- 30.10.2013, 08:43:54
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SOS Mitmensch: Jung, qualifiziert, seit 10 Jahren in Österreich, aber keine Aufenthaltssicherheit
Politik mobbt hochmotivierte Menschen aus Land heraus
Utl.: Politik mobbt hochmotivierte Menschen aus Land heraus =
Wien (OTS) - "Es ist eigentlich zum Haare ausraufen. Anstatt Leuten,
die qualifiziert und hochmotiviert sind, eine Perspektive zu bieten,
mobbt sie die österreichische Politik aus dem Land heraus. Österreich
stellt sich damit selbst ein Haxerl", ärgert sich Alexander Pollak,
Sprecher von SOS Mitmensch. Anlass für seinen Ärger ist der Fall des
32-jährigen Sujan Dhamala. Der Nepalese kam Anfang 2004 nach
Österreich, absolvierte an einer Privatuniversität zwei
Wirtschaftsstudien, jobbte währenddessen und danach als
Zeitungszusteller und als persönlicher Assistent für eine Person mit
Behinderung und steht jetzt dennoch kurz davor, das Land wieder
verlassen zu müssen.
Nur "Traumjob" hilft
Der Grund: Trotz seiner Qualifikation und seinem fast 10-jährigen
Aufenthalt in Österreich gewährt ihm die österreichische Politik
weder einen sicheren Aufenthaltsstatus noch vollen Zugang zum
Arbeitsmarkt. Zur Erlangung einer Rot-Weiß-Rot-Karte bräuchte Dhamala
einen "Traumjob" als hoch bezahlter Angestellter. Mit einem üblichen
Einstiegsgehalt oder einer Tätigkeit als Selbständiger hat er keine
Chance auf die erlösende Aufenthalts- und Arbeitskarte.
Situation der permanenten Unsicherheit
"Österreich ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich mag das
Land sehr und würde gerne hier bleiben und etwas beitragen, aber die
Politik macht es mir und meiner Frau sehr, sehr schwer", so der in
Wien lebende Dhamala. "Wir erwarten in Bälde unser erstes Kind. Wir
wollen es aber nicht in einer Situation der permanenten Unsicherheit
aufziehen. Deshalb denken wir ernsthaft darüber nach, Österreich
wieder zu verlassen, auch wenn es uns weh tut."
Letzte Hoffnung: Neues Regierungsprogramm
Der letzte kleine Funken Hoffnung für Dhamala sind die laufenden
Regierungsverhandlungen. "Als Sebastian Kurz
Integrationsstaatsekretär wurde, war ich begeistert. Ich war mir
sicher, dass jetzt Leistungsbereitschaft wirklich anerkannt werden
wird und für Menschen wie mich Perspektiven geschaffen werden. Aber
es hat sich so gut wie nichts bewegt. Meine letzte Hoffnung ist, dass
sich jetzt nach den Wahlen doch etwas ändert und mir die Politik in
Österreich eine faire Zukunftschance gibt", so Dhamala.
SOS Mitmensch unterstützt Dhamala
Die Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch macht sich für ein
Aufenthalts- und Arbeitsrecht des Nepalesen stark. "Für uns war
gleich nach dem ersten Gespräch mit Herrn Dhamala klar, dass wir ihn
unterstützen. Nicht nur weil er ein sehr sympathischer und
gewinnender Mensch ist, sondern auch weil sich viele in einer
ähnlichen Situation wie er befinden", so SOS Mitmensch-Sprecher
Alexander Pollak. Pollak verweist auf den Fall der jungen
kolumbianischen Doppelstudienabsolventin, die Anfang des Jahres
beinahe wegen der Einkommenshürden für die Rot-Weiß-Rot-Karte
Österreich verlassen musste. Erst durch eine beispiellose Welle der
Solidarität konnte sie hier bleiben. Die Politik hat sich seitdem
jedoch nicht bewegt.
Neues Rot-Weiß-Rot-Modell gefordert
SOS Mitmensch fordert die Einführung einer eigenen
Rot-Weiß-Rot-Karte für Personen, die bereits langjährig in Österreich
leben. "Wer hier über viele Jahre lebt, sollte auch die realistische
Chance haben, dauerhaft Teil der österreichischen Gesellschaft zu
werden. Das darf nicht an unflexiblen Modellen und überzogenen
Einkommenserfordernissen scheitern. Es ist Aufgabe der Regierung,
Zukunftsperspektiven zu schaffen, nicht sie zu torpedieren", so
Pollak in Richtung RegierungsverhandlerInnen von SPÖ und ÖVP.
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