• 18.12.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Runde geht an Moskau - von Beatrice Bösiger

Der Sieg könnte Putin teuer zu stehen kommen

Utl.: Der Sieg könnte Putin teuer zu stehen kommen =

Wien (OTS) - Den Sieg nach Punkten konnte beim Treffen zwischen
Viktor Janukowitsch und Wladimir Putin diese Woche in Moskau
eindeutig der russische Präsident für sich verbuchen und das, obwohl
offiziellen Beteuerungen zufolge der Beitritt der Ukraine zum
russischen Prestigeprojekt, der Zollunion, gar nicht diskutiert
wurde.

Janukowitsch bringt zwar rasche Soforthilfe aus Moskau in Form
zugesicherter Anleihenkäufe in der Höhe von 15 Milliarden US-$ und
einen rund ein Drittel niedrigeren Gaspreis, den die Ukraine ab dem
Jahreswechsel zahlen muss, mit nach Kiew. Der ukrainische Präsident
kann jedoch trotzdem höchstens für sich reklamieren, den
Staatsbankrott seines Landes hinausgeschoben zu haben. Die Opposition
in Kiew warf ihm nach dem Treffen den Ausverkauf des Landes vor -
nicht zuletzt, da Moskau durch diese Anleihenkäufe zu einem der
größten Gläubiger des Landes aufsteigt und auch, weil viele
versteckte Bedingungen Moskaus für die Hilfe fürchten.
Janukowitsch dagegen scheint für den Moment zu einer ähnlichen
Lösungsstrategie wie der weißrussische Präsident Alexander
Lukaschenko zu greifen: Sich von einer Kredittranche aus Moskau zur
nächsten zu hangeln und damit das Überleben der eigenen Wirtschaft zu
sichern.

Probleme werden damit allerdings nicht gelöst: Gelder in
Milliardenhöhe und günstigeres Gas aus Russland sind wohl kaum Anreiz
genug, damit Kiew seine Wirtschaft, die nach wie vor zu stark auf
Sektoren wie Stahl, Landwirtschaft und Chemie fußt, strukturell
nachhaltig reformiert.

Und trotz seines Punktesieges in dieser Runde könnte es den
russischen Präsidenten künftig teuer zu stehen kommen, dass er die
Ukraine und vor allem die Präsident Janukowitsch nahestehenden
Oligarchen wirtschaftlich künftig enger an sich bindet. Die rund 46
Millionen Einwohner sind für russische Exporteure zwar ein
interessanter Markt, ohne strukturelle Reformen ist die Wirtschaft
international allerdings wenig wettbewerbsfähig und wird
wahrscheinlich Subventionsempfängerin bleiben. Zudem waren die
politischen Beziehungen zwischen Moskau und Kiew in den vergangenen
Jahren durchaus gespannt und eine weitere Annäherung des Landes an
Moskau könnte nun dafür sorgen, dass auch innerhalb der Ukraine
selbst die Spannungen zwischen pro-russischen und oppositionellen
Kräften wachsen.

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