- 10.12.2013, 10:30:34
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Allianz Studie zur Eurozone: Österreichs Wirtschaft auf Platz 3
Wien (OTS) - 2013 haben sich neun von 17 Mitgliedstaaten der Eurozone
gegenüber dem Vorjahr in ihrer Gesamtbewertung verbessert, wie die
Ergebnisse des aktuellen "Allianz Euro Monitor" zeigen. Österreich
verlor zwar im Vergleich zum Vorjahr einen Platz, konnte seine
Bewertungen aber größtenteils verbessern. Auch wenn europaweit
Arbeitslosigkeit und Binnennachfrage weiterhin besorgniserregend
bleiben: Für 2014 sieht die Allianz Chancen für eine positive
Fortsetzung des Reformpfades.
"Österreich kann sich im Vergleich zu den anderen Euroländern gut
behaupten. Um sich nachhaltig zu verbessern, müssten vor allem beim
Pensionssystem weitere Reformschritte konsequent angegangen werden",
kommentiert Dr. Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz
Gruppe in Österreich, die Ergebnisse der aktuellen Allianz Studie.
Bewertung von neun Euroländern verbessert sich
Der "Allianz Euro Monitor" misst die makroökonomischen
Ungleichgewichte in der Eurozone. Dabei bekommen Staaten in jedem der
15 einzelnen Indikatoren einen Wert zwischen 1 und 10 zugewiesen - je
höher der Wert, desto besser die Performance. Erneut erreicht kein
einziges Land eine Bewertung von 8 und mehr, was als eine ausgewogene
Entwicklung in der Breite anzusehen wäre. Neun von 17
Euroraum-Ländern ist es gelungen, 2013 ihre Bewertung im Vergleich zu
2012 zu verbessern. Besonders erfreulich ist, dass dies auch für die
bisherigen Programmländer gilt - mit Ausnahme von Zypern. An der
Spitze liegt nach wie vor Deutschland (7,7) vor Estland (7,2) und
Österreich (7,1). Schlusslicht ist Zypern, das einen Indikatorwert
von 2,7 aufweist.
Österreich: Niedrigste Arbeitslosenquote und geringste
Privatverschuldung
Wirft man einen Blick auf einzelne Indikatoren der Studie, so
zeigt sich, dass Österreich im internationalen Vergleich gut
abschneidet: Mit einer Gesamtbewertung von 7,1 Punkten liegt
Österreich auf dem dritten Platz und gehört damit zu den wenigen
Kernländern des Euroraums, deren Gesamtindikator sich gegenüber 2012
verbessert hat (+0,2 Punkte). In der Kategorie "Solidität der
Staatsfinanzen" belegt Österreich den fünften Platz. Dank der leicht
rückläufigen Zinslast, gemessen am Staatshaushalt, dürfte das Land
seine finanzpolitische Robustheit gegenüber dem Vorjahr verbessern.
Dagegen stellen zukünftige Ausgaben für Pensionen und Gesundheit in
der langen Frist eine Belastung für den österreichischen
Staatshaushalt dar und verdeutlichen die Notwendigkeit weiterer
Reformschritte im staatlichen Pensionssystem. Österreich hält seine
Spitzenposition bei der Wettbewerbsfähigkeit (erneut zweiter Platz):
Die Lohnstückkosten entwickeln sich moderat und die Leistungsbilanz
verzeichnet einen Überschuss. Österreich gehört zu den EWU-Ländern
mit einer vergleichsweise robusten Situation am Arbeitsmarkt (dritter
Platz), die Arbeitslosenquote weist trotz Anstieg erneut den
niedrigsten Wert im Euroraum auf und die Erwerbstätigenquote dürfte
im Fünfjahresvergleich ein leichtes Plus verzeichnen. Einen
Schwachpunkt stellt dagegen die im Durchschnitt der letzten fünf
Jahre rückläufige Arbeitsproduktivität dar. Österreichs beste
Ergebnisse finden sich in der Kategorie "Private und
außenwirtschaftliche Verschuldung" (Bewertung von 8,3 Punkten).
Programmländer holen auf
Wirft man einen Blick auf die gesamte Eurozone, so zeigen die
Ergebnisse für 2013 weitere Fortschritte, wie Dr. Michael Heise,
Chefvolkswirt der Allianz SE, erklärt: "Trotz abklingender
Euro-Schuldenkrise ist es jetzt wesentlich, das erforderliche
Reformmomentum, auch in den Kernländern, aufrechtzuerhalten.
Ermutigend ist die Tatsache, dass es allen Programmländern mit
Ausnahme Zyperns gelungen ist, ihre Bewertung 2013 zu verbessern.
Aber die Wegstrecke ist noch lang. Bei zunehmender Konjunkturdynamik
in der Eurozone 2014, werden die Früchte der Reformen sichtbarer."
Allerdings überlagert die konjunkturelle Schwäche, die auch 2013
in vielen EWU-Ländern vorherrschte, eine deutlichere Sichtbarkeit der
Reformanstrengungen. Negative konjunkturelle Entwicklungen
beeinflussen nach wie vor Indikatoren wie beispielsweise das
Staatsdefizit, die Lohnstückkosten, die Binnennachfrage und die
Arbeitsproduktivität. Dennoch kann die wirtschaftliche Schwäche nicht
als generelles Argument dienen, dass sich die Bewertung in fünf
Ländern nochmals verschlechtert hat und in zwei Ländern auf relativ
niedrigem Niveau stagniert ist. Neben Zypern ist in diesem
Zusammenhang vor allem die Entwicklung in Slowenien und Italien und
sogar in den Niederlanden bedenklich. Wenig überrascht, dass Länder
mit einem sehr schlechten Indikatorwert das größte Potenzial für
Verbesserungen haben. So konnten sich Portugal von einem Wert von 3,8
im Jahr 2012 auf einen Wert von 4,6 im Jahr 2013 und Griechenland von
3,6 auf 4,4 steigern.
Besorgniserregend: Indikatoren zur Arbeitslosigkeit und
Binnennachfrage
Die beiden Indikatoren mit den besorgniserregendsten Werten sind
nach wie vor die Arbeitslosigkeit und die Binnennachfrage. In einer
Reihe von EWU-Ländern hat sich die Beschäftigungssituation im Zuge
der Schuldenkrise merklich eingetrübt. Die Spreizung im Hinblick auf
die Arbeitsmarktsituation ist groß, nur Deutschland, Österreich,
Luxemburg und Malta weisen eine gute Bewertung auf. Bei der
Entwicklung der Binnennachfrage konnte kein einziges Land eine gute
Bewertung von 8 oder mehr erreichen. Sieben von siebzehn Ländern
mussten bei beiden Indikatoren die schlechteste Bewertung mit 1
hinnehmen, darunter auch Spanien, Italien und die Slowakei. Dank der
in einer Vielzahl von Mitgliedsländern durchgeführten
Pensionsreformen haben sich die Aussichten für die implizite
Staatsverschuldung aufgehellt. Der von der EU-Kommission
veröffentlichte Anpassungsbedarf des strukturellen Primärsaldos
infolge demografischer Alterung ist im Euroraum als Ganzes deutlich
gesunken.
Der Indikator mit den besten Resultaten ist inzwischen die
Leistungsbilanz. Zwölf von 17 Ländern verfügen über einen Überschuss
oder eine ausgeglichene Bilanz. Lediglich noch fünf Länder -
Frankreich, Finnland, Estland, Griechenland und Zypern - weisen ein
leichtes Leistungsbilanzdefizit von 1 bis 2 Prozent gemessen am BIP
aus. Dabei ist aber darauf hinzuweisen, dass der Indikator
Leistungsbilanz in Verbindung mit dem Indikator Binnennachfrage zu
sehen ist. Auf diese Weise erhält ein Land, das infolge einer
schwachen Binnennachfrage eine ausgeglichene außenwirtschaftliche
Bilanz oder gar einen Überschuss erreicht hat, keine positive
Bewertung in dieser Kategorie. In engem Zusammenhang mit den
verbesserten Leistungsbilanzen steht die Stabilisierung bei der
privaten Verschuldung. Bei der Entwicklung der Schuldenstandsquoten
der privaten Haushalte und der nichtfinanziellen Unternehmen sowie
der Verbindlichkeiten der finanziellen Unternehmen haben sich bei
vielen EWU-Ländern 2013 im Vergleich zu 2012 Verbesserungen der
Indikatorwerte ergeben, Verschlechterungen treten so gut wie keine
auf. "Dieser Prozess des Schuldenabbaus wird sich allerdings
voraussichtlich noch Jahre hinziehen und eine schwache
Kreditnachfrage nach sich ziehen", so Heise abschließend.
Über den Euro Monitor
Der Allianz Euro Monitor ist ein makroökonomisches Monitoring- und
Frühwarnsystem zur Identifizierung bestehender und neu entstehender
Ungleichgewichte. Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf den Risiken,
die von einem unausgewogenen Wachstum ausgehen. Der Euro Monitor
bewertet die 17 Länder der Eurozone und stellt eine Rangliste auf.
Die Platzierung hängt von dem Beitrag ab, den das jeweilige Land zu
einem Wachstum ohne makroökonomische Ungleichgewichte und damit zur
Stabilität des Euroraums insgesamt leistet. Die Publikation gibt
einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation in allen
Ländern der Eurozone. Die Rangliste ergibt sich aus 15 Indikatoren in
den vier Schlüsselkategorien "Solidität der Staatsfinanzen",
"Wettbewerbsfähigkeit und Inlandsnachfrage", "Beschäftigung,
Produktivität und Ressourceneffizienz" und "Private Verschuldung und
Auslandsvermögensposition." Staaten bekommen in jedem der 15
einzelnen Indikatoren einen Wert zwischen 1 und 10 zugewiesen - je
höher der Wert, desto besser die Performance.
Downloads im Internet unter
http://www.ots.at/redirect/media_newsroom2
- Foto: Dr. Wolfram Littich ((C) Allianz) - Abdruck honorarfrei
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