• 18.11.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein Kontinent von Exporteuren - von Herbert Geyer

Wer sein BIP im Export erarbeitet, macht sich vom Ausland abhängig

Utl.: Wer sein BIP im Export erarbeitet, macht sich vom Ausland
abhängig =

Wien (OTS) - Eigentlich sind die jüngsten Zahlen zur Leistungs- und
Handelsbilanz der EU und der Eurozone (siehe S. 16) überaus
erfreulich: Die Eurozone erwirtschaftet gegenüber dem Rest der Welt
regelmäßig Überschüsse und jetzt hat auch die EU insgesamt ihr
Handelsdefizit in ein steigendes Plus umgewandelt. Das bedeutet
zusätzliches Wachstum - und Wachstum ist das, was Europa derzeit
fehlt, leidet doch der Konsum unter krisenbedingt gesunkenen
Einkommen und auch die Investitionen sind bei Weitem noch nicht dort,
wo sie schon einmal waren.

Erfreulich auch, dass speziell die Krisenstaaten im Süden der
Eurozone ihre Handelsbilanzen verbessern konnten. So hat der
schmerzhafte Anpassungsprozess, der dort durch die von EU und IWF
eingeforderten Sparpakete erzwungen wurde, zumindest den positiven
Effekt, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert zu haben - wenn sich
schon der Erfolg in den Staatshaushalten nicht einstellen mag, weil
mit jedem Sparpaket die Einnahmen weiter sinken und die Ausgaben für
die Arbeitslosen weiter steigen.

Und was die jüngsten Zahlen so besonders bemerkenswert macht: Die
europäischen Handelsbilanzen haben sich vor allem gegenüber Ländern
markant verbessert, die selbst als Musterbeispiele erfolgreicher
Exportwirtschaft gelten: Seit Jahresbeginn haben die EU-Staaten mehr
nach Südkorea exportiert, als sie von dort eingeführt haben, und die
Eurozone hat sogar gegenüber Japan erstmals eine positive
Handelsbilanz.

Ein zweiter Blick auf die Zahlen trübt freilich die Freude: Abgesehen
von Griechenland, Spanien und Portugal, wo die Exporte (von einem
sehr niedrigen Ausgangswert) tatsächlich gestiegen sind, stammt die
Verbesserung der Handelsbilanzen praktisch ausschließlich davon, dass
die Importe stärker zurückgegangen sind als die - fast überall
ebenfalls rückläufigen - Exporte. Hauptursache der verbesserten
Handelsbilanz ist also die Nachfrage-Schwäche im Inland, nicht die
Kauflust im Ausland. Das gilt insbesondere auch für die europäische
Konjunkturlokomotive Deutschland, deren Importe seit Jahresbeginn um
zwei Prozent sanken, ihre Exporte aber nur um ein Prozent.

Und zudem rufen die aktuellen Zahlen in Erinnerung, dass
Außenhandelserfolge natürlich auch Abhängigkeit bedeuten: Wer einen
beträchtlichen Teil seines BIP im Export erwirtschaftet, spürt
natürlich auch jeden Konjunktureinbruch in einem wichtigen
Abnehmerland ganz direkt.

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