- 12.11.2013, 18:33:30
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "LandesHAUPTleute"
Ausgabe vom 13. November 2013
Utl.: Ausgabe vom 13. November 2013 =
Wien (OTS) - Die bisherigen Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und
ÖVP scheinen geprägt zu sein von Landes-Chefs und Sozialpartnern.
Oberösterreichs Josef Pühringer verhandelt das Budget, Salzburgs
Haslauer die Bildung. Dazu die VP-Granden aus Vorarlberg, Steiermark.
Von SP-Seite werden Hans Niessl (Burgenland) und Josef Ackerl
(Oberösterreich) ins Rennen geschickt. Hohe Gewerkschafts- und
Wirtschaftsbund-Funktionäre komplettieren das Bild. Minister und
Abgeordnete spielen eine geringe Rolle.
Womit ein Weg für die kommenden fünf Jahre vorgezeichnet ist.
Österreich wird wohl noch ein Stück föderaler werden. Inhaltlich
müssen Landespolitiker ihre bundespolitische Kompetenz erst verdauen.
Die Budgetloch-Debatte lief völlig aus dem Ruder, für Politik-Berater
wird es künftig als Beispiel dienen, wie politische Kommunikation auf
gar keinen Fall ablaufen darf.
Immerhin haben die Landes-Politiker gelernt, dass das Budgetloch, das
in seiner virtuellen Ausformung zuletzt 40 Milliarden Euro ausmachte,
ihren lebenswichtigen Finanzausgleich bedroht. Also: Es gibt kein
Budgetloch. Gut so, denn eine auf bloße Annahmen gestützte
Fakten-Debatte hat noch nie zum Ziel geführt.
Das Beispiel zeigt aber, dass die Überlegung, Österreich noch
föderaler zu machen, möglicherweise auch mit Makel behaftet ist. Ob
die Herren Faymann und Spindelegger dies mit Absicht laufen ließen,
ist nicht überliefert.
Aber auch nicht sehr wahrscheinlich, denn die Koalitionsverhandlungen
entpuppen sich derzeit insgesamt als ziemlich richtungslos. Die acht
Hauptverhandlungsgruppen haben sich in ich-weiß-nicht-wie-viele
Untergruppen zersplittert, die wiederum Arbeitsgruppen zu manchen
Themen einsetzten. Ob da noch alle wissen, was wo besprochen wird,
sei dahingestellt.
Jedenfalls ist das Thema Budget jetzt zum Chef-Thema gemacht worden,
Kanzler und Vizekanzler machen sich nun untereinander aus, wohin die
Reise bis 2018 führen soll.
Wenn dies bei der Bildung auch noch passiert, was nach dem
archaischen Vorschlag eines Elite-Gymnasiums leicht passieren kann,
hätten sich beide Parteien die Verhandlungs-Teams sparen können.
Sollen doch gleich die Chefs entscheiden, wie sie es wollen. Was aber
auch nicht einfach geht, denn da gibt es noch die beiden
Landeshauptleute Pröll und Häupl. Die sitzen übrigens in keinem
Verhandlungs-Team.
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