- 04.11.2013, 14:12:52
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Smarte Mädchen im BFI Wien: Wider die Geschlechterklischees
Vier weibliche KFZ-Lehrlinge des BFI Wien machen ein Smart City Coupé nach einem Totalschaden wieder zu einem funktionstüchtigen Stadtflitzer.
Utl.: Vier weibliche KFZ-Lehrlinge des BFI Wien machen ein Smart
City Coupé nach einem Totalschaden wieder zu einem
funktionstüchtigen Stadtflitzer. =
Wien (OTS) - Frauen als "Benzinschwestern"? "Da ist doch nichts
dabei", sagt Melanie Steurer, KFZ-Lehrling in der Lehrwerkstätte des
BFI Wien. "Man muss den Mut haben, sich in einen Männerberuf zu
trauen", ergänzt Andrea Sochor. Auch ihre Kolleginnen Melanie Wölfig
und Barbara Busch sind sich einig: "Was Männer können, können Frauen
auch."
Das Smart fortwo City Coupé, das nach einem schweren Motorschaden
jetzt wieder betriebsbereit ist, veranschaulicht die Aussagen der
jungen Frauen: In vier Wochen Detailarbeit haben Steurer und ihre
Kolleginnen im Zuge ihrer überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA) die
Ursache für den Motorschaden ermittelt, den Motor in seine
Einzelteile zerlegt und nach erfolgreicher Reparatur wieder
zusammengesetzt.
Eine Vorgehensweise, die wegen des Kosten- und Zeitdrucks heute
oft gar nicht mehr unterrichtet wird: "Dieses Projekt verdeutlicht
nicht nur, dass die Stereotype in Sachen "Frauen und Autos" falsch
sind", erklärt BFI Wien-Geschäftsführer Franz-Josef Lackinger bei der
Präsentation des Wagens. "Es zeigt auch die Stärke der
überbetrieblichen Lehrausbildung: Anstatt den defekten Motor
lediglich zu tauschen, hatten die vier Mädchen bei uns die
Möglichkeit, die Diagnose, Kostenaufstellung und Reparatur eines
Motors von Grund auf zu erlernen. Damit sind sie für den Einsatz in
der KFZ-Branche bestens gerüstet."
Möglich wurde diese intensive Auseinandersetzung mit der Materie
vor allem auch durch die Expertise von Kristiyan Petrovic, Leiter des
Bereichs Kraftfahrzeugtechnik in der Lehrwerkstätte, und seiner
Mannschaft. "Unsere Ausbildnerinnen und Ausbildner bringen jahrelange
Erfahrung mit. Wir sind sehr dankbar, dass sie ihr wertvolles Wissen
mit Leidenschaft an die nächste Generation weitergeben", bedankt sich
Lackinger bei seinem Team.
Abseits traditioneller Rollenmuster
Busch, Sochor, Steurer und Wölfig gehören einer Minderheit an: So
lag der Frauenanteil im Lehrberuf KraftfahrzeugtechnikerIn im Jahr
2012 bei 3,1%*. "Immer noch wählen Mädchen zu einem Großteil (47,9
Prozent*) die drei gleichen Lehrberufe: Einzelhandelskauffrau,
Bürokauffrau, Frisörin", hält Lackinger fest.
Für AMS Wien-Geschäftsführerin Petra Draxl ein entscheidender
Punkt: "Wir wollen Mädchen Mut machen, sich für einen handwerklichen
oder technischen Beruf zu entscheiden, weil diese Bereiche fast immer
bessere Bezahlung und bessere Karrierechancen bieten als viele
klassische Frauenberufe. Es geht also auch darum, später ein
sicheres, wirtschaftlich unabhängiges Leben führen zu können." Die
Lehrabschlussprüfung ist die Eintrittskarte für eine erfolgreiche
Berufslaufbahn und entsprechende Jobchancen. "Das ist auch Grund
dafür, dass wir gemeinsam mit dem waff durch die Wiener
Ausbildungsgarantie allen Jugendlichen, die eine Lehre machen wollen,
einen sicheren Ausbildungsplatz ermöglichen", so Draxl.
Wehsely: "Mädchen können alles!"
"Das Projekt 'Smarte Mädchen' des BFI Wien beweist eindrucksvoll:
Mädchen können nicht nur alles, sie können mehr", zeigt sich die
stellvertretende Vorstandsvorsitzende des waff (Wiener
ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) GRin. Tanja Wehsely begeistert.
"Mädchen eine Ausbildung jenseits traditioneller Rollenmuster zu
ermöglichen, ist in Wien kein Schlagwort, sondern Programm. Im Rahmen
der Wiener Ausbildungsgarantie stellen wir daher von Anfang an
sicher, dass Mädchen unter für sie passenden Rahmenbedingungen die
Chance haben, Berufe wie KFZ-TechnikerIn, MechatronikerIn oder
IT-TechnikerIn kennen zu lernen. Warum wir das tun, liegt auf der
Hand: Derzeit gibt es rund 200 Lehrberufe, aus denen Mädchen wählen
können, mehr als die Hälfte entscheidet sich jedoch nach wie vor für
klassische 'Frauenberufe'." Die Berufswahl trage aber ganz
entscheidend zur Einkommenssituation bei. "Die klassischen
'Frauenberufe' sind in der Regel schlechter bezahlt als technisch
handwerkliche", betont Wehsely nochmals. Was in Sachen
Mädchenförderung in den überbetrieblichen Lehrwerkstätten, wie z.B.
im BFI Wien angeboten werde, sei jedenfalls "vorbildlich für alle
Ausbildungsbetriebe".
Wehsely unterstreicht außerdem, dass Bund und Stadt Wien insgesamt
54 Mio. Euro für die überbetriebliche Lehrausbildung im
Ausbildungsjahr 2013/2014 zur Verfügung stellen: "Damit schaffen wir
sichere Ausbildungsplätze für 3.000 Mädchen und Burschen, die sonst
keine Lehrstelle finden würden. Jeder Cent der 54 Mio. Euro zahlt
sich aus, denn es geht um nichts weniger als die Zukunft von jungen
Wienerinnen und Wienern." Die überbetriebliche Lehrausbildung sei das
Herzstück der Wiener Ausbildungsgarantie.
85% schaffen Abschlussprüfung auf Anhieb
Das BFI Wien ist eine von 15 Ausbildungseinrichtungen, die im
Auftrag des Arbeitsmarktservice Wien (AMS Wien) und mit
Co-Finanzierung durch den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds
(waff) in Wien überbetriebliche Lehrausbildungen durchführt.
Derzeit werden 459 Jugendliche in 18 Berufen ausgebildet.
Zusätzlich besuchen 106 Jugendliche integrative Ausbildungen. "Unser
Ziel ist es, dass jene Jugendlichen, die ihre Wunschlehrstelle nicht
in einem Betrieb gefunden haben, sofort in die Ausbildung einsteigen
können - und dann so rasch wie möglich in einen Betrieb wechseln",
erklärt Lackinger: "Ist das nicht möglich, können sie die Lehrzeit
zur Gänze in der überbetrieblichen Lehrwerkstätte absolvieren". Und
das mit Erfolg, wie die Statistik verdeutlicht: 2012 absolvierten 124
von 146 Lehrlingen (85%) am BFI Wien ihre Lehrabschlussprüfung in der
Wirtschaftskammer auf Anhieb positiv.
Die überbetriebliche Lehrausbildung sorge damit nicht nur für die
Ausbildung zukünftiger Fachkräfte und übernehme soziale
Verantwortung, sondern trage auch dazu bei, dass Österreich zu den
Ländern mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit Europas zählt, so
Lackinger. "Und es ist ein Gerücht, dem man endlich entgegensteuern
muss, dass Lehrlinge die eine überbetriebliche Lehre beginnen,
aufgrund mangelnder Qualifikation keine andere Lehrstelle gefunden
haben. Die Gründe sind vielfältig und oft ganz banal. So ist es für
viele kleinere Werkstätten beispielsweise oft kaum möglich einen
weiblichen KFZ-Lehrling aufzunehmen, weil schlicht die
vorgeschriebenen getrennten Garderoben und Sanitärräume fehlen."
Kunst trifft Pferdestärken: Warhol trifft Basquiat
Der Smart bleibt jedenfalls nicht nur ein Lehrstück, sondern
versieht künftig als mobiler Werbeträger seinen Dienst beim BFI Wien.
Als erster Kooperationspartner konnte das Bank Austria Kunstforum
Wien mit der aktuellen Ausstellung "Warhol / Basquiat" gewonnen
werden. Eine spektakuläre Beklebung und Graffitibesprayung des
"Writers" Mathias Seemann, die in Kooperation mit der Levin Statzer
Foundation (www.levin-statzer.at) entstanden ist, wirbt in den
nächsten Wochen für die extravagante Werkschau. "Das Bank Austria
Kunstforum Wien setzt sich seit vielen Jahren für Chancengleichheit
ein", erklärt Direktorin Ingried Brugger das Engagement. "Auch die
Kunst war lange Zeit eine Männer-Domäne. Ich finde es daher
unglaublich wichtig, Gleichheit schon in der Ausbildung zu leben."
Gleichheit - wenn auch unter anderen Gesichtspunkten - sei eines der
zentralen Themen der Ausstellung. "Ich bin mir sicher, dass diese
smarte Aktion den beiden Künstlern gefallen hätte: Warhol steht
prototypisch für die Artifizierung von Marken und war von Autos
derart angetan, dass es heute so etwas wie ein 'automobiles Werk'
gibt. Auch Basquiat liebte es, Autoreifen zu besprayen oder
comichafte Zeichnungen von Autos anzufertigen", so Brugger. "Dass
Matthias Seemann quasi Basquiats Werk fortsetzt, ist ein Beitrag, um
Kunst lebendig zu halten."
(*Quelle: Lehrlingsstatistik WKÖ - Wirtschaftskammer Österreich)
Alle Fotocredit: BFI Wien/Marko Zlousic
Bild 1:
v.li. Petra Draxl (AMS Wien), Franz-Josef Lackinger (BFI Wien) und
Tanja Wehsely (waff)
http://www.ots.at/redirect/Bild1
Bild 2:
v.li. Tanja Wehsely, Franz-Josef Lackinger und Petra Draxl mit dem
Smart.
http://www.ots.at/redirect/Bild2
Bild 3:
v.li. Tanja Wehsely, Franz-Josef Lackinger, Mathias Seemann, Petra
Draxl und die Smarten Mädchen
http://www.ots.at/redirect/Bild3
Bild 4:
v.li. Hannah Hradec (in Vertretung für Melanie Wölfig), Kristiyan
Petrovic, Andrea Sochor, Melanie Steurer, Barbara Busch.
http://www.ots.at/redirect/Bild4
Bild 5:
Hannah Hradec, Barbara Busch, Melanie Steurer, Andrea Sochor.
http://www.ots.at/redirect/Bild5
Bild 6:
Der von Mathias Seemann gestaltete Smart.
http://www.ots.at/redirect/Bild6
Bild 7:
Der "Writer" Mathias Seemann bei der Arbeit
http://www.ots.at/redirect/Bild7
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