- 02.12.2013, 18:29:06
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Advent, etwas anders"
Ausgabe vom 3. Dezember 2013
Utl.: Ausgabe vom 3. Dezember 2013 =
Wien (OTS) - "Es ist wirklich spannend zu sehen, wie Papst Franziskus
mit großen Schritten voranschreitet. Werden wir Schritt halten
können?", fragte Christoph Kardinal Schönborn vor einigen Tagen. Nun,
in manchen Bereichen ist die Kirche schneller, als Schönborns Aussage
vermuten lässt. In Kroatien etwa betätigte sich die katholische
Kirche unverhohlen als Unterstützer eines Volksbegehrens "gegen die
Homo-Ehe". Dass die Kirche damit einen tiefen Spalt in die kroatische
Gesellschaft reißt und eine Regierung sinnlos in Probleme stürzt,
nehmen deren Würdenträger offensichtlich in Kauf. Die wenig
segensreichen Hobby-Politiker in der Soutane gehen aber noch weiter.
Katholische Geistliche unterstützen offen kroatische Nationalisten
und den Plan, die kyrillische Schrift per Volksentscheid zu
verbieten. Es geht dabei klar gegen die (orthodoxe) serbische
Minderheit.
Wie sich das mit den Reformideen von Papst Franziskus verträgt, der
Freiheit vor Zwang und Einladung vor Kontrolle stellt, haben die
Bischöfe nicht beantwortet. Dass eine Kirche, die Hass und Zwietracht
unter Menschen sät, aber ihren Zweck verfehlt, gilt als sicher.
Doch nicht nur in Kroatien gefällt sich die katholische Kirche in
spiritueller Weltlichkeit. In Slowenien ist sie - in Gestalt der
Erzdiözese Marburg - ein riesiger Investmentfonds, der nicht nur sich
selbst an den Rand der Pleite brachte, sondern auch mehr als 60.000
Slowenen um ihr Erspartes zittern lässt. Dort hat der Papst
durchgegriffen und zwei Erzbischöfe abgesetzt. Ein Faktor in der
slowenischen Innenpolitik ist die Kirche nach wie vor.
Und noch etwas weiter im Norden, in Österreich, sieht sie mit
Wohlgefallen den Plan, die Sterbehilfe per Verfassungsgesetz zu
verbieten. Aktive Sterbehilfe ist derzeit schon verboten. Dies auch
noch in die Verfassung aufzunehmen, erscheint doch sehr dogmatisch.
Die vielen Missbrauchsopfer von Geistlichen müssen ihr Recht
jedenfalls weiterhin einfach-gesetzlich geltend machen, da war kein
Ruf nach einer Verfassungsbestimmung zu vernehmen.
Die katholische Kirche hätte viel zu tun, um gesellschaftliche Werte
wie Toleranz und Hilfsbereitschaft zu fördern. Papst Franziskus
fordert dies in klaren Worten. Doch viele Würdenträger in Europa
scheinen eher bemüht zu sein, ihren weltlichen Einfluss auszudehnen.
Ob die Ideen des Papstes damit Schritt halten?
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