WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Im Osten viel Neues - von Ingrid Krawarik

Rosige Zeiten sehen anders aus - einen zweiten Blick ist Osteuropa aber wert

Wien (OTS) - Selten wurde eine Region so oft zu Grabe getragen wie Osteuropa in den vergangenen fünf Jahren - und immer wieder hat sich die Region zurückgemeldet. So auch jetzt: Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft dort um 2,7 Prozent wachsen. Das ist zwar meilenweit entfernt von den Fabelwachstumsraten aus der Zeit vor der Finanzkrise, die fünf bis zehn Prozent betrugen. Im Nachhinein gesehen war das aber ein purer Hype, eine Übertreibung par excellence, und solche haben es nun mal an sich, von anderen Trends abgelöst zu werden oder in sich zusammenzufallen. Den Ländern Osteuropas wurde allerdings 2008 mitten im Aufschwung der vermeintliche Todesstoß versetzt. Das Potenzial war noch gar nicht ausgeschöpft und lag die vergangenen Jahre brach. Dass ein nachhaltiges Lebenszeichen kommen musste, war also nur eine Frage der Zeit. Die positiven Wachstumsraten sind zwar dem zarten Aufschwung in Westeuropa geschuldet - ohne den geht im Osten nichts. Dafür schaffen es die Osteuropäer jedoch, schneller und stärker zu wachsen.

Von rosigen Zeiten ist hier zwar noch nicht die Rede, dafür ist die Risikoaversion noch zu groß. Aber einen zweiten Blick ist die Region auf jeden Fall wert. In Rumänien gibt es erste Versuche von Privatisierungen, die das Interesse ausländischer Investoren geweckt haben. Polen meldet sich nach einem schwachen Jahr 2013 wieder zurück und die Türkei findet nach starken Abflüssen von ausländischem Kapital als liquidester Markt in der Region neue Investoren. Für Privatanleger hat sich das Engagement in osteuropäische Aktien teilweise gelohnt. Knapp zehn Prozent Fondsrendite per annum auf die letzten fünf Jahre sind nicht zu verachten, vor allem deshalb, weil dieser Gewinn ohne russische Aktien erzielt wurde (siehe S. 16). Wer vor drei Jahren eingestiegen ist, hatte weniger Glück, liegt aber immerhin nur leicht unter Wasser. In vielen Osteuropa-Fonds sind österreichische Aktien wie die Erste Group, OMV oder auch Vienna Insurance Group beigemischt, weil diese Unternehmen das Potenzial der Region frühzeitig erkannt haben, dort trotz massiver Verluste während der Krisenjahre ausgeharrt haben und nun wieder reüssieren werden.

Wer jetzt in Osteuropa investieren möchte, muss Zeit mitbringen. Unter fünf Jahren Anlagehorizont zahlt sich ein Engagement nämlich gar nicht erst aus.

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