• 28.11.2013, 13:06:34
  • /
  • OTS0174 OTW0174

Mehrsprachigkeit in Wien historisch betrachtet

Wien (OTS) - Vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung hat sich
das Spektrum der in Wien gesprochenen Sprachen erweitert. Die Ursache
der unterschiedlichen Bewertung von Sprachen, mögliche historische
Gründe und die politische Dimension von Sprachen waren Inhalt des von
der Initiative Minderheiten initiierten Symposium "Mehrsprachigkeit
in Wien historisch betrachtet". Im Rahmen der Pressekonferenz
zeichneten ExpertInnen ein Bild der aktuellen und historischen
Situation in Wien.

Frauenberger: Eine gemeinsame Sprache sprechen,
Mehrsprachigkeit fördern

Mit Blick auf den Jahresförderschwerpunkte "Mehrsprachigkeit" der
Wiener Integrations- und Diversitätsabteilung (MA17) bekräftigte
Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger einmal mehr: "Eine
gemeinsame Sprache ist für Zusammenleben unumgänglich. Darüber hinaus
werden in Wien aber 250 Sprachen gesprochen, jede davon ist ein
wichtiges Potential für die jeweilige Person und die Stadt
insgesamt!" Erst gestern seien, so die Stadträtin, zwei neue Projekte
zur Förderung der Mehrsprachigkeit präsentiert worden. "Initiativen
wie unsere muttersprachlichen LesepatInnen oder die neue Wiener
Sprachen App tragen zur Wertschätzung von Mehrsprachigkeit bei",
betont Frauenberger und verwies gleichzeitig auf eine neue Broschüre
der MA17, die neben den neuen auch alle weiteren Maßnahmen zur
Förderung einer gemeinsamen Sprache und von Mehrsprachigkeit
beinhaltet.

Akkilic: Jede Sprache, inklusive der Gebärdensprache, eröffnet
neue Möglichkeiten

Senol Akkilic, Integrationssprecher der Wiener Grünen, bekräftigt
dies in dem er meint, dass Wien seit der Habsburgermonarchie und bis
in die Gegenwart eine mehrsprachige Stadt gewesen sei. "Sich mit
dieser Geschichte auseinandersetzen ist für die Zukunft unserer
Kinder und für das gute Zusammenleben in Wien von zentraler
Bedeutung. Jede Sprache, inklusive der Gebärdensprache, eröffnet neue
Möglichkeiten, mit denen wir am
Arbeitsmarkt, in der virtuellen Welt und im Sozialleben neue Impulse
setzen und neue Visionen entwickeln können. Deutsch und alle anderen
Sprachen stehen nicht im Wettbewerb zueinander, sondern ergänzen
sich", so Akkilic.

Wakounig: Bilinguale Schulmodelle als Vorbild nutzen

Der Klagenfurter Bildungswissenschafter und Obmann der Initiative
Minderheiten, Vladimir Wakounig, beleuchtet kritisch den Stellenwert
von Mehrsprachigkeit im Bildungssystem und bringt Beispiele aus
deutschen Städten - wie Hamburg. "In diesen Städten ist zweisprachige
Erziehung von Kindern mit Migrationshintergrund längst zu einer guten
Praxis sprachlicher Bildung geworden. Diese bilingualen Schulmodelle,
die wissenschaftlich begleitet werden, werden keineswegs ethnisiert
bzw. stigmatisiert, sondern sind im bildungspolitischen und
wissenschaftlichen Diskurs zu Schulen geworden, die für andere Städte
Vorbildwirkungen haben können."

Teutsch: LehrerInnen auf Vielfalt der Schulrealität
vorbereiten

"Die Wahrnehmung der Diversität und die Förderung der Potenziale
der Mehrsprachigkeit spielen in allen Reformprojekten im
Bildungsbereich eine zentrale Rolle. So auch in der aktuellen
Entwicklung der PädagogInnenbildung NEU, die vorsieht, dass zukünftig
alle Lehrerinnen und Lehrer sich mit den Themen "Inklusion" und
"Sprachliche Bildung" auseinandersetzen müssen, sodass sie auf die
Vielfalt der Schulrealität gut vorbereitet sind.", betont Rüdiger
Teutsch, Leiter der Integrations-Abteilung des Bildungsministeriums.

Fischer/Wonisch: Historischen Kontext beachten

Während der Historiker Wladmir Fischer darauf eingeht, warum die
historische Perspektive auch für die Politik heute wichtig ist -
denn, so Fischer "der symbolische Sprachgebrauch ist wichtig für die
politische Repräsentation und Mitbestimmung. Mit dem tatsächlichen
Sprachgebrauch hat er jedoch nicht unbedingt etwas zu tun", bringt
die Leiterin des Forschungszentrums für historische Minderheiten,
Regina Wonisch, das Beispiel des tschechischen Schulstreit Anfang des
20. Jahrhunderts. Der Komensky-Schulverein, der sich um die
Einführung tschechischer Schulen bemüht hat, ging davon aus "dass die
Kinder", so Wonisch, "leichter Deutsch lernen, wenn sie zunächst ihre
Muttersprache beherrschten". Spätestens seit dem 19. Jahrhundert sei
Sprache nicht nur Kommunikationsmittel, sondern - mit der Entstehung
von Nationalstaaten und Nationalsprachen - etwas, worüber politische,
soziale und kulturelle Differenzen verhandelt werden, so die
ExpertInnen

Das Symposium fand vom 27./28. November im Österreichischen Museum
für Volkskunde statt und ist ein Projekt der Initiative Minderheiten
in Kooperation mit dem Forschungszentrum für historische
Minderheiten, dem Arbeitskreis Archiv der Migration, dem
lernraum.wien - VHS Wien, der AK Wien, BUM MEDIA und dem
Österreichischen Museum für Volkskunde. (Schluss)

Pressebilder:
https://www.wien.gv.at/gallery2/rk/run.php?g2_itemId=27234
https://www.wien.gv.at/gallery2/rk/run.php?g2_itemId=27231

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NRK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel