Starphilosoph Richard David Precht: Plädoyer für eine rasche Bildungsrevolution

Hochkarätig besetzter "18. Wiener Kulturkongress" der Österreichischen Kulturvereinigung

Wien (OTS) - Eine "Totalrevolution" unseres gesamten Bildungssystems forderte der deutsche Starphilosoph Richard David Precht beim hochkarätig besetzten "18. Wiener Kulturkongress" in der Diplomatischen Akademie in Wien, bei dem neben Precht viele andere Experten , darunter Hannes Androsch, IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und der Direktor des Instituts der deutscher Wirtschaft Michael Hüther referierten.

Precht gab zunächst einen Überblick über das speziell im deutschen Sprachraum bestehende Bildungssystem, dessen Ausformungen bis ins Mittelalter zurück reichten. Besonders die immer rascheren technischen Entwicklungen - Precht nannte beispielhaft Internet, smartphone und die kommende Google-Brille - forderten eine rasche Anpassung "unserer teilweise uralten Strukturen an die Technik des 21. Jahrhunderts". Basiswissen sollte über das Internet erlernt werden, dafür "brauchen wir keine traditionellen Schulklassen". Ab dann sollte das überkommene Lernsystem durch "themenbezogenes und themenübergreifendes Projektgruppenlernen" ersetzt werden, dies komme Neigungen und Talenten einzelner Schüler und Studierender am ehesten entgegen. Wissenslernen sei durch "Lernen lernen" abzulösen, der Schüler und Student müsse aus seiner passiven Rolle herausgelöst und in eine aktive Rolle übergeführt werden: "Der Begriff ,Vorlesung' stammt aus einer Zeit, als nur einer ein Buch besaß und er all den anderen, die Analphabeten waren und kein Buch ihr eigen nannten, vorlasen". Das Arbeiten in Projekt- bzw. Themengruppen fördere überdies Solidarität und Sozialkompetenz der Studierenden.

Zwischen Bildung und Ausbildung sei keinerlei Gegensatz zu sehen, konstatierte Precht: "Diese beiden Begriffe ergänzen einander und gehören zusammen". Für eine Allgemeinbildung sei eine Lanze zu brechen, aber nicht für "angelerntes Wissen, das man kaum verstanden und nach Prüfungen daher bald wieder vergessen hat". Begabungen seien zu fördern, dies geschehe aber nicht dadurch, dass man sie "mit Wissen vollstopft", sondern indem man ihren Talenten thematisch und methodisch entgegen komme. Diskussionen über Ganztags- und Gesamtschule hält Precht für einen "Ausfluss der Ideologien von gestern". Über eine Kindergartenpflicht ab dem 3. Lebensjahr sei zu diskutieren.

Precht, der jahrelang pädagogische Modelle studierte und verglich, meinte, es sei in den deutschsprachigen Ländern "schon weit nach Zwölf", würde man "das Beharrungsvermögen der Syteme" nicht überwinden, verlören unsere Länder weiter den "Bildungsanschluss":
"Man kann im Bildungswettbewerb des 21. Jahrhunderts nicht mit den Methoden des Mittelalters und des 19. Jahrhunderte bestehen." Seine Erfahrungen und Vorschläge hat Precht in seinem neuesten Buch "Anna, die Schule und der liebe Gott - Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern" (Goldmann) nieder geschrieben.

Veranstalter des alljährlich stattfindenden Wiener Kulturkongresses sind die Österreichische Kulturvereinigung, das Außenministerium, die Diplomatische Akademie sowie TrendConsult.

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