Naderer warnt vor Ausverkauf von Agrarflächen ans Ausland

Internationale Agrarkonzerne bedrohen selbständige Versorgung Österreichs mit landwirtschaftlichen Produkten

St. PÖlten (OTS) - Vor dramatischen Entwicklungen in der Landwirtschaft aber auch in der Versorgung der Bevölkerung mit heimischen landwirtschaftlichen Produkten warnte heute LAbg Walter Naderer in der Debatte des nö Landtages zum Grünen Bericht 2012.

Zum einen, so Naderer, gibt es die auch internationale Entwicklung, dass es, wie im Weinviertel weniger Betriebe, diese dafür aber mit größerer Fläche gibt. So hat sich z.B. im Bezirk Hollabrunn die Gesamtzahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe seit 1999 um mehr als 40% verringert. Gleichzeitig hat sich aber die Zahl von Betrieben mit über 50ha Bewirtschaftungsfläche um fast ein 1/3 erhöht.

Dabei warnt Naderer vorm Ausverkauf von Ackerfläche an multinationale Agrarkonzerne: "Da kann es mittelfristig schon passieren, dass wir in NÖ genug landwirtschaftliche Produkte produzieren um ganz Österreich zu ernähren, aber die Konzerne die dann alles bewirtschaften, die Produkte z.B. lieber nach China verkaufen und wir Österreicher selbst unsere Lebensmittel wieder importieren müssen!"

Ursache dieser Entwicklung sind zunehmende Spekualtionstendenzen wegen ständig steigender Pachtsätze und damit parallel ansteigenden Grundstückspreisen. Daher, so Naderer werden neue Formen von Grundbesitzgemeinschaften oder Genossenschaften notwendig sein, um einen Ausverkauf von Grund und Boden an multinationale Investoren und Agrarindustrie zu verhindern. "Für die heimischen Bauern sind die gegenwärtigen Grundstückspreise bereits an der Grenze rentabler Finanzierbarkeit" so Naderer: "Der Agrarindustrie, die in den Nachbarländern schon als Systembetreiber großer Betriebe auftritt, spielt noch ein anderes Phänomen in die Hände, jenes der zunehmenden Verwaltung und Bürokratie: Die Administration eines 150 HA Betriebes ist ähnlich aufwendig wie die eines 1500 HA Betriebes, bloß mit dem Unterschied, dass sich der 1500 HA Betreib für die Administration einen Verwaltungsapparat leisten kann und der 150HA Bauer alles selbst in Kooperation mit der Interessenvertretung oder einem Fremddienstleister erledigen muss."

Statt Essiggurkerln aus dem Marchfeld, kommen die auch schon aus Indien

Naderer verwies dann auch auf eine weitere fast schon skurrile Entwicklung bei landwirtschaftlichen Produkten. " Die NÖ Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion produziert in vielen Fällen am Verkaufsregal vorbei", sagte Naderer und nennt Beispiele:
1. Qualitätsweizen aus NÖ wird überwiegend exportiert dafür wird minderwertigerer Mahlweizen, der um 5,- Euro pro Tonne billiger ist, für die Verarbeitung in heimischen Mühlen importiert.
2. Schlachtschweine werden aus mehreren Ländern Europas in österreichische Schlachthöfe verbracht. Die verpackten Produkte tragen an der Rampe dieser Schlachthöfe bereits eine österreichische Herkunftsbezeichnung, wobei der einzige Kontakt zu Österreich für das Tier das Fleischermesser war.
3. Heimische Tiefkühlprodukte und Konserven werden verdrängt, weil Fertignahrung importiert wird. Heimische Konserven verschwinden fast gänzlich, weil zunehmend Konserven aus Asien - mit "austrofizierter Landidylle" etikettiert - in den Regalen landen: Maiskolben aus Thailand, Dosenspargel aus China und Essiggurkerl nicht aus Retz oder der benachbarten Traditionskonservenregion Znaim, sondern aus Indien! 4. Der absolute Clou sind aber einige Premiumprodukte diverser Handelsketten, die zwar Eigenmarken sind, aber durchaus auch von österreichischen Verarbeitern geliefert werden könnten. So sind z.B. die Premium Chips der Handelskette SPAR keine aus österreichischer Produktion. Sie kommen auch nicht aus östlichen Nachbarländern oder der Türkei. Die Premium CHIPS von Spar kommen aus dem scheinbaren Billiglohnland Schweiz!

Neue Steuer-Belastungen kommen auf Nebenerwerbslandwirte zu

Auch für den Nebenerwerbsbereich sieht die Zukunft alles andere als rosig aus, stellt Naderer fest: "Lagen früher die Nebeneinkünfte nicht nur in der klassischen Erwerbsform der pflanzlichen und tierischen Nahrungsproduktion, sondern auch in Nebentätigkeiten wie Heurigenausschank, Zimmervermietung und Pferdebetreuung, so sind gerade diese Nebentätigkeiten ins Visier der heimischen Steuereintreiber geraten."

Pferdeinstellung beim Bauern wird um 20 Prozent teurer

Naderer verweist dazu auf eine Neuerung ab 1.Jänner .2014. Ab dann sollen alle pauschalierten landwirtschaftlichen Betriebe mit Gesamteinnahmen von über 30.000 Euro für zusätzliche gewerbliche Dienstleistungen wie die der Pferdeeinstellung, deren Futterbeschaffung und Futterverabreichung 20 Prozent Umsatzsteuer verrechnen, eine Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) machen und die Umsatzsteuer abführen. Von diesem Plan sind in NÖ mehrere hundert Kleinbauern betroffen, die zuvor Investitionen in die Pferdehaltung getätigt, ohne den entsprechenden Vorsteuerabzug geltend gemacht zu haben. Naderer: "Solche Steuerhürden erschweren nicht nur die Betriebsführung von Nebenerwerbslandwirten sondern untergraben auch langjährige Anstrengungen der Agrarpolitik. Auch stellt sich die Frage, wo beim Zustandekommen dieser Belastungen für NÖs Bauern die Landwirtschaftskammer als Interessensvertretung und deren lautstarker Protest denn war! Da ist es scheinbar bei der geballten Faust im Hosensack geblieben."

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