• 30.12.2013, 08:45:56
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Neue "Tätigkeitsfelder" lösen das Problem des Arbeitskräftemangels im Gesundheitssystem nicht

NÖ Ärztekammer: Wenn die "Pflege" mehr macht, wer macht dann Pflegetätigkeiten?

Utl.: NÖ Ärztekammer: Wenn die "Pflege" mehr macht, wer macht dann
Pflegetätigkeiten? =

Wien (OTS) - Mit Unverständnis reagiert Dr. Christoph Reisner, MSc,
Präsident der NÖ Ärztekammer auf Ansätze der Gesundheitspolitik,
wonach Pflegekräfte künftig bestimmte ärztliche Tätigkeiten
übernehmen sollen, um dem Mangel an Spitalsärzten beizukommen. "Schon
jetzt sind zu wenige Pflegekräfte angestellt, um die gestellten
Aufgaben zu bewältigen. Schon jetzt wären Tätigkeiten wie etwa
Blutabnahmen aus rechtlicher Sicht von der Pflege durchführbar. Auch
die Ausbildung ist schon vorhanden." Aus Sicht des Präsidiums der
Ärztekammer für NÖ ist es daher sinnlos, über die Ausdehnung des
Tätigkeitsbereichs einzelner Berufsgruppen im Gesundheitssystem
nachzudenken. "Wir sollten erst einmal Gesetze leben, dann über
Veränderungen nachdenken."

Stattdessen gibt es geradezu groteske Auswüchse der
Personalknappheit. "Derzeit verteilen teilweise diplomierte
Pflegekräfte das Essen in den Krankenhäusern. Auch von Putzarbeiten,
die durch diplomierte Pflegekräfte verrichtet werden ist die Rede. In
der ganzen Krankenhaushierarchie machen viele einfach das Falsche.
Und das sollte zuerst abgestellt werden, bevor neue Aufgabenbereiche
definiert werden", so Vizepräsident und Kuriensprecher der
Angestellten Ärzte Dr. Ronald Gallob. Und bei der Pflege beginnt die
Problematik erst: "Wir brauchen endlich Arbeitskräfte und
Dienstposten, die uns Dokumentationsarbeit abnehmen, damit wir
Ärztinnen und Ärzte genügend Zeit für ärztliche Tätigkeit haben."

Dr. Martina Hasenhündl, stellvertretende Kuriensprecherin der
Niedergelassenen Ärzte vergleicht diesen Ansatz mit ELGA: "Die
bestehenden EDV-Strukturen sind gut, lediglich die
Personalausstattung ist teilweise mangelhaft. So wären auch die
Möglichkeiten moderner Datenverarbeitung schon vorhanden, werden aber
auch aufgrund Personalmangels zu wenig eingesetzt. Und nun kommt
zusätzlich ELGA." Die vorhandenen Datenstrukturen sollen aus ihrer
Sicht erst einmal vernünftig genutzt werden. "Stattdessen wird ein
neuer Datenfriedhof gebaut, für dessen Bedienung erst recht die
notwendige Personalkapazität fehlt."

Als wichtigstes Mittel, die Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem
zu beseitigen, nennt Präsident Dr. Reisner als Vertreter der gesamten
Ärzteschaft in Niederösterreich die Einstellung von ausreichend
Personal. "Wir müssen in allen Berufsgruppen genügend Arbeitskraft
etablieren. Wir brauchen eine Entlastung der Pflege UND der
ärztlichen Arbeitskraft durch ausreichend geschultes Personal im
administrativen Sektor und das ganze zeit- und ortsnah, um die Arbeit
am kranken Menschen bestmöglich bewältigen zu können. Die Bürokraten
und Politiker sind nun gefordert, kreativ im eigenen Sektor zu denken
und zu handeln."

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