Belvedere Werkverzeichnisse (Band 3): Die Gemälde von Hans Makart

Wien (OTS) - Die Aktualisierung des bestehenden Werkkatalogs von Hans Makart, dessen immense Bedeutung in der österreichischen Kunstgeschichte heute unbestritten ist, war eines der ersten Projekte des 2010 neu gegründeten Instituts für die Erstellung von Werkverzeichnissen im Belvedere Research Center. Für dieses Projekt konnte der renommierte Makart-Forscher und ehemalige Direktor des Belvedere (1992-2006) Gerbert Frodl gewonnen werden. Frodl hatte bereits im Jahr 1974 das erste, für vier Jahrzehnte maßgebliche Werkverzeichnis zu Makart vorgelegt und damit wertvollste Pionierarbeit geleistet. Jedoch veränderte sich das Verständnis der Kunst der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den letzten 40 Jahren wesentlich. So wurden Vorbehalte gegen den Akademismus jener Zeit, zu dessen Vertretern heute neben hoch angesehenen internationalen Künstlern wie Anselm Feuerbach,Frederic Leighton oder William Adolphe Bouguereau auch die Österreicher Hans Canon und Hans Makart zählen, durch eine Neubewertung vor allem während der letzten beiden Jahrzehnte relativiert.

Makart, eine treibende Kraft in der Entwicklung der Wiener Kunst seiner Zeit, nimmt eine zentrale Mittlerposition zwischen dem Historismus und der Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis zum Fin de Siècle ein. Die breite Popularität, die er insbesondere durch seine monumentalen Sensationsbilder wie Venedig huldigt Caterina Cornaro oder Der Einzug Karls V. in Antwerpen erlangte, und die damit verbundene weitgehende finanzielle Unabhängigkeit verhalfen ihm zu einer freien künstlerischen Entfaltung. Diese neue Selbstständigkeit des Künstlers wurde begleitet von einer Aufwertung der Farbe an sich:
Makarts sprichwörtlicher Farbenrausch steht stellvertretend für den von ihm vollzogenen Wandel von der fest an Narratives gebundenen Historienmalerei hin zu einer rein sensuellen Malerei. Dieser physisch-haptische Einsatz der Farbe weist Makart als mächtigen Vorboten der Moderne aus und lieferte den Secessionisten eine der Grundlagen für ihr gesamtkunstwerkliches Denken und Schaffen.

Biografische Daten des Künstlers

Der am 28. Mai 1840 in Salzburg geborene Hans Makart bewies schon als Schulkind sein großes malerisches Talent und erhielt seine Ausbildung in der Malervorbereitungsklasse der Wiener Akademie der bildenden Künste (1858) und der Malereiklasse von Carl Theodor von Piloty in München (1860-1865). Schon die Werke des jungen Makart lösten heftige Kontroversen aus (z. B. Moderne Amoretten, im Sommer 1868 im Münchner Kunstverein ausgestellt, Die Pest in Florenz, im Herbst 1868 ebendort gezeigt). Makart war bald über die Landesgrenzen hinaus bekannt und wurde 1869 von Kaiser Franz Joseph I. an den Hof nach Wien berufen. Hier beauftragte ihn 1871 der Kunstmäzen Nicolaus Dumba mit der Ausstattung seines Arbeitszimmers in seinem Wohnpalais am Parkring (Fertigstellung durch Makart 1873). 1878 erhielt Makart für sein Gemälde Der Einzug Karls V. in Antwerpen auf der Pariser Weltausstellung die große Médaille d'honneur der internationalen Jury. 1879 übernahm er als Nachfolger von Anselm Feuerbach die Professur für Historienmalerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Auch wurde ihm die künstlerische Leitung der Gestaltung des Festzugs auf der Wiener Ringstraße anlässlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth übertragen. Die fulminante Parade ging als Makart-Festzug in die Geschichte ein. Im Jahr 1884 starb Makart an Syphilis. Makart unternahm im Laufe seines Lebens zahlreiche Reisen, bei denen er viele Anregungen für sein Schaffen erfuhr (1863, 1864, 1866 Italien; 1867 Weltausstellung Paris; 1871 Venedig; 1875 Ägypten - Entstehung zahlreicher Ägyptenbilder; 1877 Spanien, Marokko). Mitgliedschaften: 1871 ordentliches Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler Wiens; 1874 Ernennung zum auswärtigen ordentlichen Mitglied der Königlichen Akademie in Berlin; 1881 Präsident der Genossenschaft bildender Künstler Wiens - Künstlerhaus.

Die Belvedere Werkverzeichnisse

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Oeuvres österreichischer Künstlerinnen und Künstler ist im Belvedere seit Jahren ein wichtiger Forschungsschwerpunkt innerhalb der zentralen Aufgabengebiete des Museums. Erst die Aufarbeitung des Gesamtwerks einer Künstlerin, eines Künstlers ermöglicht die umfassende Analyse seiner oder ihrer kunsthistorischen Bedeutung im zeitlichen Zusammenhang. Um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, wurde unter der Direktion von Agnes Husslein-Arco im Research Center des Belvedere das Institut für die Erstellung von Werkverzeichnissen eingerichtet, das unter Einbeziehung hausinterner Experten sowie unabhängiger Fachleute gezielt an der Erfassung des gesamten Schaffens zentraler Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Kunst vom Barock bis zur Gegenwart arbeitet. "Seit der Gründung des Instituts für die Erstellung von Werkverzeichnissen am Belvedere ist es uns gelungen, ein langfristiges Konzept zur Dokumentation des Schaffens bedeutender österreichischer Künstlerinnen und Künstler zu realisieren. Dies ermöglicht nicht nur eine wissenschaftliche Aufarbeitung bzw. eine kunsthistorische Analyse, sondern dient auch der Aufwertung und Neupositionierung im internationalen Kontext", so Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere. Aktuell werden parallel 13 Werkverzeichnisse erstellt, die in den kommenden Jahren erscheinen werden. Die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation des Schaffens wichtiger Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Kunst setzt so neue Standards in der Erforschung der österreichischen Kunstgeschichte. In der Reihe Belvedere Werkverzeichnisse bereits erschienen sind Josef Danhauser. Biedermeierzeit im Bild (Sabine Grabner; Band 1) und Carry Hauser. Monografie und Werkverzeichnis (Cornelia Cabuk; Band 2).

Bibliografische Daten

Hans Makart. Werkverzeichnis der Gemälde
Belvedere Werkverzeichnisse, Band 3
Hg.: Agnes Husslein-Arco
Autor: Gerbert Frodl
Bibliothek der Provinz, Weitra
376 Seiten, Euro 59,-
ISBN: 978-3-99028-194-9

Die Durchführung der zahlreichen Projekte des Instituts für die Erstellung von Werkverzeichnissen wird durch die großzügige Unterstützung des Dorotheum ermöglicht.

Presseunterlagen und hoch aufgelöstes Bildmaterial sowie ein PDF des Werkverzeichnisses stehen unter folgendem Link zur Verfügung:
www.belvedere.at/presse

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