GLOBAL 2000: EU-Kommission müsste heute Kriterien zur Bestimmung hormonell wirksamer Chemikalien vorschlagen und tut es nicht

EU-Regulierung hormonell wirksamer Chemikalien in weite Ferne gerückt: Rupprechter und Stöger müssen handeln!

Wien (OTS) - Nun ist es offiziell: Die Europäische Kommission kommt ihrem, in den beiden EU-Verordnungen zu Bioziden und Pestiziden ( EG 528/2012 und EG 1107/2009) jeweils festgelegten gesetzlichen Aufträgen, bis spätestens heute Freitag, den 13. Dezember beziehungsweise morgen, den 14. Dezember konkrete Maßnahmen zur Bestimmung von hormonell wirksamen Chemikalien vorzulegen, nicht nach.

"Dieses Versäumnis der Europäischen Kommission hat zur Folge, dass die Menschen in Europa noch deutlich länger auf den schon heute gesetzlich verankerten Schutz von Umwelt und Gesundheit vor hormonell wirksamen Pestiziden und Bioziden warten müssen. Denn die seit 2011 geltenden Verbote von Pestizid- und Biozidwirkstoffen mit 'endokrinschädlichen Eigenschaften' können erst dann wirksam werden, wenn eben diese Methoden und Kriterien zur Identifizierung ihrer hormonellen Wirksamkeit bzw- 'endokrinschädigenden Eigenschaften ' vorliegen'", sagt Helmut Burtscher, Biochemiker von GLOBAL 2000. "Aber auch für die Regulierung von hormonell wirksamen Chemikalien in Kosmetika und Körperpflegeprodukten hat das Versagen der EU-Kommission negative Auswirkungen. Denn die EU Kosmetikverordnung 1223/2009 sieht eine "Überprüfung der Verordnung hinsichtlich Stoffen mit endokrin wirksamen Eigenschaften" vor,
sobald "in der Gemeinschaft anerkannte Kriterien für die Bestimmung von Stoffen mit endokrin wirksamen Eigenschaften zur Verfügung stehen". Und diese fehlen jetzt.

Ebenfalls betroffen vom Fehlen der Kriterien ist das Europäische Chemikaliengesetz REACH, welches hormonell wirksame Chemikalien als besonders besorgniserregende Stoffe einem strengen Zulassungverfahren zuführen würde. Grund für die auftretenden Verzögerungen des EU-Fahrplans ist, dass die EU Kommission dem Wunsch von Chemie- und Pflanzenschutzindustrie, noch vor der Präsentation der wissenschaftlichen Kriterien für endokrinschädigende Stoffe, ein sogenanntes Impact Assessment durchzuführen, nachgegeben hat. Damit sollen mögliche negative Folgen einer strengeren Regulierung dieser Stoffe auf Wirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsplätze etc. abgeschätzt werden. "Dass die EU-Kommission diesen Begehrlichkeiten tatsächlich nachgibt, und dafür in Kauf nimmt, dass bereits beschlossene EU-Gesetze zum Schutz von Umwelt und Gesundheit weiter zahnlos bleiben, macht deutlich, welchen Einfluss die Industrie auf die EU-Institutionen bereits ausübt," sagt Burtscher. "GLOBAL 2000 legt deshalb große Hoffnungen in den neuen österreichischen Umweltminister Andrä Rupprechter, dafür Sorge zu tragen, dass sich Österreich in den verschiedenen Ausschüssen zur Regulierung hormonell wirksamer Chemikalien für eine vorsorgeorientierte Regulierung zum Schutz von Umwelt und Gesundheit stark macht."

Auch der österreichische Gesundheitsminister Alois Stöger ist gefordert, durch nationale Gesetze und Verordnungen das gebotene gesundheitliche Schutzniveau in Österreich zu gewährleisten. Als ersten Schritt fordert GLOBAL 2000, das dänische Verbot von Propylparaben und Methylparaben in Körperpflegeprodukten für Kinder unter drei Jahren auch in Österreich umzusetzen. Derzeit gibt es am österreichischen Markt, wie der GLOBAL 2000 Kosmetik-Check gezeigt hat, beispielsweise mit 'Odol Med-3 Milchzahn' und 'Odol Med-3 Junior' mindestens zwei Kinderzahnpasten, die diese in Dänemark für Kinder unter drei Jahren verbotenen hormonell wirksamen Chemikalien immer noch enthalten.

Alle Ergebnisse des GLOBAL 2000 Kosmetik-Checks finden Sie auf:
www.global2000.at

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