- 05.12.2013, 09:01:11
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Belvedere Werkverzeichnisse (Band 3): Die Gemälde von Hans Makart
Wien (OTS) - Die Aktualisierung des bestehenden Werkkatalogs von Hans
Makart, dessen immense Bedeutung in der österreichischen
Kunstgeschichte heute unbestritten ist, war eines der ersten Projekte
des 2010 neu gegründeten Instituts für die Erstellung von
Werkverzeichnissen im Belvedere Research Center. Für dieses Projekt
konnte der renommierte Makart-Forscher und ehemalige Direktor des
Belvedere (1992-2006) Gerbert Frodl gewonnen werden. Frodl hatte
bereits im Jahr 1974 das erste, für vier Jahrzehnte maßgebliche
Werkverzeichnis zu Makart vorgelegt und damit wertvollste
Pionierarbeit geleistet. Jedoch veränderte sich das Verständnis der
Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den letzten 40
Jahren wesentlich. So wurden Vorbehalte gegen den Akademismus jener
Zeit, zu dessen Vertretern heute neben hoch angesehenen
internationalen Künstlern wie Anselm Feuerbach,Frederic Leighton oder
William Adolphe Bouguereau auch die Österreicher Hans Canon und Hans
Makart zählen, durch eine Neubewertung vor allem während der letzten
beiden Jahrzehnte relativiert.
Makart, eine treibende Kraft in der Entwicklung der Wiener Kunst
seiner Zeit, nimmt eine zentrale Mittlerposition zwischen dem
Historismus und der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum
Fin de Siècle ein. Die breite Popularität, die er insbesondere durch
seine monumentalen Sensationsbilder wie Venedig huldigt Caterina
Cornaro oder Der Einzug Karls V. in Antwerpen erlangte, und die damit
verbundene weitgehende finanzielle Unabhängigkeit verhalfen ihm zu
einer freien künstlerischen Entfaltung. Diese neue Selbstständigkeit
des Künstlers wurde begleitet von einer Aufwertung der Farbe an sich:
Makarts sprichwörtlicher Farbenrausch steht stellvertretend für den
von ihm vollzogenen Wandel von der fest an Narratives gebundenen
Historienmalerei hin zu einer rein sensuellen Malerei. Dieser
physisch-haptische Einsatz der Farbe weist Makart als mächtigen
Vorboten der Moderne aus und lieferte den Secessionisten eine der
Grundlagen für ihr gesamtkunstwerkliches Denken und Schaffen.
Biografische Daten des Künstlers
Der am 28. Mai 1840 in Salzburg geborene Hans Makart bewies schon als
Schulkind sein großes malerisches Talent und erhielt seine Ausbildung
in der Malervorbereitungsklasse der Wiener Akademie der bildenden
Künste (1858) und der Malereiklasse von Carl Theodor von Piloty in
München (1860-1865). Schon die Werke des jungen Makart lösten heftige
Kontroversen aus (z. B. Moderne Amoretten, im Sommer 1868 im Münchner
Kunstverein ausgestellt, Die Pest in Florenz, im Herbst 1868 ebendort
gezeigt). Makart war bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt und
wurde 1869 von Kaiser Franz Joseph I. an den Hof nach Wien berufen.
Hier beauftragte ihn 1871 der Kunstmäzen Nicolaus Dumba mit der
Ausstattung seines Arbeitszimmers in seinem Wohnpalais am Parkring
(Fertigstellung durch Makart 1873). 1878 erhielt Makart für sein
Gemälde Der Einzug Karls V. in Antwerpen auf der Pariser
Weltausstellung die große Médaille d'honneur der internationalen
Jury. 1879 übernahm er als Nachfolger von Anselm Feuerbach die
Professur für Historienmalerei an der Akademie der bildenden Künste
in Wien. Auch wurde ihm die künstlerische Leitung der Gestaltung des
Festzugs auf der Wiener Ringstraße anlässlich der silbernen Hochzeit
des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth übertragen. Die
fulminante Parade ging als Makart-Festzug in die Geschichte ein. Im
Jahr 1884 starb Makart an Syphilis. Makart unternahm im Laufe seines
Lebens zahlreiche Reisen, bei denen er viele Anregungen für sein
Schaffen erfuhr (1863, 1864, 1866 Italien; 1867 Weltausstellung
Paris; 1871 Venedig; 1875 Ägypten - Entstehung zahlreicher
Ägyptenbilder; 1877 Spanien, Marokko). Mitgliedschaften: 1871
ordentliches Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler Wiens;
1874 Ernennung zum auswärtigen ordentlichen Mitglied der Königlichen
Akademie in Berlin; 1881 Präsident der Genossenschaft bildender
Künstler Wiens - Künstlerhaus.
Die Belvedere Werkverzeichnisse
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Oeuvres österreichischer
Künstlerinnen und Künstler ist im Belvedere seit Jahren ein wichtiger
Forschungsschwerpunkt innerhalb der zentralen Aufgabengebiete des
Museums. Erst die Aufarbeitung des Gesamtwerks einer Künstlerin,
eines Künstlers ermöglicht die umfassende Analyse seiner oder ihrer
kunsthistorischen Bedeutung im zeitlichen Zusammenhang. Um diese
Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, wurde unter der Direktion von Agnes
Husslein-Arco im Research Center des Belvedere das Institut für die
Erstellung von Werkverzeichnissen eingerichtet, das unter
Einbeziehung hausinterner Experten sowie unabhängiger Fachleute
gezielt an der Erfassung des gesamten Schaffens zentraler
Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Kunst vom Barock
bis zur Gegenwart arbeitet. "Seit der Gründung des Instituts für die
Erstellung von Werkverzeichnissen am Belvedere ist es uns gelungen,
ein langfristiges Konzept zur Dokumentation des Schaffens bedeutender
österreichischer Künstlerinnen und Künstler zu realisieren. Dies
ermöglicht nicht nur eine wissenschaftliche Aufarbeitung bzw. eine
kunsthistorische Analyse, sondern dient auch der Aufwertung und
Neupositionierung im internationalen Kontext", so Agnes
Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere. Aktuell werden parallel 13
Werkverzeichnisse erstellt, die in den kommenden Jahren erscheinen
werden. Die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation des
Schaffens wichtiger Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen
Kunst setzt so neue Standards in der Erforschung der österreichischen
Kunstgeschichte. In der Reihe Belvedere Werkverzeichnisse bereits
erschienen sind Josef Danhauser. Biedermeierzeit im Bild (Sabine
Grabner; Band 1) und Carry Hauser. Monografie und Werkverzeichnis
(Cornelia Cabuk; Band 2).
Bibliografische Daten
Hans Makart. Werkverzeichnis der Gemälde
Belvedere Werkverzeichnisse, Band 3
Hg.: Agnes Husslein-Arco
Autor: Gerbert Frodl
Bibliothek der Provinz, Weitra
376 Seiten, Euro 59,-
ISBN: 978-3-99028-194-9
Die Durchführung der zahlreichen Projekte des Instituts für die
Erstellung von Werkverzeichnissen wird durch die großzügige
Unterstützung des Dorotheum ermöglicht.
Presseunterlagen und hoch aufgelöstes Bildmaterial sowie ein PDF des
Werkverzeichnisses stehen unter folgendem Link zur Verfügung:
www.belvedere.at/presse
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