• 28.11.2013, 10:01:35
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Ausstellung "Places of Transition" im MuseumsQuartier Wien

Wien (OTS) - Auf der Suche nach möglichen Formen aktueller
Lebensmodelle zeigt die Ausstellung "Places of Transition" im
freiraum quartier21 INTERNATIONAL eine Reihe internationaler
Arbeiten, die visuelle und diskursive Möglichkeiten eines
ortsspezifischen Wandels untersuchen. Vorwiegend anhand von Foto- und
Videoinstallationen werden Prozesse der Veränderung thematisiert,
womit in narrativer Form auf globale Veränderungen der letzten Jahre
und Jahrzehnte eingegangen wird. Kuratiert wird die Ausstellung von
der Multimedia-Künstlerin und Kulturtheoretikerin Gülsen Bal sowie
dem Künstler und Kurator Walter Seidl, Eröffnung ist am 23. Jänner um
19 Uhr.

"'Places of Transition' eröffnet das Ausstellungsjahr im freiraum
quartier21 INTERNATIONAL, im Rahmen dessen drei große Ausstellungen
in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für europäische und
internationale Angelegenheiten geplant sind. Ich freue mich, den
BesucherInnen damit wieder unterschiedliche künstlerische Ansätze zu
aktuellen Themen präsentieren zu können", so Dr. Christian Strasser,
Direktor MuseumsQuartier Wien.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen an transnationale Fragen
über gemeinsame Formen der Interaktion bedingen eine Untersuchung
globaler Machtstrukturen. Während die Ost-West-Problematik in Europa
allmählich im Verschwinden begriffen ist, haben die Machtkämpfe im
Nahen Osten die Aufbruchstimmung des Arabischen Frühlings
zurückgeworfen und eine Debatte über politische Übergangsformen auf
internationaler Ebene ausgelöst.

In dieser Hinsicht widmet sich die Ausstellung der Problematik
unterschiedlicher Territorien und der Frage, wie diese anhand einer
gemeinsamen Kritik an politisch dominanten Erzählungen und
Bestimmungen verlinkt werden können. Weiters werden unterschiedliche
Stufen gelebter Erfahrungen des Selbst reflektiert und eigene sowie
fremde Blickregime analysiert. Die eingeladenen KünstlerInnen
behandeln die einzelnen Themen oftmals in Hinsicht auf die Situation
in ihrem eigenen Land, wodurch die Ausstellung unterschiedliche
Blickweisen in politischer Hinsicht ermöglicht.

"Kunst muss radikale Forderungen an die Gesellschaft stellen, um
diese voranzutreiben", so die KuratorInnen der Ausstellung Gülsen Bal
und Walter Seidl.

Weiters stellt sich in der Ausstellung die Frage, wie
Künstlerlnnen mit gewissen Traditionen in ihren Ländern umgehen.
Trotz einer persönlichen Tendenz zu einem laizistischen Lebensmodell
untersuchen viele KünstlerInnen länderspezifische Modelle, die in
ihren Arbeiten wiederum radikal gebrochen werden. Das Resultat bilden
kritische Aussagen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die
neue Denkansätze bewirken können.

Dies wird zum Beispiel in der Videoinstallation von Oliver Ressler
sichtbar. Der Film "Socialism Failed, Capitalism is Bankrupt. What
comes Next?" wurde 2010 im größten Bazar von Jerewan aufgenommen, der
"Bangladesch" genannt wird. Im Film erzählen die Kaufleute des Markts
von ihrem Kampf ums Überleben in der Krise eines post-sozialistischen
Staates, in dem der Großteil aller Fabriken der Sowjetzeit
geschlossen und das soziale Sicherheitsnetz aufgelöst wurde.

Auch die Video- und Fotoarbeit von Milica Tomic bezieht sich auf
eine sehr persönliche Situation. "Portrait of My Mother" (1999)
entstand in den Tagen nach den Nato-Bombardements auf Belgrad. Tomic
thematisiert die komplexen Beziehungen zwischen dem Trauma der
verlorenen jugoslawischen Moderne und den neuen Identitätspolitiken
der Milosevic Jahre.

Akram Zaataris Video "Tomorrow Everything will be Alright"
wiederum setzt sich auf einer sehr persönlichen Ebene mit Formen des
Übergangs auseinander. Zwei ehemalige Liebhaber führen eine
Unterhaltung, nachdem sie sich vor 10 Jahren getrennt hatten, und
gestehen einander, dass sie das Verlangen danach spüren, sich wieder
zu sehen. Die Worte, die sie dabei wechseln, werden jedoch auf einer
klassischen Schreibmaschine geschrieben, wodurch BetrachterInnen dazu
angeregt sind, diese sehr persönliche und poetische Konversation
mitzulesen.

Marco Poloni bezieht sich in seiner Multimediainstallation "Monika
Ertl's Pistol" auf historische Gegebenheiten. Nach Mutmaßungen
ermordete die Untergrundkämpferin Monika Ertl 1971 den Konsul Roberto
Quintanilla Pereira im bolivianischen Generalkonsulat in Hamburg. Für
die Tat wurde eine Pistole aus dem Besitz des italienischen Verlegers
Giangiacomo Feltrinelli benutzt, der auch unter dem Codenamen Osvaldo
bekannt war.

Libia Castro & Ólafur Ólafsson zeigen eine sieben Meter lange
Neonschrift-Installation mit der Phrase: "Dein Land existiert nicht".
Mit dieser Aussage beziehen sie sich auf gegenwärtige
Migrationsbewegungen, die aufgrund von politischen, wirtschaftlichen
oder professionellen Gründen stattfinden können. Die Auflösung
nationalstaatlicher Gebilde hinsichtlich globaler, neoliberaler
Strukturen hinterfragt die Thematik von länderspezifischen
Strukturen, die gleichzeitig einen Pluralismus an ethnischem und
kulturellem Bewusstsein einfordern.

Santiago Sierra zeigt in dem Video "Burned Word", wie das Wort
"Future" öffentlich verbrannt wird. Das Video wurde 2012 in El
Cabanyal, einem historischen Stadtteil und Fischerviertel von
Valencia verwirklicht, das sich von dem Entwurf einer neuen,
städtedurchquerenden Allee bedroht sieht.

Asli Çavusoglus audio-visuelle Installation "191/205" bezieht sich
auf die Tatsache, dass 1985 die Generaldirektion der Türkischen
Radio- und Fernsehgesellschaft TRT 205 Wörter in Fernseh- und
Radiosendungen untersagte, weil diese angeblich nichts mit der
türkischen Sprache zu tun hatten bzw. nicht dem allgemeinen
türkischen Standard entsprachen.

Einige der KünstlerInnen sind im Rahmen der Ausstellung
Artists-in-Residence des quartier21/MuseumsQuartier: so wird der
bulgarische Künstler Vikenti Komitski vor Ort eine neue Arbeit
produzieren. Vikenti Komitskis Arbeiten setzen sich mit Readymades
auseinander und der Art und Weise, wie diese andere Objekte und Ideen
beeinflussen. Dies kann manchmal auch zu einem kritischen Statement
über die Funktion von Kunstwerken per se führen. Köken Ergun wird
ebenso eine speziell für das MQ adaptierte Version einer seiner
Arbeiten zeigen. Seine Arbeiten beziehen sich auf streng politisch
und religiös artikulierte Positionen und die sozialen Reaktionen
darauf. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf soziale Widersprüche
gelegt.

Die Ausstellung wird zudem von einem Rahmenprogramm mit Lectures,
Performances sowie einem Kinderworkshop begleitet.

KünstlerInnen:

Libia Castro (ES)* & Ólafur Ólafsson (IS)*, Köken Ergün (TR)*,
Vikenti Komitski (BG)*, Asli Çavusoglu (TR), Marco Poloni (CH),
Oliver Ressler (AT), Milica Tomic (SRB), Santiago Sierra (ES), Akram
Zaatari (LB)
*Artists-in-Residence des quartier21/MuseumsQuartier

"Places of Transition" wird in Kooperation mit dem Bundesministerium
für europäische und internationale Angelegenheiten organisiert.

Places of Transition

Dauer: 24.01. bis 13.03.2014, Di bis So 13-19h, Eintritt frei
Presserundgang: Do 23.01., 10h
Eröffnung: Do 23.01., 19h
Ort: freiraum quartier21 INTERNATIONAL/MuseumsQuartier Wien
www.quartier21.at

Direktor MuseumsQuartier Wien: Dr. Christian Strasser

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MQW

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