• 06.11.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Munition für Populisten - von Alexander Hahn

Die Serie an Finanzmarkt-Manipulationen ist politisch hochgradig brisant

Utl.: Die Serie an Finanzmarkt-Manipulationen ist politisch
hochgradig brisant =

Wien (OTS) - Die Flut an juristischen Auseinandersetzungen im
Zusammenhang mit Manipulationen der Finanzmärkte ist schlichtweg
erschreckend.

Sie gibt nicht nur tiefe Einblicke in die zersetzte Moral, die in der
Hochfinanz um sich gegriffen hat, sie raubt den Bürgern beiderseits
des Atlantiks auch das letzte Fünkchen Vertrauen in die Branche.
Dabei handelt es sich übrigens um dieselben Akteure, die durch das
wissentliche Aufblähen der US-Immo-Blase im vorigen Jahrzehnt die
Weltwirtschaft an den Rand des Abgrunds manövriert haben.

Nach den Manipulationen der Referenzzinsen Libor und Euribor oder der
britischen Strompreise steht nun also auch der Vorwurf betrügerischen
Vorgehens von großen Ölgesellschaften im Raum: Über ein Jahrzehnt
sollen diese den Preis der Ölsorte Brent als lukrativen Spielball
genutzt haben und - selbstverständlich unter Zuhilfenahme einer
großen Wall-Street-Bank - diesen nach Gutdünken künstlich in die
jeweils gewünschte Richtung getrieben haben.

Sollten sich die Vorwürfe erhärten, muss sich die zuständige
Aufsichtsbehörde unangenehme Fragen gefallen lassen, wie unter ihren
offenbar nicht allzu wachsamen Augen Derartiges hat geschehen können.

Damit ist es aber längst nicht getan, denn die nicht enden wollende
Serie von Finanzmarktmanipulationen trägt inzwischen schon
politischen Sprengstoff in sich.

Die Regierungen sind im Eigeninteresse gefordert, sich diesem
unangenehmen Thema zu stellen und es einer glaubhaften Lösung
zuzuführen, um Derartiges künftig zu unterbinden - und zwar, bevor
die Bürger ihre Wut auf die Banken zu den Wahlurnen tragen. Dass es
sich damit hervorragend auf Stimmenfang gehen lässt, zeigt sich in
Ungarn, wo die Banken, darunter auch österreichische Vertreter, von
der Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban hart angefasst
werden.

In Österreich sind die Wahlen gerade geschlagen - und schon steht ein
neues Sparpaket im Raum. Selbstverständlich wegen der Hilfen für die
notverstaatlichten Banken, die sich immer stärker als Fass ohne Boden
erweisen. Es wäre wenig verwunderlich, würden auch heimische
Populisten künftig verstärkt Anti-Banken-Wahlkämpfe führen - und
regen Zulauf erhalten. Ob das gut ist für das Land, steht freilich
auf einem anderen Blatt.

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