- 06.12.2013, 13:39:36
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Mediengipfel Lech 2013 präsentiert ad-hoc Befragung: JournalistInnen bewerten die geplante Fortsetzung der großen Koalition negativ

Lech/Innsbruck (TP/OTS) - Im Rahmen des internationalen Mediengipfels
am Arlberg wurden Freitagvormittag die Ergebnisse einer
ad-hoc-Befragung vorgestellt, an der über 180 KorrespondentInnen und
JournalistInnen, die im Verband der Auslandspresse in Österreich und
im Presseclub Concordia organisiert sind, teilgenommen haben. Befragt
wurden die MedienvertreterInnen zu aktuellen politischen
Fragestellungen in Österreich und Europa bzw. zu den
Rahmenbedingungen im heimischen Journalismus. Im Anschluss
diskutierten MedienexpertInnen zur wirtschaftlichen Zukunft der
Branche.
In den vergangenen Wochen wurde die ad-hoc-Online-Befragung vom
Meinungsforschungsinstitut SOFFI durchgeführt, dazu eingeladen wurden
etwa 650 MedienvertreterInnen, die im Verband der Auslandspresse in
Österreich bzw. im Presseclub Concordia vertreten sind.
"Die Aktivierung der Mitglieder über Concordia und den
Auslandspresseclub war ausgesprochen erfolgreich: Beachtliche 27
Prozent der JournalistInnen meldeten sich spontan zur ad-hoc
Befragung und zeichnen somit ein durchaus repräsentatives
Stimmungsbild zu aktuellen politischen Themen in Europa, Österreich
sowie zu Entwicklungen im eigenen Berufsumfeld - dem Journalismus in
Österreich", betont Dr. Gerhard Wagner, wissenschaftlicher Leiter des
SOFFI-Instituts.
Große Koalition wird als "eher negativ" für Österreich gesehen
Vor dem Hintergrund der Nationalratswahl 2013 bewerten die
JournalistInnen die anstehende Legislaturperiode kritisch. Knapp 60%
erwarten keine wesentlichen Impulse für eine Entwicklung der
politischen Kultur. Die in Aussicht stehende große Koalition wird mit
viel Skepsis betrachtet. Für 65% der Befragten ist die Fortsetzung
dieser Regierungsvariante "eher negativ" für Österreich.
Entscheidende Reformen werden mit 51% am ehesten im Bildungsbereich
erwartet, am wenigsten glaubt man an Impulse im Bereich der
Verfassungsreform. Das Bild von Österreich im Ausland wird
mehrheitlich als stabil gewertet, rund 52% sehen hier keine
wesentlichen Veränderungen in den vergangenen Jahren.
Knapp die Hälfte glaubt, dass sich Arbeitslosigkeit in Europa
weiter verschärfen wird
Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation in Europa zeigt sich
ein mehrheitlich optimistisches Bild. 55% der MedienvertreterInnen in
Österreich glauben an eine wirtschaftliche Konsolidierung, wobei
gleichzeitig 47% der Befragten die Ansicht vertreten, dass sich das
Problem der Arbeitslosigkeit in der EU weiter verschärfen wird. Nur
14% sehen in diesem Bereich eine mögliche Entspannung.
Über 60% erwarten künftig schlechtere Rahmenbedingungen für
Qualitätsjournalismus
Die Qualität der heimischen politischen Berichterstattung wird von
den JournalistInnen selbst kritisch analysiert. Rund 48% geben den
PolitikjournalistInnen in ihrer Rolle als Kontrollinstanz das
Prädikat "mittelmäßig". Mit den aktuellen Arbeitsbedingungen zeigen
sich die in Österreich stationierten AuslandskorrespondentInnen bzw.
österreichischen JournalistInnen mit über 60% mehrheitlich "sehr
zufrieden" bzw. "zufrieden". In die Zukunft projiziert erwarten aber
61% der JournalistInnen eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen
für Qualitätsjournalismus. Folgerichtig glaubt auch die Mehrheit
(52%), dass angesichts der wirtschaftlichen Krise von Leitmedien, die
Qualität des politischen Journalismus leiden werde.
Auslaufmodell Journalismus?
Im Anschluss an die Studienpräsentation diskutierten unter der
Leitung von Astrid Zimmermann (Presseclub Concordia)
MedienexpertInnen zur Zukunft der Branche. Josef Propst, ehemaliger
Verlagsgeschäftsführer bei der Axel Springer AG, sieht den
Journalismus in der Zwickmühle: "Wir leben im Spannungsfeld zwischen
publizistischem Anspruch und wirtschaftlicher Realität." Das
Geschäftsmodell Tageszeitung sei im Begriff zu zerbrechen. Dem
Abgesang widerspricht NZZ-Chefredakteur Markus Spillmann: "Die
Antwort ist, guten Journalismus zu machen, egal auf welchem
Trägermedium." Der Schweizer ist überzeugt, dass man mit Journalismus
Geld verdienen kann, während Propst sagt, dass es nie der
Journalismus war, der den Verlagen Geld gebracht habe, sondern der
Marktplatz Zeitung.
Publizist Michael Fleischhacker warnt wiederum vor vermeintlich
einfachen Lösungen: "Es reicht nicht, einfach nur das Printprodukt
online zu stellen." Er glaubt nicht, dass eine Vergebührung der
bestehenden Onlineangebote der Verlage funktionieren wird. Daniela
Kraus, Co-Herausgeberin der Studie Journalistenreport IV, plädiert
dafür, in die Zukunft zu blicken: "Wir müssen nicht über die Rettung
des alten Geschäftsmodells reden, sondern über die Möglichkeiten
neuer Modelle." Die vermeintliche Krise des Journalismus bezeichnet
sie als Auseinanderbrechen eines Geschäftsmodells des 19. und
ausgehenden 20. Jahrhunderts. Das Fazit der Diskussion: Die Branche
wird auch weiterhin vorrangig mit sich selbst beschäftigt sein. Ob es
für die einzelnen Player gut ausgehen wird, darüber entscheide
letztlich ihre Bereitschaft, Journalismus neu zu denken.
Die Videodokumentation des Eröffnungsabends produziert von
Sophie-Kristin Hausberger und Viktoria Waldegger:
http://youtu.be/l43Wwq_nhm0
Der Mediengipfel am Arlberg hat sich in den sieben Jahren seines
Bestehens zu einem europäischen Forum entwickelt, das alljährlich
ganz bewusst in einem exklusiven Kreis von rund 100 Teilnehmern
organisiert und abgehalten wird. Der Mediengipfel, der von der
Kommunikationsagentur pro.media kommunikation 2007 initiiert wurde,
wird neben der Lech Zürs Tourismus GmbH vor allem von der d.
swarovski tourism services gmbh, dem Sechs-Sterne Chalet N in
Oberlech, sowie von Medienpartnern, wie dem Verband der
Auslandspresse in Österreich und Deutschland, ORF, APA - Austria
Presse Agentur, na news-aktuell, Der Standard, NZZ-Neue Zürcher
Zeitung, Presseclub Concordia und Vorarlberger Medienhaus, sowie dem
Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten getragen. Partner
des diesjährigen Mediengipfel sind darüber hinaus Intersky, ÖHV -
Österreichische Hoteliervereinigung, Mercedes Benz, Gemeinde Lech und
das Land Vorarlberg.
Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/4826
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