• 08.11.2013, 10:09:15
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Medikamentenabgabe bei Spitalsentlassungen noch immer unbefriedigend gelöst

Enorme Probleme gibt es vor allem am Wochenende, weil sich Spitalsbetreiber und Sozialversicherungen nicht einig sind

Utl.: Enorme Probleme gibt es vor allem am Wochenende, weil sich
Spitalsbetreiber und Sozialversicherungen nicht einig sind =

Wien (OTS) - "Die Medikamentenabgabe bei Spitalsentlassungen ist nach
wie vor unbefriedigend gelöst, vor allem am Wochenende", so MR Dr.
Dietmar Baumgartner, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der NÖ
Ärztekammer. "Die Patientinnen und Patienten bekommen in der Regel
keine Rezepte, sondern Entlassungsbriefe mit Vorschlägen für eine
medikamentöse Therapie. Diese sind aber nicht mit den Krankenkassen
verrechenbar", beklagt sich der Chef der niedergelassenen Ärzte in
Niederösterreich.

So gibt es derzeit eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder der
Patient bezahlt den Privatpreis der Medikamente oder der Apotheker
gibt das Medikament unentgeltlich und vor allem ohne Rezept aus, was
eigentlich sogar verboten ist. Dann bleibt ihm allerdings nur die
Hoffnung, dass das Medikament auch von der Kasse bewilligt wird, was
leider nicht selbstverständlich ist. "Von uns niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzten im Wochenendnotdienst kann man auch nicht
verlangen, dass sie ihre kostbare Zeit zum Umschreiben der
Entlassungsbriefe auf Rezepte vergeuden", ist Dr. Baumgartner
überzeugt.

Ökonomierichtlinien machen Sinn, müssen aber im ganzen System
identisch und verbindlich gelten

Das eigentliche Problem beginnt jedoch früher, weiß Dr. Christoph
Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer: "Während alle Ärztinnen und
Ärzte mit Kassenvertrag zur ökonomischen Verschreibung verpflichtet
sind und diese auch vorbildlich durchführen, sind die Ärztinnen und
Ärzte in den Spitälern an Medikamente gebunden, die von den
Spitalsapotheken beschafft werden." Diese sind jedoch groteskerweise
nicht den gleichen Ökonomierichtlinien verpflichtet, die im
niedergelassenen Bereich gelten. "Das führt dazu, dass eben teure
Medikamente zur Erstverschreibung an Spitäler verschenkt werden, die
dann auch im niedergelassenen Bereich weiterverordnet werden müssen,
weil es medizinisch nicht mehr anders geht", so der
Ärztekammerpräsident.

Die Folge sind benötigte chefärztliche Bewilligungen, die aber
nicht am Wochenende durchgeführt werden können. "Unsere
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind an den Wochenenden zwar für
medizinische Notfälle gerne im Einsatz, die Bewilligung von
Medikamenten scheitert aber schon daran, dass die ÄrztInnen des
chefärztlichen Dienstes am Wochenende nicht verfügbar sind. Die
Situation ist jedenfalls sehr unbefriedigend und das ausschließlich
deshalb, weil sich die Landeskliniken-Holding seit Jahren nicht mit
der Kasse über einen vernünftigen Modus einigen kann."

Es kann nicht sein, dass Ärzte und Apotheker für Verfehlungen
des Systems angeschwärzt werden

Eine mögliche Lösung wäre laut Dr. Baumgartner, dass im
Krankenhaus bei Entlassungen am Wochenende genau so viel vom
benötigten Medikament gleich mitgegeben wird, dass der Patient erst
am nächstmöglichen Werktag zur Besprechung der Weiterbehandlung und
Verschreibung der dafür notwendigen Medikation zum niedergelassenen
Arzt muss. "Das wäre aus Sicht aller Beteiligten, vor allem aus Sicht
der Patientinnen und Patienten das Beste. Von den Apothekerinnen und
Apothekern kann jedenfalls auch keine Vorleistung verlangt werden,
die dann möglicherweise nicht ersetzt wird."
"Die Sozialversicherungen und Spitalsbetreiber sind der
Patientenschaft gegenüber verpflichtet. Und nicht die Berufsgruppen,
die am Wochenende die Versorgung von Akutfällen übernehmen sollen",
so Präsident Dr. Reisner weiter. "Es kann also nicht angehen, dass
diensthabende Ärzte und Apotheker angeschwärzt und medial
angeprangert werden, nur weil das dahinterliegende System seit Jahren
keinen vernünftigen Lösungsansatz parat hat."

Geeignete Lösungen im Sinne der Patientinnen und Patienten
sind längst fällig

Kurienobmann Dr. Baumgartner und Präsident Dr. Reisner sind sich
einig, dass solche Probleme im Zuge der bevorstehenden
Gesundheitsreform gelöst werden müssen. Doch da hört man mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weder auf die Ärzte- noch
die Apothekerschaft, da man alle an der Behandlung der Patientinnen
und Patienten beteiligten Berufsgruppen von vornherein von den
Verhandlungen ausgeschlossen hat.

Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist ganz klar: "Wir brauchen
keine Landes-Zielsteuerungskommissionen und weiteren zusätzlichen
Verwaltungs- und Bürokratiegremien. Wir brauchen stattdessen
vernünftige Lösungen im Sinne der Patientinnen und Patienten. Wir
werden daher als Ärztevertreter so gut wie möglich darauf achten,
dass nur sinnvolle Reformansätze durchgeführt werden. Denn als
Sündenböcke für Verfehlungen der Politik lassen wir unsere
Berufsgruppe sicher nicht einspannen."

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