- 09.12.2013, 10:15:44
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Banken müssen sich warm anziehen - von Christian Kreuzer
Die EZB wird die österreichischen Banken in die Mangel nehmen
Utl.: Die EZB wird die österreichischen Banken in die Mangel nehmen =
Wien (OTS) - Nervös sind die heimischen Banker wegen des
bevorstehenden Bilanz-Checks der EZB im Frühjahr 2014. Das ist kein
Wunder, ist die Prüfung doch auch für die Kreditinstitute Neuland.
Zwar hat die Europäische Bankenaufsicht (EBA) Banken wie die Erste
Group und RZB in der Vergangenheit schon durchleuchtet, allerdings
war die Aussagekraft dieser Prüfung - diplomatisch gesagt - eher
dürftig. Außerdem waren die großen Raiffeisen Landesbanken in
Oberösterreich und Niederösterreich-Wien damals noch nicht mit an
Bord.
Der große Unterschied zur EBA wird sein, dass sich die EZB nicht mehr
auf die lokale Aufsicht verlässt, sondern mit eigenen Prüfern in die
Banken einmarschiert. Und da wird so mancher Spielraum, den es bisher
gegeben hat, sicher nicht mehr möglich sein. Denn die EZB steht
selbst unter gehörigem Druck. Prüft sie zu lax und kommt etwa eine
Bank ein paar Monate nach dem Bilanz-Check in Schieflage, dann ist
die Reputation der Zentralbank mit einem Schlag dahin.
Das heißt, die Banken müssen sich warm anziehen - und das tun sie
bereits. Die Kreditqualität wird noch einmal unter die Lupe genommen,
zusätzliche Vorsorgen, wenn nötig wie etwa bei der Raiffeisen Bank
International, werden gebildet.
Gleichzeitig versuchen sie auch, ihre Bilanzsumme zu verkleinern.
Immerhin sitzen die österreichischen Großbanken, die sich dem Test
unterziehen müssen, auf faulen Krediten in Höhe von rund 35
Milliarden Euro (siehe Seite 2). Das sind rund elf Prozent der
heimischen Wirtschaftsleistung.
Das klingt viel, ist es auch. Dabei darf aber nicht vergessen werden,
dass diese Milliardensumme nicht zur Gänze schlagend wird, weil die
Institute teils Sicherheiten von den Kreditnehmern haben und
natürlich auch mit Rückstellungen schon vorgesorgt haben.
Kommt es wider Erwarten durch den EZB-Check zu einer bösen
Überraschung in Österreich, dann ist die Frage noch nicht geklärt,
wer eigentlich das Kapital aufbringen soll.
Ist die Summe überschaubar, werden die Institute den Bedarf
höchstwahrscheinlich selbst stemmen können. Übersteigt er jedoch die
eigenen Kapazitäten und jene des jeweiligen Sektors, dann bleibt
wieder einmal nur mehr der Steuerzahler als Retter in letzter Not
übrig. Angesichts des Milliardengrabs Hypo Alpe Adria bleibt zu
hoffen, dass es zu keinen Überraschungen kommen wird.
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