- 29.11.2013, 11:17:00
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Smart City: Zwischen Vernetzung und Vorbehalten
Viele neue Anwendungen in der Pipeline - Aber noch kein gesellschaftlicher Konsens zum Umgang mit intelligenten Technologien

Utl.: Viele neue Anwendungen in der Pipeline - Aber noch kein
gesellschaftlicher Konsens zum Umgang mit intelligenten
Technologien =
Wien (OTS) - Die Vernetzung der kommunalen Infrastruktur soll zu
einem effizienteren Energieeinsatz, intelligenten Mobilitätsangeboten
und anderen smarten Services führen, die das tägliche Leben
erleichtern. Auf dem Weg dorthin gibt es aber noch einige Hindernisse
zu überwinden, erklärten Experten bei einer Podiumsdiskussion der
APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.
Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Spannungsfeld zwischen der
Risikoabschätzung beim Einsatz intelligenter Technologien und
übertriebenen Ängsten. "Vernetzte Systeme führen zu mehr
Sicherheitslücken und einem höheren Risiko. Außerdem haben
Zwischenfälle größere Auswirkungen", erklärte Thomas Bleier vom
Austrian Institute of Technology AIT. Damit einhergehende Ängste
könnten ein Hindernis für den Erfolg neuer Technologien darstellen.
Der Zeitraum, diese Ängste abzulegen, werde immer knapper. Beim
Auto habe es noch 50 Jahre gedauert bis eine Nutzerzahl von 50
Millionen erreicht war. So konnte eine Generation die nächste
entsprechend aufklären und vorbereiten. "Bei Social Media waren es
vergleichsweise nur mehr zwei Jahre", sagte Bleier. Der unbeschwerte
Einsatz von Technologie sei zwar gut, allerdings habe die
Gesellschaft teilweise noch keinen Konsens über den Umgang damit
gefunden.
Vernetzung statt Überwachung
Es gebe zwar berechtigte Ängste, diese seien aber in den
verschiedenen Bereichen sehr unterschiedlich ausgeprägt, so der
Wiener Planungsdirektor Thomas Madreiter. Während E-Banking breite
Akzeptanz finde, scheinen die Vorbehalte beim Elektronischen
Gesundheitsakt (ELGA) sehr viel stärker ausgeprägt. Was die Smart
City betreffe, dürfe man diese Entwicklung nicht mit einer total
überwachten Umgebung gleichsetzen. "Das hat nicht wahnsinnig viel
miteinander zu tun", ist Madreiter überzeugt.
Wien sei auf dem Weg zur intelligenten City jedenfalls gut
unterwegs: "Wir spielen in der Champions League der smarten Städte
und sind auf alle Fälle unter den Top-10." Die Stadt positioniere
sich ganz offensiv in Richtung konsequenter Ressourcenschonung. Denn
nicht jede hilfreiche Anwendung sei auch smart. Eine App, die das
Parkplatzfinden in der Nähe des Arbeitsplatzes erleichtert, könnte
beispielsweise dazu führen, dass Leute vom Öffentlichen Verkehr
wieder auf den Individualverkehr wechseln - mit entsprechenden
Auswirkungen auf die Stadt. In Wien würden inzwischen nur mehr 27
Prozent der Wege in der Stadt mit dem Privat-Pkw zurückgelegt, so der
Experte.
Lebenswert trotz Einschränkungen
Allein das erwartete massive Bevölkerungswachstum in Wien stelle
die Stadt für große Herausforderungen, etwa im Bereich Mobilität,
erklärte Thomas Reznicek von Kapsch. Diese gelte es zu erhalten, aber
effizienter zu gestalten. Mobilitätsmanagement sei ein komplexer
Balanceakt. Lösungen für die vielfältigen Verkehrs- und
Parkbedürfnisse müssten Probleme wie Verkehrsstaus und
Umweltverschmutzung berücksichtigen und gleichzeitig dafür sorgen,
dass die Stadtzentren lebenswert bleiben.
In der Stadt der Zukunft komme vor allem der elektrischen Energie
eine große Bedeutung zu, sprach Wolfgang Gawlik von der Technischen
Universität (TU) Wien einen weiteren Aspekt an. Dabei sei es
notwendig, das System Stadt in seiner ganzen Komplexität zu
betrachten und über Systemgrenzen hinweg denken und planen zu können.
Insbesondere müssten die Synergie- und Kopplungspotenziale
unterschiedlicher Energieträger genutzt werden. Er ist überzeugt,
dass der Weg zu Smart Grids - also intelligenten Stromnetzen -
vorgezeichnet ist. Die Gefahr von Blackouts wird dadurch seiner
Meinung nach sinken.
Die Vernetzung und die Entwicklung hin zum "Internet der Dinge"
seien nicht mehr aufzuhalten und würden viele neue Anwendungen
hervorbringen, sagte Hannes Walter vom Kompetenzzentrum evolaris.
Beleuchtungen sollten sich etwa nur dann einschalten, wenn eine
Straße auch tatsächlich frequentiert wird. Ab 2015 werde jedes Auto
Wireless LAN integriert haben, und Abwasserleitungen könnten melden,
wenn ein Leck auftritt. Eine große Anzahl an Sensoren existiere
bereits, "man denke nur an die Smartphones in unserer Hosentasche",
so Walter.
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