WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ab in ruhigere Gewässer - von Oliver Jaindl

Emittenten vertrauten Prognosen, wonach Zukunft ökonomisches Paradies sei

Wien (OTS) - Die Probleme bestehen schon seit 2008, die Auswirkungen werden erst jetzt durch das Auslaufen der Fonds bemerkbar:
Anlegerschäden durch geschlossene Schiff- und Immo-Fonds werden zur immer größeren Massenschaden-Causa. Konsumentenschützer und Anlegeranwälte sind bereits routiniert darin, auch ohne die längst überfällige Gruppenklage Ansprüche von Investoren einzeln oder im Sammelpack durchzusetzen. Oder zumindest damit zu drohen.

Die zentrale Frage ist aber nicht so sehr, wer an der Misere Schuld hat. Sowohl die Sichtweisen der Anleger als auch der vermittelnden Banken und der Emittenten sind schlüssig. Die Anleger strebten nach konservativen Werten und ärgern sich, dass Ausschüttungen ausbleiben, die Rückführung eingelegten Kapitals nicht klappt oder nicht klappen könnte oder dass ihr Schiff-Investment gleich ganz untergegangen ist. Die Banken haben sich auf Emittenten verlassen, diese wiederum vertrauten auf vor 2008 omnipräsente Prognosen, wonach die Zukunft überspitzt formuliert ein ökonomisches Paradies sei, in dem Milch und Honig fließen.

Somit kann die Frage nur lauten, wie man das Problem für alle Beteiligten am besten löst. Es gibt zwei Optionen: Entweder schaffen es Verbraucher, Anwälte, Banken und Emittenten in "Krisengipfeln", für einen größeren Teil der Betroffenen eine zumindest halbwegs akzeptable Lösung anzubieten. Das geht rasch und ohne großes Aufsehen, wie der Vergleich zwischen den Erzfeinden VKI und früherer AWD beweist. Oder es kommt zur Eskalation. Dann folgen lange Prozesse - wie man bereits im Fall Meinl gesehen hat, mitunter mit dem Ergebnis, dass man sich danach umständlich in zig Einzelverfahren erst wieder auf "soziale Vergleiche" (Meinl-Diktion) einigt. Diese hätte man aber auch gleich vorher - für eine ganze Gruppe von Anlegern - anbieten können. Daher kann die einzige Lösung nur sein, den leckgeschlagenen Kahn der Schifffonds viribus unitis in ruhigere Gewässer zu schleppen. Deeskalation und den Sturschädel zu Hause zu lassen lautet das Motto - und die jüngste Wirtschaftsgeschichte Österreichs beweist es!

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