H.P. Martin über Hackerangriff auf EU-Parlament: "Kette von Datenskandalen - EU-Parlamentsverwaltung schaut weg"

Brüssel (OTS) - Utl.: Schon 2011 erfolgreiche Hackerangriffe auf EU-Parlament in Brüssel / Namen der Betroffenen / Der Bock macht sich zum Gärtner /Aktuelle Fragenliste von H.P. Martin an Generalsekretär Klaus Welle vom Oktober 2013

Der neueste Hackerangriff auf das EU-Parlament, den die niederländische EU-Abgeordnete Sophie in 't Veld im Straßburger Plenarsaal zur Sprache brachte und den das französische Internetportal "Mediapart" am Donnerstag exklusiv veröffentlichte, reiht sich ein in eine Kette von Datenskandalen im EU-Parlament.

Bereits im April 2011 wurde der Generalsekretär des EU-Parlaments, Klaus Welle, detailliert informiert, dass auf umfassende Dateien auf den Arbeitscomputern des EU-Parlaments sowie auf private E-Mails des fraktionslosen Mitglieds des Europäischen Parlaments Hans-Peter Martin aus Österreich illegaler Weise zugegriffen wurde - und zwar aus einem anderen Parlamentsbüro. Bis heute hat die EU-Parlamentsverwaltung darauf nicht reagiert.

Im September 2011 wurden den EU-Institutionen "40 höchst kritische Sicherheitslücken gemeldet". Der Hinweisgeber Heiko Frenzel stellte fest: "Die ersten zehn Hinweise hat man schlichtweg einfach ignoriert, zum Teil auch ungelesen gelöscht."
(http://www.gulli.com/news/17588-eu-ignoriert-mindestens-40-hoechst-k
ritische-sicherheitsluecken-2011-11-29)

Angeblich sollen ein Jahr später, im September 2012, wenigstens einige Sicherheitslücken beseitigt worden sein. Doch erneut wurde von erfolgten Hackerangriffen auf Systeme des EU-Parlaments berichtet.
(http://www.sicherheit-online.org/158/eu-kommission-beseitigt-weitere-sicherheitslucken/)

Aktuell hat sich ein noch unbekannter Hacker, der dies als so leicht wie ein "Kinderspiel" bezeichnete, Zugang zum beruflichen und privaten E-Mail-Verkehr von sechs Abgeordneten und acht weiteren EU-Parlamentsbeschäftigten verschafft.

Die betroffenen EU-Parlamentarier sind:

Markus Pieper (CDU) aus Deutschland,
Ana Gomes (Sozialistin) aus Portugal,
Constance Le Grip (Konservative Gruppe, UMP) aus Frankreich
Maurice Ponga (Konservative Gruppe, UMP) aus Frankreich
Jean-Jacob Bicep (Grüne) aus Frankreich,
Aldo Patriciello (Konservative Gruppe, Christdemokrat) aus Italien.

Zudem wurden laut "Mediapart" die E-Mail-Konton folgender Assistenten und Fraktionsmitarbeiter gehackt: Sonia Léa Rouahbi (Assistentin von Jean-Jacob Bicep), Ivan Forte, (Assistent von Aldo Patriciello), Alexandra Carreira (Assistentin von Ana Gomes), Perrine Orosco (Assistentin von Maurice Ponga), Mélanie Vogel von den Grünen und Céline Bayer von der sozialdemokratischen Fraktion. Außerdem waren zwei Mitarbeiter des parlamentarischen IT- und Sicherheitsdienstes betroffen, Dimitrios Symeondis und Antonio Inclan.

Der Hacker konnte in den vergangenen Monaten zehntausende private und berufliche Mails einsehen und hatte auch Zugriff auf vertrauliche Unterlagen und Adresslisten. Für den Hacker-Angriff nutzte er einen einfachen Laptop, mit dem er sich über das drahtlose Internet des Parlaments in Straßburg in das System reinhackte und sich zwischen den E-Mail-Server und die Mobiltelefone der Opfer schaltete. So erhielt er die Zugangscodes zu den E-Mail-Konten. Die vom Parlament genutzte Microsoft-Software ist veraltet und Spionageangriffen ausgesetzt. Teilweise läuft auf den Computern immer noch das bereits 12 Jahre alte Betriebssystem Windows XP. Die EU-Abgeordneten können bis jetzt ihre E-Mails nicht verschlüsseln, eine entsprechende Software darf nicht installiert werden.

Bereits im Oktober 2013 richtete H.P. Martin folgende Fragen an den Generalsekretär des EU-Parlaments, Klaus Welle, die dieser nun zu beantworten hat:

1. Was unternimmt das Europäische Parlament gegen Hacker- und Spionage-Aktivitäten gegen das Parlament?

2. Empfiehlt das Parlament seinen Mitarbeitern Maßnahmen wie die Installation von schützenden Browsererweiterungen oder die Nutzung von speziellen Browserversionen?

3. Überlegt das Parlament Mitarbeitern spezielle Browserversionen zu empfehlen oder direkt zur Verfügung zu stellen, um Mitarbeitern den Schutz der Privatsphäre sowie die Geheimhaltung von arbeitsrelevanten Internetaktivitäten, zu erleichtern?

4. Welche internen Richtlinien des Parlaments garantieren, dass Internetdienste nicht das Internet-Nutzungsverhalten von Mitarbeitern des Parlaments verfolgen beziehungsweise analysieren können?

5. Ist dem Europäischen Parlament bekannt, ob es selbst auch Ziel von Spionageaktivitäten war? Wenn ja, ist dem Parlament bekannt, ob diese Spionage gelang?

6. Gibt es Hinweise darauf, dass US-Geheimdienste auch versucht haben, Gebäude des Europäischen Parlaments auszuspionieren?

7. Gibt es Hinweise darauf, dass auch die Geheimdienste anderer Drittstaaten oder die Geheimdienste von EU-Staaten wie Großbritannien versucht haben, Gebäude des Parlaments auszuspionieren?

Alle Datenskandale haben mit den offensichtlichen Sicherheitslücken im EU-Parlament zu tun, die nun ausgerechnet auch der österreichische EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser anprangert. "Die IT-Sicherheitslücken im EU-Parlament sind groß wie ein Scheunentor", sagt er. Kaum jemand weiß das besser als er. Damit macht sich der Bock zum Gärtner: Das Eindringen auf vertrauliche und private E-Mails von H.P. Martin erfolgte auch nachweislich aus Ehrenhausers Parlamentsbüro.

Weitere Informationen unter:
http://www.mediapart.fr/journal/international/211113/les-mails-des-eu
rodeputes-ont-ete-pirates-par-un-hacker

Hinweis: Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen liegen in der alleinigen Verantwortung der jeweiligen Verfasser und geben nicht unbedingt den offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments wieder.

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragen bitte an:
Büro Dr. Martin
+43 664-201 80 37
office@hpmartin.net

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HPM0001