GLOBAL 2000: NGOs verlassen heute unter Protest Klimakonferenz in Warschau

Keine Ambition, kein Geld, keine ernsthaften Verhandlungen - genug ist genug

Wien/Warschau (OTS) - Heute werden hunderte NGO-VertreterInnen die Klimakonferenz in einem gemeinsamen "Walk Out" aus Protest gegen die nicht ernsthaft geführten Verhandlungen verlassen. Darunter sind VertreterInnen von GLOBAL 2000, Friends of the Earth International, Greenpeace, WWF, Oxfam und vieler anderer Organisationen. "Die Erwartungen an die Klimaverhandlungen in Warschau waren zwar gering, aber hier wird nicht ernsthaft verhandelt. Diese Klimakonferenz ist eine Farce und ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich glaubwürdig um ein stabiles Klima und eine lebenswerte Umwelt für uns und die nächsten Generationen bemühen. Polluters talk - we walk. Wir verlassen diesen Platz daher unter Protest", sagt Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

GLOBAL 2000 kritisiert, dass über wichtige Fragen nicht ernsthaft diskutiert wird: Die entscheidende Frage der Erhöhung der Ambition vor 2020 betreffend ist das einzige Ergebnis, dass Japan seine Ziele verringert. Wie als Hohn findet sich im Text dann die "dringende Aufforderung" an alle Staaten ihre Ziele zu erhöhen. "Viele Staaten wollen darüber aber erst gar nicht reden und auch die EU bleibt bei ihrem niedrigen Ziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent zu senken, obwohl es nicht mehr viel bedeutet, da mit 2012 bereits eine Reduktion um 18 Prozent verzeichnet wird - Jahre der Untätigkeit zeigen keine Vorreiterrolle. Es redet niemand ernsthaft über angemessene Klimaziele. Vor allem die Industriestaaten, die bereits in Kopenhagen den Lead übernehmen sollten, lassen hier völlig aus, eine Führungsrolle ist nicht erkennbar - und das ist ein Grund, warum niemand folgt", erklärt Wahlmüller.

Das Dokument wiederum, das als Startpunkt für das Klimaabkommen bis 2015 gelten soll, ist voll mit Allgemeinplätzen, selbst praktische Fragen wie die Vereinbarung eines Zeit- und Arbeitsplans scheinen schwierig zu erreichen. "Es wird viel Zeit mit Nebensächlichkeiten verbracht, die inhaltliche Diskussion kommt viel zu kurz", sagt der Klimasprecher von GLOBAL 2000. Der Green Climate Fund, der 2010 groß präsentiert wurde, ist immer noch nicht aufgesetzt. "Versprechungen, die gemacht werden, müssen auch eingelöst werden - auch Österreich als eines der reichsten Länder der Erde sollte klar machen, dass es zu seiner Verantwortung steht und die ärmsten Länder der Erde im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt. Hier ist es aber bisher zu keinen nennenswerten Fortschritten gekommen, was neue und zusätzliche finanzielle Mittel betrifft", kritisiert Wahlmüller.

Die Klimakonferenz selbst nahm zuletzt immer groteskere Züge an:
Nicht genug, dass die Stahlindustrie, Hersteller von Atomkraftwerken und Fluggesellschaften hier als offizielle Sponsoren auftreten und die Kohleindustrie eine Parallelkonferenz veranstaltete, bei der Christina Figueres als offizielle Vertreterin der UN eine Rede hielt, wurde wenige Tage vor dem Ende der Klimakonferenz auch noch der polnische Umweltminister entlassen und damit der Vorsitzende der Klimakonferenz quasi auf den Status eines Privatmanns herabgestuft. "Was hier passiert, sind keine ernsthaften Verhandlungen. Millionen Menschen drohen zu Klimaflüchtlingen zu werden, Millionen drohen von Hunger und Wasserknappheit betroffen zu werden und Millionen drohen durch Klimaextreme ihr Hab und Gut zu verlieren. Aber hier wird Klimawandel nicht einmal ignoriert. Wir werden daher heute diesen Platz verlassen. Genug ist genug", protestiert Johannes Wahlmüller.

Fotos der für 14h angesetzten Aktion kurz später unter:
http://www.flickr.com/photos/foeeurope

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