• 27.11.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Übermut tut selten gut - von Hans-Jörg Bruckberger

Constantia hat den Börsegang selbst vermasselt - und das ist schade

Utl.: Constantia hat den Börsegang selbst vermasselt - und das ist
schade =

Wien (OTS) - Leider nein. Der für heute angepeilte Börsegang von
Constantia Flexibles wurde kurzfristig vom Unternehmen abgesagt, da -
wie es in der offiziellen Begründung heißt - kein zufriedenstellender
Abschluss der Transaktion gewährleistet werden konnte. Ein
Schwächezeichen des Kapitalmarkts? Mitnichten. Im Gegenteil: Die
Causa zeigt, dass der Markt bestens funktioniert. Die involvierten
Banken haben sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert, die Schuld liegt
letztlich aber beim Unternehmen und dessen Eigentümern.
Diese haben gleich mehrere Fehler gemacht. Man wollte offenbar vor
allem eines: einen möglichst hohen Preis erzielen. Diesen Vorwurf,
der Private-Equity-Gesellschaften häufig gemacht wird, konnte
Constantia-Hauptaktionär One Equity Partners nicht entkräften. Man
wollte die Aktie zum etwa 20-fachen Gewinn verkaufen. Damit war der
Preis selbst im Vergleich mit ihrerseits schon stolz bewerteten
Konkurrenten ambitioniert. Wer es mit der Börse ernst meint,
nachhaltig denkt und nicht nur rasch kassieren will, der sollte bei
einem IPO hingegen noch Luft nach oben lassen. Das hat das
WirtschaftsBlatt im Zuge einer Analyse bereits im Vorfeld des IPOs
kritisiert. Deren Titel lautete: "Constantia: Nicht um jeden Preis".

Anleger befolgten diesen Rat: Die Aktien verkauften sich offenbar
derart schleppend, dass man die Reißleine ziehen musste. Das Pricing
war nicht der einzige Fehler der Verantwortlichen. Sie zeigten
keinerlei Interesse an österreichischen Kleinanlegern, wollten in
Frankfurt an die Börse und gingen in den USA auf Roadshow. Dort hat
freilich niemand auf eine österreichische Firma mit einem Streubesitz
von ein paar Hundert Millionen Euro gewartet. Heimische Anleger sind
zwar nicht spielentscheidend an der Börse und "machen" nicht die
Kurse; sie sind aber traditionell stabile Aktionäre, die ihren
Unternehmen meist über einen längeren Zeitraum die Treue halten. Eine
derartige Zielgruppe von vornherein zu ignorieren, ist ein Fehler,
zeugt von Arroganz, die sich kaum ein Unternehmen leisten kann. Das
hätten gerade die Verantwortlichen bei der Constantia wissen müssen,
war doch bereits der Börsegang der aus ihr herausgelösten Amag schon
sehr holprig verlaufen.

Schön, dass der Markt gewisse Dinge selbst regelt. Schade ist es aber
trotzdem um dieses ausgezeichnete Unternehmen, das - unter anderen
Voraussetzungen - eine Bereicherung für den Kapitalmarkt gewesen
wäre.

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