• 29.11.2013, 09:26:50
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UNHCR-Studie über die Lebensbedingungen syrischer Flüchtlingskinder

Zwangsrekrutierung, Kinderarbeit, Diskriminierung und Einsamkeit

Utl.: Zwangsrekrutierung, Kinderarbeit, Diskriminierung und
Einsamkeit =

Genf/Wien (OTS) - Viele Kinder sind auf sich alleine gestellt oder
von ihren Eltern getrennt, die meisten gehen nicht zur Schule und
illegale Arbeit ist an der Tagesordnung. Zu diesen Ergebnissen kommt
eine heute veröffentlichte UNHCR-Studie über syrische
Flüchtlingskinder, die im Libanon und Jordanien leben müssen.

"Die Zukunft Syriens - Flüchtlingskinder in der Krise" ist die
erste UNHCR-Forschungsarbeit über syrische Kinder seit dem Ausbruch
der Krise im März 2011. Die Ergebnisse belegen unter anderem, dass
viele Kinder in zerrissenen Familien aufwachsen und dass Kinder
häufig den Lebensunterhalt ihrer Familien bestreiten müssen. Über
70.000 Flüchtlingsfamilien müssen ohne Vater zurecht kommen und 3.700
Kinder sind gänzlich auf sich allein gestellt oder wurden von beiden
Eltern getrennt.

"Wenn wir nicht schnell handeln, wird diese Generation der
Unschuldigen langfristig zu Opfern eines entsetzlichen Krieges", so
UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres.
UNHCR-Sondergesandte Angelina Jolie sagte: "Die Welt muss eine
Generation von traumatisierten, isolierten und leidenden Kindern vor
der Katastrophe retten."

Der bereits 32-Monate andauernde Konflikt hinterlässt physische
und emotionale Narben. Im Libanon wurden in der ersten Jahreshälfte
741 verwundete syrische Kinder behandelt. In Jordanien wurden im Camp
Zaatari im letzten Jahr rund 1.000 Kinder mit Kriegsverletzungen
versorgt.

Aggression und Wut auf die Krise sind ebenfalls weit verbreitet:
In Diskussionen mit jugendlichen Flüchtlingen wurde deutlich, dass
mehrere nach Syrien zurück und kämpfen wollen. Es gibt auch Berichte
von Jungen, die explizit für einen Kampfeinsatz in Syrien trainieren.
Flüchtlingsfamilien ohne finanzielle Ressourcen schicken ihre Kinder
in vielen Fällen arbeiten, um ein Überleben zu sichern. Sowohl im
Libanon als auch in Jordanien gibt es Kinder, die zum Teil nicht
älter als sieben Jahre sind und viele Stunden für wenig Geld arbeiten
müssen, viele von ihnen unter gefährlichen und ausbeuterischen
Bedingungen.

Im Camp Zaatari beschäftigen die Mehrzahl der 680 kleinen
Geschäfte Kinder. Eine Erhebung in elf von zwölf jordanischen
Verwaltungsgebieten ergab, dass die Hälfte aller Flüchtlingshaushalte
teilweise oder völlig auf die Arbeit von Kindern angewiesen ist.

Die UNHCR-Studie dokumentiert für viele Flüchtlingskinder auch ein
schmerzhaftes Leben voller Einsamkeit, Ausgrenzung und Unsicherheit.
Von den interviewten Kindern gaben 29 Prozent an, ihr Zuhause nur
einmal in der Woche oder seltener zu verlassen. "Zuhause" bedeutet
dabei zumeist ein überfülltes Apartment, eine provisorische
Unterkunft oder ein Zelt.
Im Bericht kommen zahlreiche Flüchtlingskinder zu Wort und
beschreiben ihre Lage. So sagt Nadia, ein Flüchtlingsmädchen, das
erst kürzlich in Jordanien angekommen ist: "Unsere Leben sind
zerstört. Wir bekommen keine Ausbildung, und ohne Ausbildung gibt es
nichts. Wir gehen in Richtung Zerstörung."

Die meisten haben keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. In
Jordanien sind mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder nicht in der
Schule, das sind rund 200.000.
Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist die hohe Anzahl an Kindern,
die im Exil geboren werden und keine Geburtsurkunden haben. Dabei
sind diese wichtige Dokumente, um Staatenlosigkeit vorzubeugen. Eine
UNHCR-Untersuchung hat gezeigt, dass 77 Prozent aus einer Stichprobe
von 781 Flüchtlingsbabies im Libanon keine offiziellen
Geburtsurkunden hatte. In Zaatari wurden von Januar bis Mitte Oktober
2013 nur 68 Geburtsurkunden ausgestellt.

Die Studie zeigt aber auch die enormen Anstrengungen auf, die von
UN-Organisationen, NGOs und Aufnahmeländern unternommen werden,um das
Leid der Kinder zu lindern. So erhalten mittellose
Flüchtlingsfamilien von UNHCR finanzielle Unterstützung, um ihren
Lebensunterhalt bestreiten zu können. Kreative und informelle
Lösungsansätze von UNHCR, UNICEF, Save the Children und anderen
Hilfsorganisationen sind weit verbreitet, um Kinder zu versorgen und
in die Schule zu bekommen. Die Gastfreundschaft und Offenheit der
Aufnahmeländer ist im Bericht mehrfach vermerkt.

Mittlerweile gibt es 1,1 Millionen syrische Flüchtlingskinder, die
meisten von ihnen in den Nachbarländern. UN-Flüchtlingskommissar
Guterres und Sondergesandte Jolie appellierten vor diesem
Hintergrund, dass "dieser schändliche Meilenstein des Konflikts mehr
als nur Schlagzeilen produzieren muss." Sie rufen dazu auf, Syriens
Nachbarländer zu unterstützen, damit sie ihre Grenzen offen halten
und Flüchtlinge entsprechend beherbergen können. Außerdem
appellierten sie an Staaten außerhalb der Region, Resettlement und
humanitäre Aufnahme für jene Flüchtlinge zu verstärken, die im Exil
nicht sicher sind.

Weitere Informationen und die Studie im Original auf www.unhcr.at

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