- 21.11.2013, 15:23:20
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Angewandte setzt mit neuen Studienangeboten nächsten Schritt in Inter- und Transdisziplinarität
Uniratsvorsitzender Jakoubek und Rektor Bast appellieren an Regierung, Bauprojekt zur Sanierung und Erweiterung der Universität weiterzuführen
Utl.: Uniratsvorsitzender Jakoubek und Rektor Bast appellieren an
Regierung, Bauprojekt zur Sanierung und Erweiterung der
Universität weiterzuführen =
Wien (OTS) - Mit einem Blick zurück auf das bisherige Jahr 2013 und
einer Vorschau auf die kommenden Monate berichteten
Uniratsvorsitzender Thomas Jakoubek und Rektor Gerald Bast am
Donnerstag, den 21. November 2013 beim Jahrespressegespräch der
Universität für angewandte Kunst Wien Erfreuliches: steigende
BewerberInnenzahlen nicht zuletzt aufgrund - oder trotz - geänderter
und neuer Studienformate, wachsende Internationalität auf Seiten
Studierender wie Lehrender, zunehmende Außenwirksamkeit und die damit
verbundene Möglichkeit des gesellschaftlichen Mitgestaltens im In-
und im Ausland, nicht zuletzt durch langfristig angelegte
Kooperationen und Aktivitäten.
Kontinuierlich steigende Attraktivität
Die Zahl der Bewerbungen um ein Studium an der Angewandten hat
sich im letzten Jahrzehnt nahezu verdoppelt (946 Bewerbungen im Jahr
2001, 1.710 Bewerbungen im Jahr 2013). Das zeugt nicht nur von der
ungebrochenen Kraft der Kunst bei jungen Menschen - trotz widriger
Umstände im Schulsystem und in der gesellschaftlichen Werteskala.
Denn laut einer EUROSTAT-Umfrage "Wie wichtig ist Kultur für Sie
persönlich?" liegt Österreich EU-weit an letzter Stelle!
Permanente Erneuerung des Studienangebots
Die inter- und transdisziplinäre Ausrichtung der Angewandten, die
Brigitte Kowanz mit dem Studium "Transmediale Kunst" 2004 begonnen
hat, nämlich das Überbrücken und synergetische Aufbrechen
disziplinärer Grenzen, und die in den letzten Jahren mit den
Bachelor- und Masterstudien TransArts, Art & Science, Social Design
weitergeführt wurde, wird seit Wintersemester 2013 mit neuen
Studienangeboten noch verstärkt: mit einem Studienangebot im Bereich
Skulptur, für das Hans Schabus als Gastprofessor gewonnen werden
konnte; mit dem neuen Studium Landschaftskunst, welches das Studium
Landschaftsdesign mit dem Schwerpunkt Conceptual Urban Gardening
ablöst, und ab Wintersemester 2014 mit dem neuen Studienzweig
Angewandte Fotografie sowie einem interdisziplinären künstlerischen
Doktoratsstudium.
Nationale und internationale Vernetzung
Die Angewandte unterhält wichtige Lehr- und Forschungs- und
Ausstellungskooperationen mit renommierten in- und ausländischen
Kunst- und Wissenschaftsinstitutionen. Zu diesen zählen u. a. MedUni
Wien, VetMed Uni Wien, Uni Wien, Boku Wien, Österr. Akademie der
Wissenschaften, CeMM - Research Center for Molecular Medicine, IMBA -
Institute of Molecular Biotechnology, Zentrum für Soziale Innovation
Wien, MAK, Belvedere, Künstlerhaus, Museum Leopold, ETH Zürich, ZHdK
Zürich, Biennale Venedig, Design Shanghai, University of Cagliari,
Sardinia, Columbia University NY, Cooper Union NY, Terreform ONE, NY,
University of California, LA, SCI-Arch, Tongji University Shanghai,
Tsing-Hua-University Peking, National Museum Institute New Delhi,
Lalit Kala Akademi New Delhi, University of Auckland, ELIA - European
League of Institutes of the Arts, Society of Artistic Research.
Neue Professuren
Seit Oktober 2013 leitet Eva Maria Stadler die Abteilung Kunst-
und Wissenstransfer; Martha Schwartz, Tony Heywood und Tim Richardson
leiten gemeinsam die Abteilung Landschaftskunst. An die Abteilung
Malerei wurden Thomas Zipp und Monika Grzymala als Professoren
berufen.
Ab Sommersemester 2014 wird die Leitung der Abteilung Design,
Architektur und Environment für Kunstpädagogik neu besetzt.
Im Wintersemester 2014 folgen Neubesetzungen leitender Professuren an
den Abteilungen Mode, Malerei, Landschaftskunst und Angewandte
Fotografie.
Internationale Symposien
Die Angewandte schafft mit der Ausrichtung von internationalen
Symposien Diskursplattformen für internationale KünstlerInnen und
ExpertInnen. Für 2014 sind Symposien zu den Themen Stadtkulturpolitik
(Frühjahr 2014); Architecture as politics (im Kontext der
Architektur-Biennale Venedig); Art, Research, Innovation and Society
(Frühjahr 2014); Social Design (Herbst 2014) geplant.
Künstlerische Forschung / Innovation
Die Angewandte ist die erfolgreichste österreichische
Kunstuniversität im Rahmen des FWF-Programms zur Förderung
künstlerischer Forschungsprojekte (PEEK).
Das Thema künstlerische Forschung stellt die Angewandte auch ins
Zentrum einer Ausstellung, die am 28. November im MAK eröffnet wird:
"Out of the Box - 10 Fragen an künstlerische Forschung".
Im Bereich der künstlerischen Forschung ist die Universität für
angewandte Kunst Wien ferner an der Entwicklung von
Forschungsdatenbanken beteiligt. Kooperationen bestehen mit dem
Ursula-Blicke-Videoarchiv, das gemeinsam mit dem Belvedere
weiterentwickelt wird, sowie mit basis wien in der Gestaltung der
KünstlerInnen-Datenbank Kunst- und Forschungsdatenbank Angewandte /
basis wien.
In Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien und zwei Instituten
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA und CeMM) wird
die Angewandte ab Frühjahr 2014 ein "Creative Innovation Lab"
betreiben. Ziel dieses Zentrums für Forschung und Wissenstransfer in
Kunst, Design, Wissenschaft und Technologie ist es, Innovation als
künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungs- und Kommunikationsprozess
zu sehen und zu stimulieren.
Eine gemeinsam mit einem Professor an der George Washington
University bei Springer / New York herausgegebene neue Buchreihe wird
sich dem Themenfeld "Art, Research, Innovation and Society" widmen.
Parallel zur Buchreihe werden internationale Themenkonferenzen
abwechselnd in Wien und Partnerinstitutionen in den USA und Asien
organisiert.
Die Edition Angewandte wird als Publikationsplattform für Kunst
und Kunstwissenschaften in Partnerschaft mit dem AMBRA Verlag im
internationalen Vertrieb von Birkhäuser weitergeführt.
Bauprojekt Sanierung und Erweiterung des Hauptgebäudes am
Oskar-Kokoschka-Platz
Gerald Bast hat im Pressegespräch den Status quo zum Bauprojekt
skizziert und appelliert an die Politik: "Sowohl das
Wissenschaftsministerium als auch das Finanzministerium stellen außer
Streit, dass der aus den frühen 1960er-Jahren stammende
Schwanzer-Trakt am Oskar-Kokoschka-Platz hochgradig
sanierungsbedürftig ist und dass die Angewandte akuten Bedarf an
zusätzlicher Nutzfläche hat. Vor mehr als 1,5 Jahren hat eine
internationale Jury das Projekt von Architekt Wolfgang Tschapeller
zum Siegerprojekt gekürt. Die Planungen sind zum großen Teil fertig.
Mitte April hat die Angewandte beim Wissenschaftsministerium die
sogenannte Baufreigabe beantragt. Seither wird das Projekt zwischen
dem Wissenschafts- und dem Finanzministerium hin und her geschoben.
Das Wissenschaftsministerium braucht das 'Einvernehmen' mit dem
Finanzministerium. Entscheidung gibt es noch immer keine.
Die Angewandte ist somit 'Opfer' eines Konfliktes zwischen
Wissenschafts- und Finanzministerium über die künftige (!) Gestaltung
der Entscheidungsprozesse im Hochschulbau. Das Bauprojekt der
Angewandten wurde in diesem Konflikt in Geiselhaft genommen.
Dazu kommt noch, dass wir seit Monaten eine Art 'government shut
down' erleben: Ab Juni hat es geheißen: 'Vor den Wahlen geht gar
nichts mehr'. Nach den Wahlen hieß es: 'Zuerst muss eine neue
Regierung gebildet werden; vorher passiert gar nichts.' 1961 hat die
Politik entschieden, dass für die Angewandte, die damals rund 300
Studierende hatte, der Schwanzer-Trakt mit rund 10.000 m2 gebaut
wird.
Regierungsbildung als Demonstration absoluter
Zukunftsverweigerung
Mit dem LehrerInnen-Dienstrecht ist den PolitikerInnen in
Komplizenschaft mit der Lehrergewerkschaft das Kunststück gelungen,
mit enormem Aufwand am System festzuhalten und gleichzeitig
Reformaktivität vorzutäuschen. Die LehrerInnen werden zum
öffentlichen Feindbild gemacht, die Lehrergewerkschaft kündigt einen
Streik an und der Ministerrat beschließt ein Dienstrecht, das von den
Abgeordneten im Nationalrat weiter verwässert werden wird. Man beißt
sich die Zähne an Stundenverpflichtungen und Schularbeitszulagen aus
- aber am schwerkranken System Schule ändert sich so gut wie gar
nichts!
Im Zentrum steht ein Budgetloch, das angeblich gar keines ist,
aber jetzt einen zwischen den Parteien ausgehandelten(!) Umfang von
24 Mrd. Euro hat - nachdem es kurz vorher von den PolitikerInnen
selbst von 12 Mrd. auf 40 Mrd. Euro hinauflizitiert wurde. Konkrete
Vorschläge zur Abdeckung des Nicht-Loches gibt es - außer einer
Streichung der 'Luxus-Pensionen' nicht. Wissenschaft spielt in den
Regierungsverhandlungen kaum eine Rolle, die Kunst gar keine.
Würde man den PolitikerInnen noch strategisches Handeln zutrauen,
könnte man meinen, mit diesen Budgetloch-Diskussionen und den immer
kürzer werdenden Intervallen der Bankenrettungs-Zuschüsse werde eine
gezielte Strategie der existenziellen Verunsicherung der Bevölkerung
betrieben, damit Zukunftsinvestitionen in Kunst und Forschung erst
gar nicht diskutiert werden müssen. Der derzeit geltende, noch vor
den Wahlen und vor der Entdeckung des Budget-Nicht-Loches
beschlossene Budgetpfad für das Universitätsbudget sieht bis 2017
eine Reduktion vor. Ähnlich ist es im Kunstbereich.
Es wird über Innovation und Wachstum dahergeredet und ignoriert,
dass Innovation Kreativität, Wissenschaft und Kunst (am besten
miteinander verschränkt) braucht. Politik wird betrieben nach dem
Prinzip der Little Boxes: Lauter kleine Kästchen versperren den Blick
auf die Tatsache, dass Innovation - wirtschaftliche ebenso wie die
ganz besonders notwendige gesellschaftliche Innovation - eine
Querschnittsmaterie ist.
Die Zukunfts-Diskussion der Politik verkommt in der Realität zur
Frage, wo das Türschild 'Zukunftsministerium' aufgehängt werden kann.
Die Diskussion über die wirklichen Zukunftsthemen wird verweigert:
Es bedarf einer grundlegenden Reform der aus dem
Industriezeitalter stammenden Struktur und Funktionalität des
Schulsystems. Es bedarf außerdem einer ausreichenden Finanzierung und
inhaltlichen Reform eines notwendigerweise wachsenden
Hochschulsystems sowie der Kommunikation und Interaktion zwischen
unterschiedlichen Generationen und Kulturen in urbanen Strukturen. Es
bedarf der Veränderung von Arbeit, Freizeit und Sinnstiftung im
digitalen Zeitalter."
Österreich bräuchte ein Ministerium für Kunst, Kultur und
gesellschaftliche Innovation. Dort könnten und sollten all die
wichtigen Querschnittsmaterien, die bisher vor lauter
Kästchendenkfixierung nicht zum Zug kommen werden, ernsthaft und
konkret angegangen werden. Und damit es kein Ministerium zum
Krenreiben wird, sollte jedes traditionelle Resort 10% des Budgets
abgeben müssen.
Rektor Gerald Bast
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