• 04.12.2013, 18:25:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir brauchen Politik - ganz real - von Herbert Geyer

Das Waffenarsenal im Schrank ist schon gut - es einzusetzen nicht

Utl.: Das Waffenarsenal im Schrank ist schon gut - es einzusetzen
nicht =

Wien (OTS) - Schon die jüngste Zinssenkung der Europäischen
Zentralbank (EZB) vor einem Monat kam ziemlich überraschend. Auch vor
der heutigen EZB-Sitzung rechnet niemand ernsthaft damit, dass die
Zinsen nochmals gesenkt werden - geschweige denn, dass die Europäer
das von Doch-nicht-Fed-Chef Larry Summers propagierte Experiment
negativer Zinsen(siehe S. 18) tatsächlich wagen.

Dass die EZB dieses ganze Waffenarsenal - bis hin zu neuerlichen
Langfristkrediten an die Banken oder massenhaften Anleihenaufkäufen
nach Vorbild der Fed oder der Bank of Japan - im Schrank hat, ist
schon gut, schon allein für den Fall, dass die Märkte wieder einmal
verrückt spielen (wie 2011/12 bei den Staatsanleihen). Als
Notmaßnahme sind glaubwürdige und unlimitierte Geldspritzen ein gutes
Mittel, wieder Ruhe zu schaffen.

Ansonsten sollte die Geldpolitik schön langsam wieder in den
Hintergrund zurücktreten, wo sie auch hingehört. Geldpolitik kann
Anstöße geben, kann Hilfestellung leisten - sie kann aber weder
dauerhaft Konjunktur stabilisieren noch gar Staatshaushalte sanieren
oder strukturelle Fehlentwicklungen ausgleichen.

Zumal das billige Geld ja offenbar keinerlei Wirkung mehr entfaltet:
Wenn nach fünf Jahren Nullzinspolitik und jährlichen
Frischgeldspritzen der Fed in Höhe von sechs Prozent des US-BIP die
Inflation nicht steigt, sondern sogar sinkt, dann zeigt das, dass das
viele billige Geld nicht in der Realwirtschaft ankommt. Das billige
Geld haben die Banken in Staatsanleihen angelegt oder investieren es
in andere Anlageformen, in denen immer deutlichere Zeichen der
Blasenbildung auftauchen: eine Aktienrally trotz mauer Konjunktur,
steigende Immobilienpreise trotz schwacher End-Nachfrage.

Nicht noch mehr billiges Geld ist daher jetzt gefragt, sondern ein
paar Ideen, wie die Banken dazu gebracht werden, das bereits
vorhandene über Kredite an Wirtschaft und Konsumenten weiterzugeben.

Das billige Geld gibt auch den Regierungen eine Atempause, jene
Strukturreformen auf den Weg zu schicken, die in den kommenden Jahren
die zuletzt aufgehäuften Schuldenberge wieder einebnen - ohne
gleichzeitig auf Investitionen verzichten zu müssen, die der
Konjunktur den nötigen Kick geben könnten.

Was wir jetzt brauchen, ist nicht Geldpolitik, sondern Politik. Ganz
real.

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