• 07.11.2013, 14:00:36
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Naderer warnt vor Ausverkauf von Agrarflächen ans Ausland

Internationale Agrarkonzerne bedrohen selbständige Versorgung Österreichs mit landwirtschaftlichen Produkten

Utl.: Internationale Agrarkonzerne bedrohen selbständige Versorgung
Österreichs mit landwirtschaftlichen Produkten =

St. PÖlten (OTS) - Vor dramatischen Entwicklungen in der
Landwirtschaft aber auch in der Versorgung der Bevölkerung mit
heimischen landwirtschaftlichen Produkten warnte heute LAbg Walter
Naderer in der Debatte des nö Landtages zum Grünen Bericht 2012.

Zum einen, so Naderer, gibt es die auch internationale Entwicklung,
dass es, wie im Weinviertel weniger Betriebe, diese dafür aber mit
größerer Fläche gibt. So hat sich z.B. im Bezirk Hollabrunn die
Gesamtzahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe seit 1999 um
mehr als 40% verringert. Gleichzeitig hat sich aber die Zahl von
Betrieben mit über 50ha Bewirtschaftungsfläche um fast ein 1/3
erhöht.

Dabei warnt Naderer vorm Ausverkauf von Ackerfläche an multinationale
Agrarkonzerne: "Da kann es mittelfristig schon passieren, dass wir in
NÖ genug landwirtschaftliche Produkte produzieren um ganz Österreich
zu ernähren, aber die Konzerne die dann alles bewirtschaften, die
Produkte z.B. lieber nach China verkaufen und wir Österreicher selbst
unsere Lebensmittel wieder importieren müssen!"

Ursache dieser Entwicklung sind zunehmende Spekualtionstendenzen
wegen ständig steigender Pachtsätze und damit parallel ansteigenden
Grundstückspreisen. Daher, so Naderer werden neue Formen von
Grundbesitzgemeinschaften oder Genossenschaften notwendig sein, um
einen Ausverkauf von Grund und Boden an multinationale Investoren und
Agrarindustrie zu verhindern. "Für die heimischen Bauern sind die
gegenwärtigen Grundstückspreise bereits an der Grenze rentabler
Finanzierbarkeit" so Naderer: "Der Agrarindustrie, die in den
Nachbarländern schon als Systembetreiber großer Betriebe auftritt,
spielt noch ein anderes Phänomen in die Hände, jenes der zunehmenden
Verwaltung und Bürokratie: Die Administration eines 150 HA Betriebes
ist ähnlich aufwendig wie die eines 1500 HA Betriebes, bloß mit dem
Unterschied, dass sich der 1500 HA Betreib für die Administration
einen Verwaltungsapparat leisten kann und der 150HA Bauer alles
selbst in Kooperation mit der Interessenvertretung oder einem
Fremddienstleister erledigen muss."

Statt Essiggurkerln aus dem Marchfeld, kommen die auch schon aus
Indien

Naderer verwies dann auch auf eine weitere fast schon skurrile
Entwicklung bei landwirtschaftlichen Produkten. " Die NÖ
Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion produziert in vielen
Fällen am Verkaufsregal vorbei", sagte Naderer und nennt Beispiele:
1. Qualitätsweizen aus NÖ wird überwiegend exportiert dafür wird
minderwertigerer Mahlweizen, der um 5,- Euro pro Tonne billiger ist,
für die Verarbeitung in heimischen Mühlen importiert.
2. Schlachtschweine werden aus mehreren Ländern Europas in
österreichische Schlachthöfe verbracht. Die verpackten Produkte
tragen an der Rampe dieser Schlachthöfe bereits eine österreichische
Herkunftsbezeichnung, wobei der einzige Kontakt zu Österreich für das
Tier das Fleischermesser war.
3. Heimische Tiefkühlprodukte und Konserven werden verdrängt, weil
Fertignahrung importiert wird. Heimische Konserven verschwinden fast
gänzlich, weil zunehmend Konserven aus Asien - mit "austrofizierter
Landidylle" etikettiert - in den Regalen landen: Maiskolben aus
Thailand, Dosenspargel aus China und Essiggurkerl nicht aus Retz oder
der benachbarten Traditionskonservenregion Znaim, sondern aus Indien!
4. Der absolute Clou sind aber einige Premiumprodukte diverser
Handelsketten, die zwar Eigenmarken sind, aber durchaus auch von
österreichischen Verarbeitern geliefert werden könnten. So sind z.B.
die Premium Chips der Handelskette SPAR keine aus österreichischer
Produktion. Sie kommen auch nicht aus östlichen Nachbarländern oder
der Türkei. Die Premium CHIPS von Spar kommen aus dem scheinbaren
Billiglohnland Schweiz!

Neue Steuer-Belastungen kommen auf Nebenerwerbslandwirte zu

Auch für den Nebenerwerbsbereich sieht die Zukunft alles andere als
rosig aus, stellt Naderer fest: "Lagen früher die Nebeneinkünfte
nicht nur in der klassischen Erwerbsform der pflanzlichen und
tierischen Nahrungsproduktion, sondern auch in Nebentätigkeiten wie
Heurigenausschank, Zimmervermietung und Pferdebetreuung, so sind
gerade diese Nebentätigkeiten ins Visier der heimischen
Steuereintreiber geraten."

Pferdeinstellung beim Bauern wird um 20 Prozent teurer

Naderer verweist dazu auf eine Neuerung ab 1.Jänner .2014. Ab dann
sollen alle pauschalierten landwirtschaftlichen Betriebe mit
Gesamteinnahmen von über 30.000 Euro für zusätzliche gewerbliche
Dienstleistungen wie die der Pferdeeinstellung, deren
Futterbeschaffung und Futterverabreichung 20 Prozent Umsatzsteuer
verrechnen, eine Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) machen und die
Umsatzsteuer abführen. Von diesem Plan sind in NÖ mehrere hundert
Kleinbauern betroffen, die zuvor Investitionen in die Pferdehaltung
getätigt, ohne den entsprechenden Vorsteuerabzug geltend gemacht zu
haben. Naderer: "Solche Steuerhürden erschweren nicht nur die
Betriebsführung von Nebenerwerbslandwirten sondern untergraben auch
langjährige Anstrengungen der Agrarpolitik. Auch stellt sich die
Frage, wo beim Zustandekommen dieser Belastungen für NÖs Bauern die
Landwirtschaftskammer als Interessensvertretung und deren lautstarker
Protest denn war! Da ist es scheinbar bei der geballten Faust im
Hosensack geblieben."

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