"Kleine Zeitung" Leitartikel: "Spätes Geständnis macht Schwindelei nicht besser" (Von Adolf Winkler)

Ausgabe vom 21.11.2013

Graz (OTS/Vorausmeldung) - Eine Kronzeugenregelung, die ihn vor Strafe bewahrt, wird Josef Kircher nicht bekommen. Am Montag erklärte er sich für unschuldig, gestern erfasste den Ex-Hypo-Manager beim Prozess über den Vorzugsaktiendeal 2006 der Kärntner Skandalbank die Reue. Geständig packte er aus, alle hätten vom Schwindel mit falschem Eigenkapital, an dem Promis verdienten, gewusst.

Für eine mildere Strafe reicht das allemal. Nicht zufällig heißt der Anwalt Kirchers Richard Soyer. Der vertritt auch den Steuerberater Dietrich Birnbacher, der für ein Pimperl-Gutachten zum Hypo-Verkauf sechs Millionen Euro kassierte.

Im Prozess gegen Ex-ÖVP-Landesrat Josef Martinz ließ Birnbacher nach erstem Leugnen mit einem Geständnis die Bombe platzen, dass man das Geld mit Jörg Haider zu dritt aufteilen sollte. Birnbacher wurde dafür zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr bedingt, verurteilt - sein Anwalt Soyer berief gegen die Strafhöhe. Der OGH wird erst entscheiden.

Nicht zuletzt der Telekom-Skandal hat gezeigt, dass viele kriminelle Machenschaften erst dann aufgedeckt und strafrechtlich geahndet werden können, wenn aus dem inneren Täterkreis das Schweigen und Lügen durchbrochen wird. Zahlreiche Angeklagte vom Werbeagenten Gernot Rumpold bis zum Lobbyisten Peter Hochegger fassten nur deshalb (nicht rechtskräftige) Haftstrafen aus, weil der Ex-Telekom-Controller Gernot Schieszler umfassend auspackte.

Dank der Kronzeugenregelung, die ihm das Strafgericht zuerkannte, kam Schieszler selbst mit einer Diversion - Teilwiedergutmachung von 300.000 Euro Schaden und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit -glimpflich davon.

Kircher ist mit seinem Geständnis der Erste, der die Mauer des Schweigens in der einstigen Führungsclique bei der Hypo durchbricht. In allen bisherigen Prozessen hat noch keiner den Mumm gehabt, auszupacken. Bei Kircher ist aber auch die Beweislage derart erdrückend, dass er wohl nur die Flucht nach vorne gesucht hat. Rund ein Dutzend Mal hat er eigenhändig jene Put-Optionen unterschrieben, die prominente Investoren von Ingrid Flick und ihrer Stiftung bis Ronny Peciks Unaxis Stiftung garantierte Gewinne zuschanzten.

Die Bank selbst frettete hingegen mit aus der Sicht der Anklage getürktem Eigenkapital dahin. Kirchers Aussage, dem Hypo-Management wäre klar gewesen, "es ist eine Schwindelei, mit der man sich bis 2009 hinüberrettet", lässt einem nachträglich die Grausbirnen über die katastrophale Qualität der Bankführung aufsteigen. ****

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