• 03.12.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Gefühltes und Tatsächliches - von Oliver Jaindl

Skandale der letzten Jahre haben zu verstärkter Bewusstseinsbildung geführt

Utl.: Skandale der letzten Jahre haben zu verstärkter
Bewusstseinsbildung geführt =

Wien (OTS) - Die Tatsache, dass Österreich im Korruptionsindex von
Transparency abgerutscht ist, schockiert auf den ersten Blick. Jeder
Österreicher hat noch die Prozesse etwa rund um die Telekom oder all
die anderen skandalumwitterten Verschneidungen zwischen Politik und
Wirtschaft in guter Erinnerung. Als Zwischenergebnis lässt sich somit
festhalten: Österreich ist ein korruptes Land und es liegt viel im
Argen. Sei es in der Wirtschaft oder in der Politik -
Freunderlwirtschaft und offene Hände findet man überall.

Das kann man nun so, als Stammtischweisheit, stehen lassen oder mit
Fakten folgende Gegenposition wagen: Der Transparency-Index beruht
letztlich auf Umfragen. Hier wird sozusagen die gefühlte Korruption
abgefragt. Das ist ein wichtiger gesellschaftlicher Gradmesser -
somit ein Aspekt in der Diskussion um "die" Korruption als solche.

Dieser Index ist eine mühselig recherchierte und sicherlich wertvolle
Information. Aber: Er ist nicht der einzig wahre Gradmesser. Denn die
polizeiliche Anzeigenstatistik und auch die Verurteilungen zeigen,
dass sich die Zahl der "Amtsdelikte" (§§ 302 ff StGB) in den letzten
Jahren nicht wirklich stark geändert hat oder gar gestiegen ist. Eher
das Gegenteil ist der Fall. "Amtsdelikte" sind es, die das
strafgesetzliche Gegenüber des gesellschaftlichen Begriffs der
Korruption darstellen.

Gerade weil das Thema Korruption in Österreich seit ein paar Jahren
offen angesprochen wird und die Justiz hier bislang gute Arbeit
geleistet hat, muss man aber zur Erkenntnis kommen, dass das Problem
in Wirklichkeit geringer wird. Der Grund ist nämlich, dass all die
publik gewordenen Verfehlungen etwa bei der Telekom, der Buwog, der
Hypo Alpe Adria oder dem von Wien ausgehenden Vergabeskandal
unwiderlegbar zu einer Bewusstseinsbildung geführt haben.

Unternehmen haben sich Compliance-Codes verpasst, viele haben aus
Verfehlungen gelernt und sind bereits am Weg der Besserung.

Gerade weil über Korruption und die Vorbereitungstat
Freunderlwirtschaft heute viel offener gesprochen wird, entsteht der
Eindruck, dass das Problem größer geworden ist. Ist es nicht! Es wird
durch dieses Aufs-Tapet-Bringen kleiner, weil viel weniger im
Verborgenen abläuft. Daher darf das tatsächliche Ausmaß "der"
Korruption nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung derselben
verwechselt werden. Denn am meisten Korruption hat man nämlich dann,
wenn niemand mehr darüber spricht.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

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