• 11.11.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mol ereilt OMV-Schicksal - von Marijana Miljkovic

Ungarn bekommt die eigene Politik gegenüber Partnern zu spüren

Utl.: Ungarn bekommt die eigene Politik gegenüber Partnern zu spüren =

Wien (OTS) - Ein Vertrauensverhältnis zugunsten des kroatischen
Erdölunternehmens Ina konnten der ungarische Mineralölkonzern Mol und
die kroatische Regierung nie so richtig aufbauen. Die Krise erreichte
dieser Tage ihren Höhepunkt. Die Mol, der die Übernahme der Mehrheit
an ihrer kroatischen Tochter Ina nie geglückt war, leitete den
Verkauf ihres Anteils in die Wege. Mol und Ungarn bekamen in Kroatien
jene Politik zu spüren, die sie in der Vergangenheit ihrem ehemaligen
strategischen Partner angedeihen hatten lassen - der österreichischen
OMV.

Die Gründe für das Ausbremsen der OMV vor vier Jahren in Ungarn und
das Behindern der Mol durch die kroatische Regierung jetzt sind
unterschiedlich. Während für den Rückzug der Österreicher aus Ungarn
letztlich die EU-Kommission ausschlaggebend war, haben Kroatiens
Gründe mehr Brisanz: Mol-Chef Zsolt Hernadi steht unter Verdacht,
Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader bestochen zu haben, damit die Mol
2009 die Führung der Ina übernimmt, ohne die Aktienmehrheit zu haben.
Das Misstrauen der Kroaten erfuhr mit der Verurteilung Sanaders eine
Bestätigung.

Kroatien ignorierte aber, dass ein Konzern wie Ina, will er wirklich
für die Energiestabilität der Region garantieren, professionelle
Führung, Kontinuität und strategische Planung braucht. Das kann ein
Staat wie Kroatien nicht gewährleisten, weil die politische
Einflussnahme zu groß ist und ein Unternehmen Managerwechsel nach
Proporz nicht verträgt. Eine Rolle in der Hilflosigkeit des Staates
spielt auch die Öffentlichkeit, die das vermeintliche Industriejuwel
Ina nicht hergeben will. Der öffentliche Druck führte zu einem
ständigen Kräftemessen zwischen Mol und dem Staat, der die
Weiterentwicklung verhinderte.

Wenn die Ungarn ihre Drohung wahr machen, bleibt Kroatien nicht viel
übrig. Eine Wiederverstaatlichung kommt aufgrund der angespannten
Finanzsituation nicht infrage, da auf Kroatien nur wenige Monate nach
dem EU-Beitritt ein Defizitverfahren zukommt. Das Feld wird also
einem Player außerhalb der EU überlassen werden müssen. Die EU, die
sich gegen Energieabhängigkeit, vor allem von Russland, gewehrt hat,
hat sich bisher nicht eingemischt. Das macht stutzig. Vielleicht
hofft Brüssel, dass Ungarn und Kroatien doch Frieden schließen.

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