-Fattah
as-Sisi der nächste Präsident? Dann hätte sich die Revolution in
Ägypten um 360 Grad gedreht, alles auf Anfang, von Hosni Mubarak zu
As-Sisi.
Genauso wie die EU-Wahlen, die von 22. bis 25. Mai in den
Mitgliedsländern stattfinden. Für manche Experten gilt es als
ausgemachte Sache, dass in vielen Ländern die rechtsnationalistische
Parteien ihren Stimmanteil dramatisch vergrößern können. Gleichzeitig
sehen viele die Linke in Ländern wie Griechenland, aber auch Italien
im Aufwind. Man wird also sehen. In Ungarn wird im April ein neues
Parlament gewählt. Prognose: Die Fidesz-Partei des
rechtsnationalistischen Viktor Orbán wird zu den Gewinnern dieser
Wahl gehören. Für Wien ist die Entwicklung in Ungarn alles andere als
erfreulich.
Das Jahr wird auch 2014 unbekannte Unbekannte bereithalten,
Herausforderungen, die heute noch unabschätzbar sind. Einziges
Mittel, um diesen Herausforderungen zu begegnen: Resilienz, also die
Schaffung von widerstandsfähigen Staaten und Gesellschaften. Frei
nach dem Spruch der US-Marines: Sei aufs Schlimmste gefasst, aber
hoffe aufs Beste.
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