- 06.12.2013, 21:00:33
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Neues Volksblatt: "Zu wenige Mandelas" von Manfred MAURER
Ausgabe vom 7. Dezember 2013
Utl.: Ausgabe vom 7. Dezember 2013 =
Linz (OTS) - Selten ist die in Nachrufen übliche Verwendung von
Superlativen des Guten so angemessen wie in diesem Fall. Mit Nelson
Mandela hat in der Tat ein ganz Großer diese Welt verlassen. Einer,
der wie wenige andere seinen Friedensnobelpreis unter größten
persönlichen Opfern redlichst verdient hat. Einer, der viel Grund zu
Verbitterung und Hass gehabt hätte, aber nach einer Phase der
Militanz den Weg der Versöhnung beschritten und sein Land friedlich
vom Joch der Apartheid befreit hat.
Nelson Mandela hinterlässt eine Lücke. Auch diese nachrufende
Plattitüde passt in diesem Fall perfekt. Leider stimmt sie aber auch
zu hundert Prozent. Denn der Vater des südafrikanischen Friedenswerks
hinterlässt tatsächlich keine würdigen politischen Erben. Auf dem
leidgeprüften schwarzen Kontinent hat er zwar viele Bewunderer, aber
keine Nachahmer gefunden. Im benachbarten Namibia herrscht mit dem
altersstarren Despoten Robert Mugabe ein Anti-Mandela. In vielen
afrikanischen Staaten ist Mandela nur eine Ikone der postkolonialen
Befreiungsk(r)äm-
pfe, aber eben nicht deren Inspirator. Ethnischer und religiöser Hass
dominiert diesen Kontinent, der deshalb keine Chance auf eine seinem
eigentlichen Reichtum entsprechende Zukunft hat, weil nicht zutrifft,
was die ANC-Führer in ihrem Nachruf formuliert haben: "Er lebt in
jedem von Euch weiter." Nein, Mandela ist tot. Und es mangelt an
Herzen, in denen sein Geist überleben könnte.
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