AK: NS-Opfer Käthe Leichter erhielt posthum Doktorwürde zurück

Begründerin der AK Frauenabteilung widerfährt späte Gerechtigkeit

Wien (OTS) - "Käthe Leichter, Begründerin und erste Leiterin der Frauenabteilung der AK Wien von 1925 bis 1934, war eine der intellektuell einflussreichsten Persönlichkeiten der ArbeiterInnenbewegung der Zwischenkriegszeit", sagt AK Präsident Rudi Kaske. Sie wurde 1942 in der Euthanasieanstalt in Bernburg brutal ermordet. Noch während ihrer Haft wurde ihr 1939 ihre Doktorwürde von der Universität Heidelberg, wo sie 1918 promoviert hatte, aberkannt. "Nun ist es Käthe Leichters Sohn, Franz Leichter, gelungen die Annullierung der Entziehung des Doktortitels seiner Mutter durch die Universität Heidelberg zu erhalten", so Kaske.

Leichter verfasste im Rahmen ihrer Tätigkeit in der AK Wien Grundlagenwerke der Arbeiterinnengeschichte ("Handbuch der Frauenarbeit", "So leben wir"), die nicht nur erstmals die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen in der Zwischenkriegszeit erfassten, sondern auch zu rechtlichen Verbesserungen geführt haben. Nach den Februarkämpfen flüchtete sie in die Schweiz. Schon im September 1934 kehrte sie aber zurück, um im Untergrund ihre politische Arbeit fortzusetzen.

1938 konnte ihr Mann Otto Leichter mit ihren beiden Söhnen Heinz und Franz vor der Verfolgung der Nazis in die Emigration flüchten. Käthe Leichter wurde kurz vor ihrer Flucht festgenommen. Sie kam zunächst in Gestapohaft, während der ihr 1939 ihre Doktorwürde von der Universität Heidelberg aberkannt wurde. Leichter wurde im NS-Konzentrationslager Ravensbrück interniert und 1942 in der Euthanasieanstalt in Bernburg brutal ermordet.

Nun ist es Käthe Leichters Sohn, Franz Leichter, der von seiner Mutter mit acht Jahren getrennt wurde, gelungen, die Annullierung der Entziehung des Doktortitels seiner Mutter durch die Universität Heidelberg zu erhalten. Der Rektor der Universität Heidelberg, Prof. Bernhard Eitel, bedauert in seinem Schreiben an Franz Leichter vom 11.November 2013 zutiefst, "dass bis zum heutigen Tag unsere Universität es verabsäumt hat, Ihre Familie um Vergebung zu bitten für die Entehrung, die im Namen unserer Universität ausgesprochen wurde. Es ist nicht mehr möglich Ihre Mutter um Verzeihung zu bitten oder ihr zumindest zu zeigen, dass das Unrecht, das man ihr antat, auch an dieser Universität, an der sie einst promovierte, als unerträgliches Unrecht betrachtet wird. Uns ist auch bewusst, dass es für Sie fast eine Zumutung ist, wenn wir Sie, der Sie ein Leben lang mit der ungesühnten Entehrung Ihrer Mutter gelebt haben, hiermit um Verzeihung bitten."

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