- 10.12.2013, 15:30:02
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7-Punkte-Programm zur Bekämpfung von Wettspielkriminalität
BMI, ÖFB und Bundesliga verstärken Zusammenarbeit
Utl.: BMI, ÖFB und Bundesliga verstärken Zusammenarbeit =
Wien (OTS) - "Wettbetrug und Spielmanipulationen sind eine Bedrohung
für den Sport. Dabei geht es nicht nur um ein verlorenes Match,
sondern um das Vertrauen von Fans und Sponsoren in die Integrität des
Sports", sagte Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner anlässlich
eines Gipfeltreffens mit Vertretern der Bundesliga und des
Österreichischen Fußball-Bundes im Innenministerium am 10. Dezember
2013. Im Fokus des Treffens standen Maßnahmen zur Bekämpfung der
Wettspielkriminalität und Spielmanipulation. "Die mutmaßlichen
Wettmanipulationen fügen dem Fußball in Österreich beträchtlichen
Schaden zu. Es gilt sämtliche Sachverhalte umfassend und lückenlos
aufzuklären und vor allem drastische Sanktionen für erwiesene
Straftaten auszusprechen. Wir werden alles unternehmen, um für eine
rasche und lückenlose Aufklärung aller vorliegenden Fälle zu sorgen.
Ich begrüße sehr, dass dieses Thema auf ministerieller Ebene sehr
ernst genommen wird und wirksame Maßnahmenpakete gegen diese
kriminellen Elemente geschnürt werden", sagte ÖFB-Präsident Dr. Leo
Windtner. "Die intensive Zusammenarbeit der Liga und des Verbands mit
allen Beteiligten sowie die Unterstützung aus Politik verdeutlichen
einmal mehr, wie wichtig der Kampf gegen Spielmanipulation ist. Durch
die Vorfälle der letzten Wochen hat das Image des Österreichischen
Fußballs sehr gelitten, wenngleich durch die Einleitung
verbandsrechtlicher Verfahren bereits erste Schritte zur lückenlosen
Aufklärung gesetzt wurden. Die Ergebnisse des heutigen
Arbeitsgespräches mit der Frau Bundesminister und der daraus
resultierende Maßnahmenkatalog betreffen zum einem die Schaffung der
optimalen rechtlichen Rahmenbedingungen und die Einrichtung einer
Meldestelle bei Verdachtsfällen. Ein weiterer wesentlicher Punkt des
Maßnahmenkataloges betrifft die Prävention, um auch in Zukunft das
höchste Gut im Sport - die Integrität - zu wahren", betonte
Bundesliga-Präsident Ing. Hans Rinner.
"Um erfolgreich gegen Wettbetrug anzukämpfen, werden wir künftig noch
enger mit dem ÖFB und der Bundesliga zusammenarbeiten. Wir haben
bereits im Juni 2013 eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die
ein deutliches Signal an alle setzt, die durch Gewalt, Rassismus,
Korruption oder Wettbetrügereien und Spielmanipulationen den
österreichischen Sport beschmutzen wollen", sagte Innenministerin
Mikl-Leitner. Das Maßnahmenpaket sieht sieben Punkte vor:
1. Um die Zusammenarbeit mit den betroffenen Verbänden noch weiter zu
intensivieren, wurde im Juni 2013 eine Kooperationsvereinbarung
zwischen dem Innenministerium, dem Österreichischen Fußball-Bund und
der Österreichischen Bundesliga unterzeichnet. "Ich habe bereits im
August die Plattform 'Sicherheit und Sport im BMI' ins Leben gerufen,
in der einer der Schwerpunkte die Bekämpfung des Wettbetruges ist.
Wir werden die Zusammenarbeit mit Verbänden und den Vereinen noch
weiter intensivieren", sagte die Innenministerin.
2. Das Innenministerium überprüft gemeinsam mit dem Bundesministerium
für Justiz unter Einbindung von Vertretern des Österreichischen
Fußball-Bundes und der Österreichischen Bundesliga die Notwendigkeit
neuer Straftatbestände. Sollte mit den bereits bestehenden Regelungen
nicht das Auslangen gefunden werden, sind entsprechende Vorschläge in
die Reformkommission "StGB 2015" des Justizministeriums einzubringen.
3. Sämtliche Maßnahmen im Bereich der organisierten Kriminalität im
Wettbetrug sind nur durch die Zusammenarbeit und Kooperation auf
höchster internationaler Ebene sinnvoll. Das Justizministerium ist
bereits initiativ geworden, eine "Konvention des Europarates zur
Bekämpfung von Manipulationen von Sportwettkämpfen" ist bereits in
Vorbereitung, ein Beitritt der Europäischen Union wäre nach
Beendigung der Arbeiten zu prüfen.
4. Das Innenministerium hat zur Bekämpfung von Wettbetrug und Match
Fixing bereits im Jahr 2012 konkrete Maßnahmen gesetzt. So wurde
bereits mit 1. April 2012 eine Ermittlungs-, Koordinierungs- und
Ansprechstelle im Bundeskriminalamt eingerichtet. Dort werden
sämtliche Ermittlungen österreichweit federführend geleitet ("Task
Force Match Fixing") und sämtliche "Stakeholder" (ÖFB, Bundesliga,
Play fair code, weitere Verbände etc.) mit einbezogen. Verdachtsfälle
können der Meldestelle ([email protected]) auch anonym gemeldet
werden. Bislang gab es 65 Verdachtsmeldungen, wobei fünf zu konkreten
Ermittlungsverfahren geführt haben.
5. Ziel ist auch die verstärkte Zusammenarbeit und die Unterstützung
des Vereins "Wahrung der Integrität im Sport". Beamte des
Bundeskriminalamtes unterstützen den Verein künftig bei
Präventionsmaßnahmen, in dem sie beispielweise junge Spieler auf die
Gefahren hinweisen, die von Mitgliedern der Wettmafia ausgehen. Das
Innenministerium unterstützt außerdem die Initiative des
Österreichischen Fußball-Bundes und der Österreichischen
Fußball-Bundesliga zur Errichtung einer privaten Ombudsstelle in
diesem Verein.
6. Das Innenministerium hat gemeinsam mit Interpol im heurigen Jahr
zwei Veranstaltungen organisiert. Im März 2013 fand unter Teilnahme
von nationalen und internationalen Experten von Justiz- und
Ermittlungsbehörden sowie Experten aus dem Bereich Sport ein Workshop
statt, bei dem die globale Problematik des Wettbetrugs aus dem
Blickwinkel der Prävention analysiert wurde.
Gemeinsam mit Interpol entwickelte das BMI ein Trainingsprogramm, das
erstmals in Österreich unter Teilnahme von Ermittlern und
Staatsanwälten im September 2013 in Laxenburg präsentiert wurde.
Dieses wird von Interpol mittlerweile weltweit angeboten und wurde
bereits in Slowenien, Brasilien und Südafrika erfolgreich eingesetzt.
Das Innenministerium erarbeitet aus den Erfahrungen dieses
Trainingsprogramms ein Konzept, das dem ÖFB, der Bundesliga aber auch
anderen Sportverbänden zur Schulung von Funktionären, Trainern,
Athleten und Schiedsrichtern zur Verfügung gestellt werden wird.
7. Zur Kooperation mit allen involvierten Verbänden und dem Verein
zur Wahrung der Integrität im Sport, aber auch um eine zuständige
Stelle zur Informationsgewinnung, Aufklärung, Ermittlung und
Prävention im Bereich Wettbetrug einzurichten, wird ein Büro
"Integrität im Sport" im BMI eingerichtet.
Trotz der angeführten schon umgesetzten Maßnahmen sollen weitere
Initiativen zur Bekämpfung der Wettspielkriminalität erarbeitet
werden und Überschneidungen zu anderen Themen, die die Integrität des
Sports verletzten, überprüft werden. Neben dem ÖFB und der Bundesliga
werden dabei auch andere Akteure, wie das Österreichische Olympische
Komitee, die Österreichische Bundes-Sportorganisation sowie Vertreter
des Justizministeriums, der Länder, des Buchmacherverbandes, der
Lotterien, nationaler und internationaler Medien einbezogen werden.
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