WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Restitution ist ein Minenfeld - von Eva Komarek

Restitution wird man niemals gesetzlich, sondern nur moralisch lösen

Wien (OTS) - In New York gehen gerade die großen Auktionen für Impressionismus und Moderne über die Bühne, in Wien finden ab heute die beiden größten Kunst- und Antiquitätenmessen statt. Doch die Aufmerksamkeit der Kunstwelt gehört dem spektakulären Kunstfund von München. Es ist die größte Entdeckung verloren geglaubter Kunstwerke seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Kunstexpertin Meike Hoffmann, die von der Staatsanwaltschaft mit der Begutachtung betraut wurde, arbeitet seit 20 Monaten daran und hat noch nicht einmal einen ersten Überblick. Dennoch ist die Maschinerie um Besitzansprüche bereits losgegangen. Das Zentralregister für Raub- und Beutekunst in London ebenso wie das US State Department wurden bei der deutschen Regierung vorstellig und fordern die Liste ein. Deutsche Museen und auch viele Privatpersonen wollen Auskunft. Es geht um Restitution und das ist ein Minenfeld, gesetzlich wie moralisch. Und nicht zuletzt ist es auch Big Business, an dem Provenienzforscher und Rechtsanwälte, die auf der Grundlage von Gewinnbeteiligungen arbeiten, Millionen verdienen. Die Washingtoner Erklärung von 1998 sieht eine Restitution aus moralischen Gründen vor, bezieht dies aber nur auf Raubkunst im öffentlichen Besitz. Im Fall Cornelius Gurlitt handelt es sich um Privatbesitz. Der Druck ist groß, denn geht es um das Leid und Unrecht, das den Juden unter Hitler zugefügt wurde, werden rasch Schuldige gesucht. Die Staatsanwaltschaft Augsburg denkt laut deutschen Medienberichten also schon über eine juristische Konstruktion nach, die eine Enteignung von Gurlitt möglich machen soll. Im Fall Gurlitt vielleicht eine Möglichkeit, falls es sich um Unterschlagung handelt, bei Privatpersonen, die Kunst im guten Glauben erworben haben, wohl keine gangbare Lösung. Denn ist eine private Person, die nichts mit den Gräueltaten der NS-Zeit zu tun hatte, moralisch zur Rückgabe eines rechtmäßig erworbenen Werks verpflichtet? Das kann wohl nur individuell beantwortet werden und niemals gesetzlich, sondern nur durch moralische Selbstverpflichtung gelöst werden.

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