• 11.12.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gazprom und der Wandel der Zeit - von Wolfgang Tucek

Die willkürliche Festlegung der Gaspreise hat ein Ablaufdatum

Utl.: Die willkürliche Festlegung der Gaspreise hat ein Ablaufdatum =

Wien (OTS) - Gazprom, der russische Gas-Monopolist, hat auf den
ersten Blick alle Trümpfe in der Hand. Auch die Drohung mit einem
bitterkalten Winter ohne Gas hat zur vorläufigen EU-Abkehr der
Ukraine beigetragen. Doch bei näherem Hinsehen wankt das gewohnte
Geschäftsmodell des Energiegiganten. Das ist auch der Gazprom-Führung
bewusst: Günstigere langfristige Lieferverträge mit Polen und
Österreich zeigen das - ganz langsame - Umdenken.

Denn bisher legen Gazprom und Kreml die Preise komfortabel nach den
politischen und wirtschaftlichen Machtverhältnissen fest. Kurioses
Ergebnis ist, dass Gas mit längerem Transportweg manchmal günstiger
wird: Die Ukraine bezahlt am meisten, Polen weniger und Deutschland
kommt am günstigsten weg. Die Deutschen werden längst direkt
beliefert, die Nord-Stream-Pipeline umgeht die Transitländer Ukraine
und Polen.

Doch die EU arbeitet an ihrem Energiebinnenmarkt und der
Welt-Gasmarkt verändert sich. Durch Pipelines, die in beide
Richtungen funktionieren, erhalten etwa Polen und Ungarn auch aus dem
Westen Gas. Das kommt aus Norwegen, sonst vom Spotmarkt oder auch
über den Umweg Deutschland aus Russland. Fließt russisches Gas über
Deutschland und Polen, Ungarn oder die Slowakei in die Ukraine
zurück, kostet es immer noch weniger, als Kiew direkt an Gazprom
zahlen müsste. RWE hat laut der EU-Kommission bereits großes
Lieferinteresse gezeigt.

Zudem wollen die USA, Stichwort Schiefergas, schon ab 2016
großflächig Gas exportieren. Das geplante Freihandelsabkommen EU-USA
würde den Import nach CEE deutlich erleichtern. Der Gasexporteur
Kanada hat mit dem US-Markt seinen Hauptabnehmer verloren.

Die EU selbst hat inzwischen Mut gefasst und ist nicht mehr vor Angst
gelähmt wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange. Die
EU-Wettbewerbsbehörde ermittelt gegen Gazprom wegen des Missbrauchs
einer marktbeherrschenden Stellung und winkt mit Milliardenbußen. Die
Kommission mahnt die Einhaltung der EU-Energiegesetze ein und hat
sämtliche South-Stream-Rahmenverträge mit Russland für illegal
erklärt.

Zwar ändern sich sie die Machtverhältnisse nicht von heute auf morgen
- auch die EU ist ein Riesentanker, der nur schwerfällig die Richtung
ändert. Doch das bleibt auch dem Gazprom-Tanker nicht erspart: Die
willkürliche Festlegung der Gaspreise hat ein Ablaufdatum.

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